Aktuelles aus Kirche und Gemeinden

LEBENDIGE KIRCHE – EINDRÜCKE AUS DEM JOHANNISCHEN KIRCHENLEBEN

In unserer Mediathek können auf der Themenseite „Lebendige Kirche“ Erinnerungen in Videoform an unser lebendiges Kirchenleben über die letzten Jahrzehnte wachwerden. Die Videos werden monatlich ausgetauscht.

Für den Zugang sind Benutzername und Passwort notwendig, die über die Gemeindeleitungen oder beim Verlag Weg und Ziel erhältlich sind.

Termine der Gottesdienste in den Gemeinden und Informationen zu Telefon- und Video-Übertragungen

Eine Verlinkung zur Streamseite ist angegeben, wenn Gottesdienste per Live-Videostream übertragen werden.

Die telefonischen Einwahlnummern für alle Übertragungen sind: Tel.: (030) 201 63 49 00 oder (089) 121 40 59 00. Die PIN-Nummer ist immer PIN: 24081855#. Die Konferenzraumnummer ist beim jeweiligen Gottesdienst angegeben.

Bitte beachten, dass Gottesdienste eventuell nicht als Präsenzgottesdienste stattfinden, bzw., dass eine Anmeldung bei den Gemeindeleitungen nötig sein könnte. Bitte über die aktuellen Regeln für Präsenzgottesdienste vor Ort informieren.


SAMSTAG, 27. NOVEMBER 2021

  • Berlin-Kaulsdorf, Kindergottesdienst, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 31909#

SONNTAG, 28. NOVEMBER 2021 – 1. ADVENT

  • Berlin-Kaulsdorf, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Berlin-SMH, Kindergottesdienst, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream
  • Fürstenwalde, 15 Uhr, ohne Übertragung
  • Gößweinstein, 11 Uhr, Telefonübertragung intern und Videostream
  • Hamburg, Kindergottesdienst, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 88706# und Videostream
  • Lausitz, 14.30 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Potsdam, 14.30 Uhr, Konferenzraumnummer 16882#
  • Schwedt (Oder), 11 Uhr, Konferenzraumnummer 55114#
  • Urgemeinde Friedensstadt im Waldfrieden, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 92885# und Videostream
  • Velten, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 31909# und Videostream
  • Wittenberg mit Elster, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 31909# und Videostream

SAMSTAG, 4. DEZEMBER 2021

  • Leipzig, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Bremen, 13 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream

SONNTAG, 5. DEZEMBER 2021 – 2. ADVENT

  • Baden-Baden in Riehen, 14 Uhr, ohne Übertragung
  • Berlin-Kaulsdorf, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Berlin-SMH, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream
  • Dortmund, 13 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream
  • Gößweinstein, Kindergottesdienst, 11 Uhr, Telefonübertragung intern und Videostream
  • Hamburg, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 88706# und Videostream
  • Hannover, 12 Uhr, Konferenzraumnummer 88706#
  • Pasewalk, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 55114#
  • Quedlinburg, 11 Uhr, ohne Übertragung
  • Staßfurt, 15 Uhr, ohne Übertragung
  • Urgemeinde Friedensstadt im Waldfrieden, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 92885# und Videostream
  • Urgemeinde Friedensstadt, Kindergottesdienst, Schule, 11 Uhr, ohne Übertragung
  • Velten, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 31909# und Videostream
  • Wiesbaden, 11 Uhr, ohne Übertragung

Weitere Übertragungen

• Übertragung des Abendgebets täglich 17 Uhr - aus der Friedensstadt - und 21 Uhr: Konferenzraumnummer: 31909# / für Familien Mo.–Fr. 19.30 Uhr: Konferenzraumnummer: 31909#

• Übertragung Abschiedsfeier Friedhof Friedensstadt: Konferenzraumnummer: 92885# und Videostream

• Übertragung des Friedensgebet aus dem SMH, montags, 13 Uhr: Konferenzraumnummer: 16882#

• Übertragung des Friedensgebet aus der Friedensstadt, freitags, 13 Uhr: Konferenzraumnummer: 92885#

Keine Weihnachtsmärkte 2021

Liebe Geschwister und Freunde!

Aufgrund der weiterhin bestehenden Pandemie sehen wir es als besser an, auch in diesem Jahr keine Weihnachtsmärkte in unseren Kirchenzentren und Gemeindehäusern durchzuführen.

Dennoch wollen wir dem Kommen des Heilands freudig entgegengehen. Wir hoffen auf die Kreativität aller, um die Adventszeit in dieser Vorfreude und mit der gedanklichen Verbindung und der praktischen Hilfe für Mitmenschen in Not liebevoll und vielfältig zu gestalten.

Wir wünschen allen eine gesegnete Adventszeit.
Eure Vorstände der Johannischen Kirche und ihres Sozialwerks

Erntedankfeste in den johannischen Gemeinden

Das Erntedankfest ist im Christentum ein Fest nach der Ernte im Herbst, bei dem die Gläubigen Gott für die Gaben der Ernte danken. In allen johannischen Gemeinden finden dazu Anfang Oktober Gottesdienste statt, in denen die Besucher gesegnete Früchte vom Altar erhalten, die meist zuvor zu diesem Zweck gespendet wurden.

Im folgenden Artikel aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel zitiert Prediger Rainer Gerhardt eine Frage unseres Kirchengründers Joseph Weißenberg: Wo ist die Frucht des Menschen?

Erntedank: Wo ist die Frucht des Menschen? – Gott hat uns als guten Samen ausgesät

Von Rainer Gerhardt

Vor Kurzem haben viele Menschen in Gottesdiensten Erntedank gefeiert. Es wird in den verschiedenen Ländern und Religionen ganz unterschiedlich begangen, aber eines ist gemeinsam: Überall wird dem Herrn gedankt, dem Schöpfer aller guten Gaben!

Erntedank wurde in früheren Zeiten vielleicht noch etwas inniger begangen als heute. Unsere Vorfahren waren den Naturgewalten viel direkter ausgeliefert, als wir es heute sind. Aber sind wir nicht mehr und mehr in gleicher Weise betroffen? Die Flutkatastrophe des vergangenen Sommers hat in unserem Land nicht nur viel Leid mit sich gebracht. Mit den Fluten ist auch ein großer Teil unserer Selbstsicherheit weggespült worden.

Wir glauben oft, dass alles selbstverständlich ist: unser tägliches Brot, unser sicheres Dach über dem Kopf, unsere Gesundheit, die Liebe unserer Familienmitglieder oder die Zuneigung unserer Freunde. Die letzten Monate haben uns aber etwas anderes gelehrt: Vieles kann sich von einem Moment zum anderen radikal ändern.

In Zeiten des Umbruchs und des Zweifels suchen wir Sicherheit, und im Erleben des Erntedankfestes können wir erkennen: Das Einzige, was unvergänglich ist, ist die Liebe Gottes. Sie ist ein Fundament, das nicht weggespült wird.

Geistfreunde haben uns einmal zugerufen: „Was in Dankbarkeit empfangen und sorgsam gehütet wird, das wird immer von Segen begleitet. Und was als Selbstverständnis genommen wird und verschwendet wird, das verliert automatisch seinen Segen.“ Vielleicht sind wir alle - jeder für sich und wir alle zusammen - in den letzten Jahren manchmal zu selbstbewusst und zu wenig dankbar gewesen. Selbstvertrauen ist wichtig, wenn es aber zu Selbstüberschätzung führt, dann kann es problematisch werden. Vielleicht müssen wir die Dankbarkeit neu entdecken.

In den Erntedankgottesdiensten unserer Johannischen Kirche haben die Teilnehmer gesegnete Früchte erhalten. Sie sind nicht nur ein Symbol, sondern ein Stück greifbarer Segen, den alle mit nach Hause nehmen können. Aber wir sollen nicht nur Segen empfangen, sondern wir sollen selbst zum Segen werden!

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Diese Worte werden Martin Luther zugeschrieben und stehen für die Hoffnung auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Wer einen Baum pflanzt, der macht das in der Gewissheit, dass erst eine zukünftige Generation die Ernte nutzen kann; solch ein Mensch handelt im besten Sinne vorausschauend und nachhaltig; solch ein Mensch glaubt an eine Zukunft. Das ist gelebte Hoffnung.
Auch in der Heiligen Schrift, die uns Dank Martin Luthers Übersetzung zugänglich und verständlich geworden ist, finden sich viele Worte, die in uns Hoffnung wecken wollen. Nachfolgend einige Beispiele entsprechender Bibelverse:

„Christus spricht: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,29)

„Ich harre des Herrn; meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.“ (Psalm 130,5)

„Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1)

„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens.“ (Jeremia 29,11)

„Du bist mein Schirm und Schild; ich hoffe auf dein Wort.“ (Psalm 119,114)

„Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.“ (Klagelieder 3,24)

„So wir aber des hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld.“ (Römer 8,25)

„Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes.“ (Römer 15,13)

Hoffnung schafft Trost und Mut. Gott kann durch einen mutigen Menschen auch sehr viel besser wirken als durch einen ängstlichen. Manchmal muss man einfach sagen: „Wir schaffen das!“, und dann können andere mutig folgen. Diesem zuversichtlichen Satz möchte ich hier noch zwei Worte hinzufügen: „Wir schaffen das: Mit Gott!“

Gott hat uns als Samen in diese Welt gepflanzt, damit wir gute Früchte bringen. Joseph Weißenberg, der Gründer der Johannischen Kirche, fragte oft nach dem Erntedankgottesdienst: „Wo ist die Frucht des Menschen?“ An anderer Stelle sagte er: „Was der Mensch sät, das wird er ernten.“

Jesus Christus gab uns im Umgang mit unseren Mitmenschen die Ausrichtung: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Auch wir werden an unseren Früchten erkannt werden.

Möchten wir daran arbeiten, dass wir gute Früchte ernten, denn Gott hat einen guten Samen in uns gesetzt. So können auch wir zu einem Apfelbäumchen werden.

Gedenkstätte für Joseph Weißenberg im St.-Michaels-Heim instandgesetzt

Zur diesjährigen Kirchentagswoche konnten die Restaurierungsarbeiten an der Gedenkstätte für Joseph Weißenberg im St.-Michaels-Heim beendet werden.

Die große Kalksteinplatte wurde geschliffen, poliert und versiegelt und die Bronzeschrift mit den beiden Aussagen Joseph Weißenbergs: „Mein Werk ist umsonst, wenn die Liebe nicht größer wird“ und „Mit Irdischem lässt sich nicht ehren, der alles schuf, was ringsumher, der alles könnte uns gewähren, will Liebe nur und sonst nichts mehr“ neu patiniert. Dazu wurde der Vorplatz leicht vergrößert, wasserdurchlässig gestaltet und mit Natursteinen neu angelegt.

„Voneinander, Füreinander, Miteinander“ – der Johannische Kirchentag 2021

Unter dem Motto „Voneinander, Füreinander, Miteinander“ fand vom 22. bis zum 29. August der Johannische Kirchentag 2021 statt und lud alle Kirchenmitglieder, Glaubensfreude, Nachbarn und Interessenten ein.

Der Kirchentag fand im zweiten Jahr in Folge größtenteils digital statt, aber begrenzt konnten Besucherinnen und Besucher im St.-Michaels-Heim, in der Friedensstadt und im Waldfrieden und in weiteren Gemeindehäusern den vielfältigen Programmpunkten auch in der Gemeinschaft beiwohnen.

Mit dem Kirchentag endet ein johannisches Kirchenjahr und es beginnt ein neues. Einen kleinen Einblick in die Tage des Kirchentags und einen Ausblick auf das neue Kirchenjahr wollen die folgenden Texte vermitteln, die in unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel erschienen sind.

Frohe Botschaften – die Kirchentagswoche lädt alle ein

Von Rainer Gerhardt

Wer schon einmal fern von Zuhause in einer Botschaft seines Heimatlandes war, hat es vielleicht auch erlebt: Man fühlt sich dort von den Menschen verstanden und der Heimat ein Stück näher; alles ist irgendwie vertraut. Solch ein Gefühl können wir auch bekommen, wenn wir ein Gotteshaus betreten, egal, ob es ein johannisches Gemeindehaus, eine kleine Dorfkirche, eine große Kathedrale, eine Moschee oder ein Tempel ist. Orte, an denen der Geist Gottes zu spüren ist, sind so etwas wie Botschaften des Himmels, und vielleicht fühlen wir uns auch in ihnen ein Stück besser verstanden und der Heimat näher.

Doch es gibt nicht nur diese Botschaften aus Stein, sondern auch die aus dem Geist und den Worten des Herrn. Uns Menschen ist die frohe Botschaft Gottes auf vielerlei Arten entgegengetreten, und wir dürfen immer daran denken, dass Evangelium genau das bedeutet: Frohe Botschaft!

Am kommenden Sonntag beginnt der diesjährige johannische Kirchentag, und das Motto, unter dem diese Gotteswoche steht, ist ebenfalls eine frohe Botschaft: „Voneinander –  Füreinander – Miteinander“. Alle sind hierzu eingeladen: Kirchenmitglieder und Glaubensfreude, Partner, Nachbarn, Gäste und Interessenten.

Nach langen Monaten der pandemiebedingten Einschränkungen dürfen wir uns auf ein vielfältiges Programm freuen, das wieder viele Präsenzveranstaltungen mit sich bringt. Wir dürfen gemeinsam singen, beten, reden, arbeiten und uns vor allem gemeinsam freuen.

Diesmal sind nicht nur unsere Kirchenzentren Friedensstadt und St.-Michaels-Heim in das Kirchentagsgeschehen einbezogen, sondern auch unsere Gemeindehäuser. Dieses Zusammenkommen – ob in Präsenz oder virtuell – ist, als ob man wieder zu Hause ist, sozusagen auf heimatlichem Boden Gottes Botschaft ungestört empfangen darf.

Doch was machen wir – wo immer wir nun herkommen – eigentlich mit Gottes Botschaft? Durchdringt sie unser Leben? Macht sie es erfüllter, freudiger, hoffnungsvoller? Ich glaube, ja. Vielleicht nicht in jedem Moment, aber doch immer wieder und, wenn wir uns Gott nähern, immer öfter. Wenn wir beginnen, die frohe Botschaft nicht nur mit den Lippen zu bekennen, sondern zu leben, dann durchdringt sie uns so sehr, dass wir eines Tages selbst zu Botschaftern Gottes werden dürfen.
Wer sagt da: Unmöglich?!

Wir kennen bestimmt Menschen, in deren Gegenwart wir uns verstanden und der himmlischen Heimat ein Stück näher fühlen. Sie sind schon Botschafter der Liebe Gottes, und es gibt sie in allen Landen, in allen Konfessionen und Religionen.

Voneinander – Füreinander – Miteinander: Diese Botschaft ist nicht auf die Kirchentagswoche beschränkt, sondern möchte alle unsere Lebensbereiche ansprechen. Wir können voneinander lernen, füreinander da sein, miteinander etwas bewegen.

Gerade in einer Zeit, wo es scheinbar mehr Gegeneinander als Miteinander gibt, ist es wichtig, gute Botschaften zu verbreiten, in dem man sie lebt.

Joseph Weißenberg, um dessen Geburtstag am 24. August die Kirchentagswoche stattfindet, hat sich nie gescheut, die frohe Botschaft Gottes zu verbreiten und für sie einzutreten. Mit seiner Friedensstadt, einer „Hütte Gottes bei den Menschen“, hat er darüber hinaus eine „Botschaft des Himmels“ errichtet. Viele Menschen empfinden hier ein Gefühl von Geborgenheit, fühlen sich verstanden und zu Hause.

Dieses Gefühl ist nicht auf einen Ort beschränkt, und das Erleben des Kirchentags ist es auch nicht. Das ist die frohe Botschaft im Jahr 2021. Tragen wir sie freudig in die Welt hinaus.

Alle unter einem Dach – große Geschenke: Gemeinschaft und Gebet

Von Johannes Falk

Das große Fest der Gemeinschaft, unser johannischer Kirchentag, hat uns alle wieder vereint, wo wir auch waren, besonders zu den großen Gottesdiensten am Geburtstag des Meisters und dann zum Festgottesdienst am Sonntag, dem 29. August. Ob in der großen Hallenkirche im Waldfrieden der Friedensstadt, im immer wieder heimatlichen St. Michaels-Heim, in den Gemeindehäusern nah und fern oder am Bildschirm oder Telefon rings um den Erdball: In all diesen Stunden und ganz besonders zum gemeinsamen Händefalten im Bitt- und Dankgebet vereint, das gleichsam jubelnd und aus tiefstem dankbaren Herzen als ein Bekenntnis zur Gemeinschaft des Meisters, zum himmlischen Vater emporgesandt wurde, in diesen Minuten, Stunden, Tagen waren wir alle eins, wie unter einem weltumspannenden, schützenden Kirchendach!

Gerade das kraftvolle gemeinsame Vaterunser ist in unserer Gemeinschaft, seit es unser Meister und Kirchengründer Joseph Weißenberg vorgelebt und als Verordnung in Herz und Seele gelegt hat, ein starkes, festes und verbindendes Element unseres Glaubenslebens. Bereits vor über hundert Jahren hat er es allen, die zum ihm kamen, ans Herz gelegt: das heilige Vaterunser als tägliche Verordnung. Und er hat uns gelehrt, es in des Heilands Namen zu beten mit dem Schluss: „In Christo Jesu. Amen!“ So wie es Jesus Christus einst seinen Jüngern für diese kommende Zeit sagte: „An dem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen.“

Das tägliche Gebet ist für uns und unsere Gemeinschaft zu einer Lebensordnung geworden, die einfach zu unserem Tagesablauf gehört, wie auch der Hinweis unseres Meisters Joseph Weißenbergs, morgens nie ohne ein kurzes Gebet aus dem Hause zu gehen. Ja, wir haben es gut in unserer johannischen Kirchenheimat: In allen johannischen Häusern beginnt der Arbeitstag für die Mitarbeiter mit einem Vaterunser. In meiner Gemeinde Gößweinstein wurde dies selbst während der heißen Umbauphase des Stempferhofes nie versäumt: Oft standen wir dabei mitten in einer Baustelle und manchmal auch unter freiem Himmel davor.

Doch wir beten dabei nicht nur für das Tagesgeschehen. Oft war es schon so und seit einiger Zeit wieder ganz gezielt: Wir denken dabei ganz besonders innig an unsere Schwestern und Brüder, die heute in ihrem Glaubensleben nicht so frei sind wie wir. Und wir denken ebenso an die vielen Menschen, Seelen und besonders die Kinder in Kriegsschrecken, Hunger, Angst, Verzweiflung, Not und Tod und Naturkatastrophen.

Am Schluss dieser Gedanken soll unser aller Dank stehen für die großen Geschenke unseres Meisters: unsere Gemeinschaft und das immer wieder stärkende Band des gemeinsamen Gebetes. Und dazu ein Gebet unseres Meisters, das er oft gesprochen hat, und so glaube ich, ganz besonders in unsere heutige Zeit passt, soll uns hier ans Herz gelegt sein:

„Du allmächtiger Gott und Vater, Du hast die Herzen alle in Deiner Hand, Du lenkest sie wie Wasserbäche; so lenke es für jedes Menschen Wohl, für jede Familie, für jedes Vaterland, auf dass Friede werde auf dieser dunklen Erde und bald ein Hirt und eine Herde. Amen.“

„Ein Hirt und eine Herde!“ Unter diesem schützenden, weltumspannenden Kirchendach der Ewigkeit dürfen wir uns alle dankbar und gläubig geborgen wissen!

Geistige Weckrufe – hören wir hin!

Von Paul Schuchardt

Ein neues Kirchenjahr beginnt. In der Kirchentagswoche haben wir in vielen Begegnungen und Gesprächen Gedanken ausgetauscht und geistige Impulse aufnehmen können. Sind das nicht in erster Linie Weckrufe an jeden von uns? Mache dich auf in deinem Leben, und lass das Licht deiner Seele leuchten, lass die Liebe, die von Gott geschenkt in dir ist, erkennbar werden.

Überall in der Welt erreichen Menschen Weckrufe aus der geistigen Heimat. Manche Menschen erleben diesen Weckruf aus ihrem Inneren heraus, andere berührt eine Begegnung oder ein Ereignis so sehr, dass sie spüren, hier bin ich angesprochen. Wenn wir aufmerksam sind, können wir auch solche Rufe hören. Zahlreiche Ereignisse halten uns Spiegel vor und scheinen uns zu fragen: Wo bist du in dem Geschehen zu finden? Welcher „Ruf“ geht von dir aus? Fühlst du die liebevolle Kraft, die du in dir hast? Ist sie die treibende Kraft für deine Entscheidungen?

Viele junge Menschen übernehmen heute Verantwortung, zum Beispiel wenn sich die Folgen der Klimaveränderungen immer deutlicher zeigen. Sie spüren, dass wir alle dafür Verantwortung tragen, uns aber meist dessen nicht bewusst sind. Kinder und Jugendliche in vielen Ländern fordern uns beständig auf, unsere Lebenshaltungen zu überdenken und unsere Gleichgültigkeit aufzugeben. Was tun wir damit, wenn wir ihre Botschaften hören?

In der ganzen Welt merken Menschen, dass die auf menschliche Kraft beruhende Sicherheit nur scheinbar unverletzbar ist. Auch die Krankheitswelle durch die ganze Welt, die wir jetzt erleben, kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen, die nicht an Ländergrenzen haltmachen. Oder denken wir an die zahlreichen Ströme flüchtender Menschen, die der Gewalt, Krieg und Zerstörung, aber auch existenzieller Not und massiven Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen entkommen wollen. Kann Wegschauen und „Festung bauen“ helfen? Anzeichen der Verletzlichkeit der selbstgeschaffenen Wohlfühlzone gab es seit vielen Jahren. Wie weit geht die Bereitschaft zu Solidarität, zu wirksamer Menschlichkeit?

In vielen Teilen der Welt rufen geistig geweckte Menschen auf, Trennungen und Feindschaften zwischen Völkern, Religionen und Kulturen aufzugeben. Sie leben das meist mit persönlichem Einsatz in ihrem Umfeld vor, auch wenn sie bedroht und verfolgt werden. Sie sind getrieben durch die Erkenntnis, dass alles von Gott Geschaffene zusammengehört, alle Menschen eine große Familie sind und dass jeder Mensch von Gott gleich geliebt wird.

Wir sind keine einsamen Vertreter des Glaubens, dass wir nach dem Tod in einer geistigen Welt weiterleben. Doch ist uns wirklich bewusst, dass Gott Liebe ist? Viele Menschen fürchten sich vor Gott. Doch Jesus nannte ihn „Abba“, liebevoller Vater. Von ihm geht beständig unfassbare bedingungslose Liebe aus. Zu ihm gehören wir. Seine Liebe wohnt auch in uns. Sie ist die eigentliche Kraft unseres Lebens und wird dennoch so oft vergessen, übertönt, nicht beachtet. Für unsere Entscheidungen ist sehr hilfreich, wenn wir an diesen hellen Liebesfunken in unserer Seele glauben. Wir brauchen das Erlebnis, dass wir Liebe in uns haben und dass wir von Gott bedingungslos geliebt sind. Das können wir in unserem Alltag ausprobieren: Handele nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus dem Glauben an die Liebe in dir.

Gott ist Liebe. Alles, was er getan oder geschaffen hat, ist gut. Wieso sollte das bei bestimmten Menschen nicht gelten? Was sind mögliche Gründe dafür, dass das gut Geschaffene so verformt wurde? Wieso glauben viele, dass wir nur durch strenge Erziehung zu „guten“ Menschen werden? In vielen Fällen stellt die Erziehung eher eine Konditionierung für eigene Lebensstrukturen dar. Die Liebe bringen die Kinder bei ihrer Geburt bereits mit. Sie suchen bei ihren Eltern Resonanz, die Liebe aus der Heimat. Wenn sie diese nicht wahrnehmen können, kommen von ihnen oft Signale, die ebenfalls Weckrufe sind. So fragen sie manchmal nur mit ihren Augen: Habt ihr vergessen, dass ihr Liebe in euch habt?

In unserem Leben sind wir immerzu in Aktion, stellen etwas her, bauen oder erfinden etwas. Wir bereisen ferne Länder, kaufen viele Dinge usw. Viele klagen über Hektik und Stress, doch es fehlt der Mut zu neuen, liebevolleren Ansätzen. Machen wir uns bewusst, dass alles, was wir tun, Teil des großen Ganzen ist und Auswirkungen darauf hat! Somit hat jeder einen wertvollen Anteil an notwendigen Veränderungen in der Welt. Unser Tun wird eine gute Wirkung haben, wenn es mit Liebe geschieht.

So ist sicher auch für das beginnende Kirchenjahr der Wunsch unseres Meisters der gleiche: „…dass die Liebe größer wird.“ Wir brauchen nicht darauf zu warten, dass irgendein anderer damit anfangen soll. Der Weckruf kommt aus jedem einzelnen Herzen. Hören wir hin!

25 Jahre Heilinstitut in der Friedensstadt

Vor 25 Jahren, am 16. August 1996, wurde das Heilinstitut in der Friedensstadt wiedereröffnet. Erbaut im Jahr 1932 und schon damals ein Haus des Heilens, ist es heute Herberge für viele medizinische, therapeutische und seelsorgerische Einrichtungen. 

Es folgen Worte von Kirchenoberhaupt Frieda Müller vom 14. Juli 1996 und von Kirchenoberhaupt Josephine Müller zum 20jährigen Jahrestag der Wiedereröffnung.

„Wir kommen mit nichts, wir gehen mit nichts. Im Tode sind wir alle gleich.“

Zur Einweihung veröffentlichte Kirchenoberhaupt Frieda Müller bereits am 14. Juli 1996 die folgenden Worte:

„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Gott ist der Urstrom allen Lebens. Unser Meister sagt: ,Mein Gedanke war nur der, Menschen zu helfen, die da leidend, elend und krank waren. Ich bin fest überzeugt: Das, was ich tue, tue ich in göttlicher Allmacht, aber nicht aus mir, sondern es ist eine Kraft, die durch mich arbeitet.‘

In diesem Hause lebte und wirkte unser Meister Joseph Weißenberg. Sein Wunsch war es, dass einmal Ärzte, Heilpraktiker, Missionshelfer, Therapeuten mit den geistigen Helfern im gemeinsam gesprochenen Vaterunser zusammenstehen, um für eine gesunde Heil- und Lebensweise zu bitten. Am Dachgesims dieses Hauses stehen die Worte: ,Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie.‘

Das ist unser Leben. Die ausgleichende Gerechtigkeit Gottes steht am Anfang jeden Menschenlebens und an seinem Ende: Wir kommen mit nichts, wir gehen mit nichts. Im Tode sind wir alle gleich.“

Zum 20-jährigen Bestehen des Heilinstituts nach der Wiedereröffnung gab Kirchenoberhaupt Josephine Müller am 16. August 2016 die folgenden Worte mit auf den Weg:

„Es ist kein Bau aus Steinen, es ist ein Dom der Kraft“, in dem er mit den Seinen in steter Arbeit schafft. – Ihr Lieben! Ihr seid aufgerufen, den Strom zu ergreifen, die Kraft zu ergreifen und als Heiler wirken zu können. Es werden von hier aus die Ströme des Heiligen Geistes fließen, und Erlösung wird geschehen in einem Maße, wie ihr es euch nicht vorstellen könnt. – Es muss von euch alles getan werden, um diesem Strom den Weg zu bereiten, und das muss in euch geschehen, in einem jeden einzelnen, dass ihr euch öffnet seinem Strom. Oft begreift ihr es gar nicht, was es bedeutet, sich seinem Strom zu öffnen, sich ihm, dem Heiland und Herrn der Welt ganz hinzugeben!

„Die Arbeit, die ihr vollbringen dürft, ist nicht immer vor Augen zu sehen. Das, was irdisch geschaffen werden kann, sind teilweise nur Ergebnisse, die Mittel zum Zweck sind, um eure geistige Arbeit voranzubringen.
Ihr braucht als Menschen immer wieder etwas, was sichtbar ist; deswegen wird gebaut, deswegen wird etwas verändert, was vor Augen steht. Aber der Weg dorthin, ihr lieben Freunde, das ist die eigentliche Arbeit. Wie geht ihr an diese Aufgabe heran, wieweit lasst ihr den anderen gelten? Das ist die Aufgabe, die geschafft werden soll. Und dann können schöne Bauten entstehen, die auch den Menschen wiederum dienen, zur Ruhe zu kommen, zur Gesundung zu finden.“

Oft steht noch so viel in euch gegen das Werk, was ihr in euch freikämpfen müsst. Der Herr möchte euch diese Lasten abnehmen; und er kann sie euch abnehmen, wenn er sieht, dass ihr mit ganzem Herzen, mit allen Fasern eures Körpers und eures Geistes ihm helfen wollt und dienen wollt. Mehr ist nicht vonnöten. Und er wird dann auch euch das Verständnis und das Verstehen schenken untereinander, füreinander.
Auch ihr, die ihr von verschiedenen Seiten an dieses sein Werk geführt werdet und aus verschiedenen Gesichtsfeldern handelt, auch ihr werdet es lernen, was es heißt: „Krankheit ist Geist.“ – Der Geist steht über allem. Und wenn ihr den Herrn anfleht im Geist und in der Wahrheit, um Verständnis zu erlangen, dann kann er euch die Augen öffnen. Noch steht ihr scheinbar gegeneinander, weil euch das Verständnis fehlt, was das Ganze betrifft. Aber ihr lieben Freunde, wenn ihr die Gnade empfangen dürft, so klein zu werden, um in diesem Werk aufzugehen, in seinem Geist aufzugehen, dann werdet ihr sehen, was es heißt: „Krankheit ist Geist“.

Die Eröffnung des Heilinstitutes wird ein Schlüssel sein für den Geist, der einziehen muss. Solange wissenschaftlicher Geist noch über göttlichen Heilgeist gesetzt wird, solange die Schulmedizin in euren Köpfen noch höher eingeschätzt wird als die wahre, erlösende Heilungskraft Gottes, solange wird es noch nicht frei und licht in johannischen Praxen. Aber es kommt, und der Geist drängt und er steht da und er macht sich bemerkbar.

„Dieses Haus soll sich unterscheiden von allen Heilinstituten, in denen kranke Menschen zur Gesundung gebracht werden sollen. Es soll sich insoweit unterscheiden, dass die Betonung auf dem inneren Frieden, auf der inneren Ordnung liegt, aus der Gesundheit kommt, Gesundheit, die Gott ist. Dass niemand den Geist beleidigt, der das Haus zusammenhält, den Heilgeist, der alles führen und leiten soll! Und wer in diesem Haus die Hände auflegt, darf vor Geistern keine Angst haben, muss so wirken können, dass er überzeugend mit Mensch und Geist reden kann.

Ihr braucht nur eines: euch führen und leiten lassen. Die Menschheit bedarf der Heilung des Geistes. Denn alles, was geschieht, alles, was an Ungutem geschehen kann, beruht auf den Geisteskrankheiten, die auf dieser Welt lasten. Die Bannungen, die auf diesem Stern liegen, müssen Stück für Stück abgetragen werden. Und so werden die Menschen hierher geführt in seine Stadt, um gesund zu werden am Körper, aber in erster Linie am Geist, damit der Strom wieder zum Fließen kommt, der Strom, der gesund macht. Das Handauflegen wird auch hier das A und O sein. Denn dadurch werden die Ströme wieder geordnet, die in Unordnung geraten sind, und die Menschen dürfen diesen Ort verlassen, gesund an Geist und Körper, und dürfen selbst als Werkzeug wieder in die Welt treten.

Die Welle des Lichts kommt, und sie ist viel größer als die Welle der Finsternis. Wenn das nicht so wäre, dann wäre ohnehin all unser Wirken umsonst, aber göttliches Wirken führt immer zu Ende, was angefangen wurde, und so geht es auch hier weiter. Auch wenn der Mensch sich manchmal noch so erbärmlich fühlt, so unzulänglich, so nicht würdig seiner Rolle, der Herr wirkt doch durch ihn. Und wenn ihr manchmal alles hinwerfen wollt, weil ihr an euch selbst zweifelt, weil ihr euch nicht mehr lieben könnt, weil ihr euch selbst nicht mehr achten könnt, der Herr wirkt trotzdem durch euch, und gerade dann! Zu eurem großen Erstaunen werdet ihr merken, dass eure Glaubwürdigkeit steigt, dass man euch mehr zuhört und dass ihr selber auch Kräfte gewinnt. Ihr werdet härter gegen euch selbst und weicher gegen den Nächsten, und das ist es ja, meine Lieben, das Ziel, das es zu erringen gilt: Härter gegen sich selbst zu werden und weicher mit dem Nächsten!

Das Institut soll den Menschen bewusst machen, wie vergänglich das irdische Dasein ist, wie wenig wert der Körper ist, und doch, welche Verantwortung damit verbunden ist, ihn zu tragen. Wenn der Mensch die Verantwortung richtig trägt für diesen seinen Körper, dann wird auch das erlösend wirken. Ein jeder Mensch steht für sich selbst, ein jedes Gewissen ist unaustauschbar, eine jede Erkenntnis ist nicht übertragbar. So soll euch nur eins einen, das eine Ziel: die gemeinsame Heimat, die Freude an dem Gott, der Liebe ist, die Freude an dem Vater, der wartet, und das Bewusstsein: Es ist es wert, hier zu leben, es ist es wert, hier zu kämpfen, ein jeder Tag war es wert!“

75 Jahre Gottesdienste im Waldfrieden – der 30. Juni bleibt ein besonderer Tag

Vor 75 Jahren, am 30. Juni 1946, fand im Waldfrieden der erste Gottesdienst nach dem Kirchenverbot statt. Das Foto zeigt einen Blick auf den Waldfriedenaltar mit den Kirchenbannern zu Beginn der 1950er Jahre.

In unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel erschien dazu folgender Artikel:

Der 30. Juni bleibt ein besonderer Tag – vor 75 Jahren fand im Waldfrieden der erste Gottesdienst nach dem Kirchenverbot statt

Von Rainer Gerhardt

Am 30. Juni ist es 75 Jahre her, dass sich nach der Zeit des Verbotes der Johannischen Kirche die Tore des Gotteshauses auf dem Waldfrieden wieder für alle Gläubigen öffneten. Nach elf Jahren konnten johannische Christen an jenem Junitag zum ersten Mal wieder eine Andacht auf ihrem eigenen Kirchengelände durchführen. Seitdem versammeln sich jeden Sonntag die Mitglieder der Urgemeinde Friedensstadt und Gäste um 11 Uhr zum Gottesdienst.

Der Tag des ersten Gottesdienstes nach dem Kirchenverbot ist bis heute für viele ein besonderes Datum geblieben. Ermöglicht wurde dies durch den sowjetischen Kommandanten der Garnison Glau, die auf dem Gelände der Friedensstadt lag. Er hatte wenige Wochen zuvor verfügt: „Die sowjetische Armee gibt Ihnen Ihr Kirchengelände hiermit zurück.“ Diese Rückgabe verband er mit dem Wunsch: „Beten Sie auch für Russland.“

Nach Verhandlungen mit Besatzungs- und Zivilbehörden wurde schließlich im Dezember 1948 das große Gotteshaus mit dem dazugehörigen Areal von der Landesregierung Brandenburg an die Johannische Kirche als Eigentum zurückgegeben. Als erstes mussten im Gotteshaus die Spuren des militärischen Missbrauchs und des Krieges beseitigt werden. Dann ging es an umfangreiche Neugestaltungen, die immer auch Entwicklungsabschnitte der Johannnischen Kirche widerspiegelten. Am 20. Juni 1948 weihte Kirchen­oberhaupt Frieda Müller ein neues Kruzifix. Dabei sprach sie die Worte: „Unter dem Kreuz Jesu Christi finden wir uns dereinst alle einmal wieder.“

Der Altarraum erhielt eine neue Gestalt in den Jahren 1961/62 auf Grundlage der Entwürfe des Architekten Götz Keller und der Arbeiten des Bildhauers Hans-Joachim Roszinski, der die beiden Altarfenster und die Bronzebüste Joseph Weißenbergs schuf.

Den Auftrag der Johannischen Kirche zur „Überbrückung der Konfessionen durch die Liebe“ machte Kirchenoberhaupt Josephine Müller im März 2002 mit der Umgestaltung des Kirchenaltars deutlich. Dieser besteht als tragende Konstruktion aus einem dreifachen W für Weißenberg. Darüber steht das alle Menschen verbindende Bibelwort „Gott ist Liebe“.

Schwester Friedchen drückte ihre Verbundenheit mit diesem Ort einmal so aus: „Hier bin ich wirklich zu Hause."

Kirchenoberhaupt Frieda Müller – ein großes Leben für ein großes Werk

Am 10. Juni 2001 – vor 20 Jahren – ging Kirchenoberhaupt Frieda Müller heim. Prediger Johannes Falk verfasste das folgende Gedicht und den folgenden Artikel für unsere Kirchenzeitung Weg und Ziel aus diesem Anlass:

Ein großes Leben ging zu Ende, ein großes Leben für ein großes Werk;
es kam zurück in Gottes Vaterhände, dies Leben hieß: „Für Joseph Weißenberg!“
Wer diesem Leben gab Vertrauen, der darf am Werke weiterbauen.

Doch nicht nur für den Meister stand dies Leben, für jede Seele war es liebend da;
wer dieser Führung stets war treu ergeben, der war auch Gottes Herzen wieder nah.
Wer diesem Leben treu geblieben, darf künden nun von seinem Lieben.

Als Dank heißt heute unsre Herzensbitte: Herr, lass dies Vorbild immer bei uns sein!
Es war uns fester Halt und Lebensmitte, ja, diese Liebe lässt uns nie allein!
Wer diesem Leben bleibt verbunden, der hat im Herzen heimgefunden.

Erinnerungen an den Heimgang von Schwester Friedchen – Überbrückung bis zuletzt

Von Johannes Falk

Am 10. Juni jährt sich zum 20. Mal der Heimgangstag unseres Oberhauptes Frieda Müller, unserer von uns allen geliebten Schwester Friedchen. Wir, die wir noch ganz fest die überwältigend schöne und von großer Dankbarkeit erfüllte Abschiedsfeier von unserer lieben Schwester Josephine im Januar vor einem Jahr im Gedächtnis und im Herzen haben, möchten hier einmal für diejenigen sprechen, die damals vor 20 Jahren bei der Abschiedsfeier für Schwester Friedchen auf dem Schönhof nicht dabei waren oder sich nicht mehr so genau daran erinnern können:

Es hat in unserer Johannischen Kirche in der Vergangenheit schon manche Abschiedsfeier gegeben, bei der Schmerz und Trauer vom gläubigen, himmlischen Trost überstrahlt wurden und in eine große Dankbarkeit mündeten. Doch dieser 16. Juni 2001 war keine wie die bisher erlebten. Hier spürten alle Teilnehmer der Abschiedsfeier: Die Tore des Himmels waren weit aufgetan, es war ein großes Heimgangsfest, wie es unser Meister Joseph Weißenberg prophetisch verheißen hat: dass wir uns freuen und Feste feiern, wenn einer heimgeht! Und wie er dazu sagte: „Meine größte Freude ist die Zukunft des ewigen Lebens.“

Mir war an diesem Tage, als ständen wir zunächst im großen, feierlichen Kreis der zum Teil noch den Abschiedsschmerz spürenden Menschen – und dann auf einmal auf der Seite der himmlischen Engel, der geistigen Freunde und Kameraden von alters her, die diese Heimkehr und Ankunft nun in unaussprechlicher und unbeschreiblicher Freude und Seligkeit feiern! Ja, dieser Tag war ein Erlebnis, das es bisher weder hier noch irgendwo gegeben hatte! Dies empfanden nicht nur die johannischen Teilnehmer, die in großer Zahl erschienen waren. Auch viele Freunde und Bekannte aus der näheren und weiteren Umgebung waren tief bewegt und angerührt von der großen Würde und zugleich hohen Dankbarkeit dieses Tages.

Auch eine Anzahl von Vertretern der Behörden, aus Politik und Verwaltung waren gekommen, die Schwester Friedchen seit Beginn des Schönhofs aus mancher Begegnung achtungsvoll gewogen waren. Dabei ist an erster Stelle zu nennen der ehemalige Regierungspräsident von Oberfranken, Wolfgang Winkler, der Schwester Friedchen von der ersten Begegnung an spontan zugetan war. Er war als treuer Berater und Helfer Schwester Friedchen und vielen von uns in herzlicher Freundschaft verbunden und ist dann noch als exzellenter Jurist ein erfolgreicher Mitkämpfer für den Schönhof-Friedhof gewesen. Mehrmals konnten wir uns noch mit ihm und seiner Frau auf dem Schönhof sehen, wo er auch die Grabstätte von Schwester Friedchen aufsuchte. Einige Jahre später durfte er sich dann selbst nach schwerer Krankheit in die himmlische Heimat verabschieden.

Noch lange nach diesem Abschied von Schwester Friedchen wurde ich damals immer wieder auf diesen Tag angesprochen, darunter von vielen, die Schwester Friedchens Leben in der Fränkischen Schweiz in fast drei Jahrzehnten mit Sympathie, Achtung und herzlicher Freundschaft begleiteten. Alle zeigten sich bewegt über die große Gemeinschaft von Jung und Alt.

Mit großer Freude und Befriedigung war von ihnen zu hören, dass nun „genau zum Heimgang von Frau Müller der Friedhof genehmigt wurde“. Ja, so haben wir alle das damals auch mit allergrößter Dankbarkeit gesehen und erlebt. Und somit war dieser erste Gang auf „unseren Friedhof“ für uns alle ein sehr prägendes Ereignis! Nach jahrelangem Ringen und Kämpfen um diesen Gottesacker hat Schwester Friedchen bis in ihre letzten Tage zu jedem Abendgebet zum Schluss die Bitte ausgesprochen: „... für unser deutsches Volk und Land und um Freiwerden für den Friedhof!“
Drei Jahre zuvor hatte Schwester Friedchen dem Bayreuther Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel in ihrem Dank für seine Geburtstagsgratulation zum Schluss geschrieben: „... es ist auch mein Wille und größter Wunsch, auf dem für unseren Friedhof erwählten Schönhof-Grund meine letzte Ruhestätte zu finden. Diese Hoffnung werde ich nie aufgeben.“

Zwei Tage vor dem Heimgang Schwester Friedchens durfte ich dann das Genehmigungsschreiben vom Landratsamt Bayreuth in ihre Hände legen. „Geschafft“ waren ihre letzten Worte.

Viele Siege, irdische wie geistige, konnte sie in ihrem langen Wirken als Oberhaupt erringen. Diese Genehmigung war wie ein Symbol für ihren letzten Kampf und Sieg!

Schwester Friedchen hatte einst bei einem 1. Spatenstich für den Friedhof die Bitte zum Meister geschickt: „Bereite diesen Ort zu einer Erlösungsstation für viele Seelen und Geister!“ Und sie hatte dazu gewünscht: „Möge dieser Gottesacker nicht konfessionsgebunden, sondern für alle zugänglich sein.“ Einst vor vielen Jahren hatte sie uns hier auf die neuen Arbeitsfelder in der Fränkischen Schweiz gestellt, um mit uns gemeinsam die vom Meister übertragene Aufgabe der „Überbrückung“ hier vor Ort zu leben. Dazu können wir nun heute nach zwanzig Jahren Friedhof dankbar und freudig bezeugen: Auch und gerade dieser Gottesacker ist zu einer segensreichen Stätte der „Überbrückung“, ja, vieler „Überbrückungen“ geworden!

20 Jahre Friedhof auf Gut Schönhof

Vor 20 Jahren – am 7. Juni 2001 – genehmigte das Landratsamt Bayreuth den johannischen Friedhof auf Gut Schönhof. In einem Artikel unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel beschrieb Prediger Klaus Ritter den damaligen Ablauf.

Langjährige Mühen bis zum Friedhof auf Gut Schönhof

Von Klaus Ritter

Nach langjährigen Mühen und Kämpfen genehmigte das Landratsamt Bayreuth am 7. Juni 2001 den Friedhof auf Gut Schönhof. Am folgenden Tag konnte Prediger Johannes Falk Oberhaupt Frieda Müller das Genehmigungsschreiben in ihre Hände legen. Zwei Tage später, am 10. Juni 2001, ging Schwester Friedchen heim. Ihr Wunsch, ihre sterbliche Hülle auf dem johannischen Friedhof im Frankenland beigesetzt zu bekommen, ging am 16. Juni 2001 in Erfüllung.

Am 18. Juni 2001 konnte noch eine Glaubenschwester auf dem Friedhof beerdigt werden, aber bereits kurz darauf erhielt die Kirche die offizielle Mitteilung, dass gegen den Genehmigungsbescheid ein Widerspruch erhoben wurde. Die mit einem derartigen Rechtsmittel verbundene „aufschiebende Wirkung“ bedeutete: Bis zur endgültigen Entscheidung über den Widerspruch durften keine weiteren  Beerdigungen stattfinden.

Der Köttweinsdorf und Eichenbirkig mit Trinkwasser versorgende Wasserzweckverband hatte Widerspruch erhoben und ihn mit der Behauptung begründet, vom neuen Friedhof könnten Schadstoffe ins Grundwasser gelangen und das von ihm geförderte Wasser verunreinigen.

Dass das vom Landratsamt bereits dreimal eingeschaltete Wasserwirtschaftsamt eine solche Gefahr ausgeschlossen hatte, konnte den Verband nicht beeindrucken, auch nicht die Tatsache, dass wegen der schwierigen Bodenverhältnisse als zusätzliche Maßnahme Grabkammern aus Beton gewählt wurden.

Sowohl das Landratsamt Bayreuth als auch die Regierung von Oberfranken lehnten die Anträge der Kirche ab, die „sofortige Vollziehung“ des Genehmigungsbeschlusses anzuordnen. So musste das Verwaltungsgericht angerufen werden, das dann nach dreimonatigem Wechsel umfangreicher Schriftsätze erlaubte, auf dem johannischen Friedhof auf Gut Schönhof Beerdigungen durchzuführen. In der juristischen Fachsprache: Das Gericht ordnete die „sofortige Vollziehung“ des Bescheides des Landratsamtes Bayreuth vom 7. Juni 2001 an. Den Beschluss konnten Kirchenvertreter am 5. November 2001 in den Händen halten.

Ende November 2001 fand dann die dritte Beisetzung auf dem Friedhof statt.

Johannisches Pfingstfest 2021

Wie schon im Vorjahr konnte das johannische Pfingstfest auch 2021 größtenteils nur digital stattfinden. Am Pfingstsonntag konnten sich viele Geschwister und Freunde der Kirche in den Gemeinden versammeln und dort gemeinsam die Videoübertragung des Festgottesdienstes aus dem Waldfrieden verfolgen.

Das Pfingstfest gilt als das Fest des Heiligen Geistes. Laut Apostelgeschichte ist der Pfingstsonntag der Tag, an dem die Jünger Jesu vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Sie konnten plötzlich in mehreren Sprachen reden und erhielten von Jesus Christus den Auftrag, das Evangelium zu verbreiten.

Es folgen zwei Artikel aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel zur Bedeutung des Pfingstfestes:

Zum Pfingstfest: Einmütig sein – Mit Gottes Kraft Gegensätze überwinden

Von Rainer Gerhardt

„Einigkeit macht stark“, sagt der Volksmund, und wenn wir in die Bibel schauen, dann finden wir für diese Aussage viele gute Beispiele. Am eindrucksvollsten ist wohl das Pfingstgeschehen, von dem die Apostelgeschichte berichtet.

Nach der Himmelfahrt Jesu folgten die Jünger dem Aufruf der Engel, nach Jerusalem zu gehen, um dort die frohe Botschaft – das Evangelium – zu predigen. Aus einer Gruppe verängstigter Menschen, die sich nach dem Kreuzestod des Heilands noch heimlich hinter verschlossenen Türen getroffen hatten, ist im Laufe der 40 Tage zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt des Herrn eine Gruppe mutiger Bekenner seines Namens und seiner Lehre geworden: Jünger wurden zu Aposteln.

Die Bibel schreibt: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Das Schlüsselwort dieser Zeilen lautet „einmütig“, es bedeutet: völlig übereinstimmend, einer Meinung, eines Sinnes sein. Wie ist es dazu gekommen? Die Jünger hatten endlich die Beispiele der Nächstenliebe verstanden, die ihnen der Heiland immer wieder liebevoll-ermahnend und vorbildlich gegeben hatte: die Fußwaschung, das Verzeihen des Verrates und der Mutlosigkeit. Sie erkannten sich selbst und ihren Bruder, ihre Schwester neben sich. Sie akzeptierten sich und ihren Nächsten im Herrn und wuchsen so zu einer Einheit zusammen.

Im Detail konnten sie durchaus weiterhin unterschiedlicher Meinung sein, auch darüber berichtet die Apostelgeschichte, aber im Wesentlichen waren sie sich einig. Auf diese Einigkeit konnte der Herr seine Kirche – heute möchten wir sagen, seine Kirchen – bauen. Sein Heiliger Geist baute und baut Brücken der Verständigung.

All dies brauchen wir heute mehr denn je. Das Auseinanderdriften unserer Gemeinschaften scheint beständig zu wachsen. Meinungsunterschiede werden zu unüberwindlichen Barrieren; ein Riss geht durch Familien, Freundschaften, Gemeinschaften, durch Kirchen, Länder und Völker. Manche Auseinandersetzung mag in ihrer Heftigkeit das Resultat einer längst überfälligen und jahrzehntelang unterdrückten Debatte und deswegen notwendig sein; es ist aber immer die Frage, wie wir diese Debatten führen, wie wir mit anderen Meinungen und Ansichten umgehen, ob recht haben und haben wollen zur Rechthaberei wird.

Pfingsten erinnert uns daran, dass Vereinzelung und Entzweiung nicht zum Ziel führen, sondern nur die Einmütigkeit. Dann kann heiliger Geist fließen, uns erfüllen. Erkenntnis wird wichtiger als Meinung, denn: Recht im Sinne Gottes hat nur derjenige, der die größere Liebe hat. Auch das lehrt uns Pfingsten.

Pfingsten lässt uns den Zugang zur Kraft des Herrn finden – Gottes lichter, heilender Geist umgibt uns

Von Paul Schuchardt

Nach Christi Himmelfahrt erlebten die Menschen das darauffolgende Pfingstfest in einer ihnen unbekannten Weise. Heiliger Geist kam auf die Jünger, und ihre Predigten wurden von allen verstanden.

Was ist das eigentlich – Heiliger Geist? Wir verstehen langsam immer mehr: Gott ist Liebe. Heiliger Geist geht von ihm aus. So kann es nur Geist reiner Gottesliebe sein. Alles, was jemals von Gott geschaffen wurde und wird, ist durch das Wirken dieses reinen, lichten und liebevollen Geistes entstanden. So ist dieser Heilige Geist auch überall auf der Erde zu finden.

Doch durch die Entfremdung der Menschen von dem Gotteslicht erscheint uns vieles finster, kalt und lieblos, was um uns ist. Es ist meist die Folge der lieblosen Lebensart von uns Menschen. Unser Blick, unser Empfinden, unsere Vorstellungen sind oft so verdunkelt durch unser eigenes Misstrauen, Angst oder Neid. Jedoch ist um uns auch immer Gottes lichter und erlösender Geist vorhanden. In jedem Augenblick kann ein Mensch Zugang dazu finden, wenn er sich wirklich und von ganzer Seele Gott zuwendet. In diesem Moment wird der Kontakt zu der himmlischen Gotteskraft geschlossen, und es beginnt heilender, ordnender und segnender Strom zu fließen. Wer das erlebt, kann sich nur noch freuen über die wirkende Kraft Gottes und wird ihm danken und die Kraft austeilen.

Das haben die Jünger damals zu Pfingsten und in ihrer anschließenden Wirkungszeit getan. Das erlebten und erleben bis heute zahlreiche Menschen immer wieder.

Nun kann man sagen: Das ist nur begnadeten Menschen vorbehalten. Mir wird es nicht vergönnt sein. Wie könnte ich so etwas jemals erreichen?

Letztlich ist es eine Frage meines Glaubens und meines Vertrauens in das Wirken Gottes. Es hat auch etwas damit zu tun, eigene Ängste zu überwinden. Es ist auffällig, wie wenig Ängste bei denen vorhanden sind, die sich voll und ganz in ihrem Leben und ihrem Handeln auf Gott verlassen haben.

Im Grunde sehnen sich doch alle Menschen nach Liebe, nach Vertrauen, nach Geborgenheit. Damit aber der heilende Geist Gottes in einem Menschen wirken kann, braucht dieser Mensch ein offenes Herz. Das kann er nur haben, wenn er vertrauen kann, dass ihm nicht schon wieder etwas Schlimmes passieren wird – wie schon so oft!

Deshalb hat Jesus die Jünger aufgefordert, das Evangelium – die frohe Botschaft von Gottes Liebe – aller Welt, aller Kreatur zu predigen. Sie zogen los ohne Waffen, ohne Reichtümer, ohne Sicherheiten mit großem Vertrauen. Für viele war das überzeugend. Sie fanden deshalb  zum Glauben – an den liebenden Gott. Sie kamen zusammen in Gemeinden, und wo die Liebe die Grundlage der Gemeinschaft blieb, war sie gesund und anziehend für viele, die genau das suchten.

Pfingsten ist immer wieder die Möglichkeit für jeden, Zugang zu dieser Kraft zu bekommen. Heiliger Geist ist da – überall, nicht nur bei unserem Fest – und kann gefunden und aufgenommen werden. Lasst uns darauf vertrauen, dass Gott uns wie auch alle anderen liebt und uns alle von unseren Lasten und Ängsten freimachen und erlösen will. Öffnen wir unsere Herzen seinem Segen, der uns gespendet wird und durch uns vielen zum Segen werden soll – dann ist sein Zweck erfüllt. Möchte es unser Herzenswunsch sein, die frohe Botschaft in unser Lebensumfeld zu tragen und Menschen froh zu machen.

Die Sprache der Liebe wird überall verstanden – in allen Sprachen, in allen Regionen, in Völkern und Religionen. Lasst uns diese Sprache lernen, und wir werden froh und glücklich sein.

Palmsonntag, Karfreitag, Ostern 2021

An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi. Johannes-Christen wird das Heilige Abendmahl an Karfreitag gereicht.

Es folgen vier Texte aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel, die die Ereignisse an Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag darstellen und die Wichtigkeit der Karwoche und des Ostergeschehens für Christen und das Heilige Abendmahl für Johannes-Christen verdeutlichen.

Beginn der Karwoche – Palmsonntag zeigt uns Christuswege auf

Von Detlef Nagel

In der Heiligen Schrift lesen wir im Johannes-Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem: „Des andern Tages, da viel Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“

Die Menschen waren hoffnungsvoll und neugierig auf Christus, denn er hatte viele Wundertaten vollbracht, und sie sahen in ihm den Messias, den Retter aus der römischen Herrschaft. Die Zweige, die sie auf der Straße für ihn ausbreiteten, waren von der Dattelpalme, die bis zu 50 Meter hoch werden kann und große wirtschaftliche Bedeutung hatte: Früchte, Bauholz, Blätter zum Dachdecken und für Flechtarbeiten – Matten, Körbe, Zäune. Ein Blatt konnte bis zu drei Meter lang werden. Den Einzug des Heilands mit solchen Palmenzweigen zu begrüßen war auch eine Machtdemonstration, stand diese Ehre doch sonst nur Königen zu.

Auch ihre Mäntel legten die Menschen zu seinem Empfang auf den Weg. Der mächtige König kam dann aber nicht, wie von vielen erwartet, auf einem prächtigen Schlachtross, sondern auf einem Esel in die Stadt. Jeder hatte wohl andere Vorstellungen und Erwartungen von diesem König.

Ein Geistfreund beschreibt es in unserer Zeit so: „Palmsonntag zeigt alle Wünsche der Welt auf, wie sie anmaßend, überheblich, selbstgefällig sich ihren Gott formen wollen, sich ihr Idol formen wollen und dann doch an ganz anderen Gesetzmäßigkeiten scheitern, weil sie unfähig sind, in solchen Weiten zu denken.“

Diese Worte gelten bis in unsere Zeit hinein. Heute denken und sagen die Menschen, wenn es einen Gott gäbe, würde es nicht so viel Leid auf der Erde geben. Sie wollen nicht einsehen, dass sie selbst den jetzigen Zustand der Schöpfung und Geschöpfe herbeigeführt haben und durch ihren Egoismus, Neid, ihr Machtstreben und unmenschliches Verhalten die Geister selbst riefen, die sie schon lange nicht mehr beherrschen können. Ein Geistfreund ermahnt auch uns:

„Der Palmsonntag, auf den wir uns zu bewegen, das ist so recht ein Tag, an dem der Mensch sich über die Schwächen, die ihn hin und her schütteln können, in sich selbst klarwerden muss: Wie viel unreine Begierde der Liebe zu Gott und den Menschen habe ich noch in mir, nach wie viel unnötiger Würde strebe ich noch vor den Menschen? Und wie viel oder wenig gilt mir noch die Würde vor Gott und den Geistern, die so viel höher steht und so viel länger währt und um so viel köstlicher ist.“

Wir können und sollten die Geschichte der auf den Palmsonntag folgenden Karwoche in den vier Evangelien der Bibel nachlesen. Die Beschreibung vom „Hosianna!“ des Volkes beim Einzug Jesu in Jerusalem bis zum nur eine Woche später seitens des gleichen Volkes geforderten Rufes „Kreuzige ihn!“ ist eine große Hilfe für uns alle. Sie lässt uns diese Zeit nachempfinden und in unser tägliches Verhalten einbringen. Auch im Hinblick auf das diesjährige „Heilige Abendmahl des Geistes“ am Karfreitag ist die Berücksichtigung der Karwoche sehr wichtig. Diese geistige Arbeit wird uns mehr und mehr verbinden und sicherer im Alltag machen.

In einer Geistfreundpredigt heißt es: „Mit Irdischem lässt sich nicht ehren, der alles schuf, was ringsumher, der alles könnte euch gewähren, will Liebe nur und sonst nichts mehr. Und so soll euer Ziel die gemeinschaftliche Liebe, das gemeinschaftliche ,Du‘ bleiben. Er hat es eingeführt, dass seine Geschwister sich an dem ,Du‘ erkennen. Und er sagte: Wenn ich mit meinem Vater spreche, dann sage ich auch ,Du‘, umso mehr gilt es, diese Schwingung auch unter euch zu verbreiten,  hochzuhalten.“ Am Palmsonntag 1927 hat unser Meister vor dem ersten Johannischen Abendmahl darauf hingewiesen und dem vorangestellt: „Ich möchte keinen Hochmut sehen.“

Lasst uns die Worte der Heiligen Schrift, der Geistfreunde und unseres Meisters beherzigen, damit wir dann zu Ostern wahrhaft freudig und gestärkt das Fest der Auferstehung feiern können.

Die Karwoche will unser Bewusstsein schärfen – Nur die Liebe ist Sieger

Von Rainer Gerhardt

Ein Sieger zu sein ist etwas Tolles. Am Ziel angekommen, fällt alle vorangegangene Mühsal und Beschwernis ab und weicht einer tiefen Befriedigung. Dieser Sieg, den man auskostet, muss nicht nur ein persönlicher sein; vielleicht ist man Teil einer Gruppe, eines Teams, das sich um eine Führungspersönlichkeit gefunden hat, und freut sich jetzt gemeinsam über das Erreichte. Vielleicht überlegt man sogar, wie man den Sieg für sich nutzt.

Vor gut zweitausend Jahren haben sich auch viele Menschen am Ziel ihrer Wünsche gesehen, als der Heiland auf einem Esel in Jerusalem einzog. Doch Jesus ritt mit sehr gemischten Gefühlen in diese Stadt. Er wusste, dass diese sein Ziel war, aber er ahnte, welchen Preis dieses Ziel erforderte. Kurze Zeit zuvor hatte der Heiland seinen Jüngern gesagt, „wie er müsste hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen“. Matthäus berichtet darüber in seinem Evangelium: „Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone dein selbst; das widerfahre dir nur nicht! Aber er wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! du bist mir ärgerlich; denn du meinst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Wie wenig waren seine Worte verstanden worden.

Die Masse der Begeisterten sah wirklich nur, was menschlich ist: Jesu Austreibung der Händler aus dem Tempel und seine harten Worte gegen die Pharisäer, das waren für sie willkommene Aktionen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, der Anfang von neuer weltlicher Größe des Reiches Israels und das Ende vom Joch der verhassten Römer.

Doch Jesus folgte einer göttlichen Bestimmung. Er hatte Feindesliebe gepredigt, Vergebungsbereitschaft, Liebe und Geduld – auch im Ertragen von Ungerechtigkeit. Er hatte den äußeren Tempel des Herrn gereinigt und wollte, dass ein jeder seinen inwendigen göttlichen Tempel reinigt. Das verstörte die Menge, und die Stimmung begann zu kippen; Enttäuschung machte sich breit. Ganze fünf Tage dauerte es, bis aus dem „Hosianna“ ein „Kreuzige ihn!“ wurde, bis aus den Siegern verachtete Verlierer wurden.

Diese fünf Tage gehören zu der wichtigsten und inhaltsreichsten Zeit, die der Heiland auf Erden verbrachte. Stück für Stück machte er seinen Jüngern klar, was göttlich ist. Mit der Einsetzung des heiligen Abendmahls begründete er auch ein neues Testament und machte die Menschen, die seinem Beispiel folgen, zu Himmelserben.

„Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Diese Worte richtete Jesus nicht nur an die Pharisäer, sondern an einen jeden von uns. Wir müssen uns in unserem Streben fragen, was daran weltlich und was vielleicht göttlich ist. Die vor uns liegende Karwoche will diese Frage in uns besonders deutlich werden lassen. Sie lässt uns am Ende im Ostergeschehen auch eine Antwort finden.

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“, fragt der Apostel Paulus, und Christus verheißt den Sieg der Liebe mit den Worten: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

Vom Palmsonntag zum Ostersonntag – eine ganz besondere Woche

Von Christoph Schaal-Breite

Wir feiern an Ostern die Auferstehung unseres Heilandes Jesus Christus. Aber zum Osterfest gehören noch andere wichtige Ereignisse, die alle zusammenhängen.

Zu jener Jahreszeit fand ein wichtiges jüdisches Fest statt, das Passahfest, und da der Heiland und seine Anhänger Juden waren, wollten sie dieses Fest auch entsprechend feiern. Am Passahfest wird daran erinnert, wie das Volk Israel von Mose aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt wurde. Zur Zeit des Heilandes war es üblich, dass man zu diesem Fest nach Jerusalem ging und den Tempel besuchte.

Die Geschichte des Palmsonntags: Einige Tage vor dem Passahfest kam auch der Heiland mit seinen Jüngern in Jerusalem an. Er ritt auf einem Esel in die Stadt ein, wie es die alten Propheten schon Jahrhunderte zuvor geweissagt hatten. Diese verkündeten dem Volk von der Ankunft des Messias, der die Menschen retten wird, und dass er auf einem Esel in Jerusalem einziehen wird. Die Menschen wussten, dass Jesus etwas Besonderes war und sahen in ihm ihren neuen König. Deswegen versammelten sie sich an den Straßen, jubelten ihm zu und legten vor ihm sowohl einige ihrer Kleider als auch Palmenzweige auf die Straße. Sie erhofften sich von ihm die Befreiung von den römischen Besatzern, die das jüdische Volk unterdrückten. Doch Jesus lehnte es ab, ihnen ein irdischer König zu sein.

Der Heiland ging zum Tempel in Jerusalem und sah dort Verkäufer, Käufer und Wechsler im Hause Gottes. Daraufhin stieß er die Tische und Stühle der Krämer um und sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben: ,Mein Haus soll ein Bethaus heißen‘; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.“ Nun gingen  Blinde und Lahme in den Tempel zu Jesus, und er heilte sie. Damit erzürnte er die Hohenpriester und Schriftgelehrten.

Das nächste Ereignis geschah vier Tage später, am Tag, den wir heute Gründonnerstag nennen: Der Heiland beauftragte an diesem Tag zwei seiner Jünger einen Raum zu finden, in dem sie gemeinsam das Passahlamm essen konnten. Dabei sagte er ihnen sehr genau, wo sie hingehen und wen sie ansprechen sollten. So fanden die Jünger auch genau den richtigen Raum.

An diesem Abend saß der Heiland mit seinen Anhängern zusammen, und sie aßen das Passahlamm. Dann stand der Heiland plötzlich auf und wusch seinen Jüngern die Füße. Ihr müsst euch vorstellen, dass die Menschen damals nur in dünnen Sandalen oder gar barfuß umherliefen, weswegen die Füße mehr als dreckig waren. Dazu kam noch, dass der Heiland ja der Messias ist, seine Gefolgschaft ihn auch als Meister ansprach, und er nun etwas machte, was sonst nur die geringsten Diener taten. Dies hatte aber einen Grund. Jesus gab damit ein Beispiel. Er zeigte, dass niemand besser oder schlechter als jemand anderes ist. Wenn er, der Sohn Gottes, den Menschen die Füße wäscht, dann sollten alle Menschen, die ihm nachfolgen wollen, sich dafür nicht zu schade sein.

An diesem Abend geschah aber noch etwas anderes. Während des Essens nahm der Heiland das Brot, dankte dem Herrn dafür und verteilte es an die Anwesenden. Das tat er auch mit dem Wein. Er sagte dazu, dass wenn immer die Menschen auf diese Art und Weise Brot und Wein teilten, sie seine Kraft zu sich nehmen würden. Wir kennen dieses Brotteilen heute als Abendmahl.

Als das Mahl beendet war, ging der Heiland mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane. Dort wurde er verhaftet, denn Jesus hatte zwar eine große Anhängerschaft, aber nun auch viele Gegner. Einer der Jünger, Judas Ischariot, hatte den Heiland an die Tempelwachen verraten und somit die Festnahme ermöglicht.

Nach seiner Verhaftung wurde der Heiland mehrfach von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten verhört. Sie beschuldigten ihn der Gotteslästerung, weil er sich selbst als Gottes Sohn benannte, aber niemand außer dem Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, konnte ihn zum Tode verurteilen. Dieser hatte Zweifel, dass der Heiland dies verdient hatte. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die den Heiland aber unbedingt aus dem Weg haben wollten, weil sie in ihm eine zu große Gefahr für sich selbst sahen, wiegelten das sowieso schon enttäuschte Volk auf und forderten die Verurteilung. Als Pontius Pilatus das aufgewiegelte Volk sah, das Jesus verurteilt sehen wollte, weil er nicht ihr irdischer König sein wollte, und weil Pilatus sich nicht selbst in Gefahr bringen wollte, verurteilte er den Heiland zum Tod am Kreuz.

Den Tag der Kreuzigung Jesu nennen wir heute Karfreitag; es ist der Tag, an dem wir in der Johannischen Kirche das Abendmahl einnehmen. Seit dem letzten Jahr können das auch die Kinder empfangen.

Nach der Verurteilung musste der Heiland sein Kreuz von seiner Gefängniszelle bis an den Ort seiner Kreuzigung tragen, der Golgatha, übersetzt Schädelstätte, genannt wurde. Er musste auf dem Weg dorthin viel Spott ertragen. Die römischen Soldaten verhöhnten ihn als König und drückten ihm eine Krone aus Dornen auf den Kopf. Viele Menschen am Straßenrand, die ihn eine Woche zuvor noch bejubelten, lachten ihn nun aus. Aber es gab auch Menschen, die mit dem Heiland litten und traurig waren. Und es gab sogar einige, die ihm auf diesem Weg halfen. Wie Simon von Kyrene, der dem Heiland ein Stück des Weges das Kreuz abnahm.

Auf Golgatha angekommen wurde Jesus an das Kreuz genagelt. Das Kreuz wurde dann aufgestellt, damit man ihn von weitem schon sehen konnte, denn diese Methode war für Schwerverbrecher und Mörder gedacht, und sie sollten so zur Schau gestellt werden. Auch hier musste der Heiland viel Spott ertragen. Nur einer, ein Mörder, der ebenfalls an einem Kreuz hing, erkannte, dass der Heiland unschuldig war. Er sprach zum Heiland: „Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ So hing der Heiland am Kreuz, und als die Zeit gekommen war, zerriss der Vorhang des Tempels. Und Jesus rief laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Und als er das gesagt hatte, starb er.

Die Menschen, die ihm bis unter das Kreuz gefolgt waren, wurden sehr traurig. Die Traurigkeit hielt drei Tage an, dann kam das nächste große Ereignis, das, was wir heute an Ostersonntag feiern: die Auferstehung des Heilands!

Nachdem der Leichnam des Heilands noch am Karfreitag vom Kreuz genommen und in ein Höhlengrab gelegt wurde, wollte nach einiger Zeit Maria Magdalena mit anderen Frauen den Leichnam nach den jüdischen Gebräuchen reinigen. Es war der dritte Tag nach der Kreuzigung. Doch was fanden die Frauen vor? Ein leeres Grab. Der Leichnam des Heilands war weg! Da traten zwei Engel zu ihnen und sprachen: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“

Die Frauen berichteten den Jüngern davon, doch diese wussten nicht, was sie tun sollten. „Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach: Friede sei mit euch!“ Der Heiland war wirklich auferstanden!

Abendmahl am Heilandsherzen – Kraft erhalten für einen Neuanfang unserer Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten

Von Johannes Falk

Mit großer innerer Bewegung und mit ebenso großer Vorfreude denke ich immer an unser Heiliges Abendmahl am Karfreitag. Durch die Corona-Einschränkungen konnte ich es vor einem Jahr gemeinsam mit zwei Predigeramtsbrüdern vor dem Hausaltar und am Bildschirm empfangen. Und ich werde es immer wieder voller Dank sagen: Es war ein ganz großes, wunderbares und bewegendes Erleben. Es war, als knieten wir wie immer am Altar unserer Gemeinde vor dem Angesicht unseres lieben Meisters. Und ich möchte es einmal ganz ehrlich und persönlich wiedergeben, was ich spürte und erlebte: Es war mir, als wäre es noch inniger oder noch schöner oder noch näher am Heilandsherzen als sonst. Ich kann das Erlebte nicht so ganz mit meinen Worten wiedergeben. Aber es war ein ganz besonders inniges Empfinden mit großer innerer Bewegung und Erschütterung. – Ich weiß noch nicht, wie und wo wir es zu diesem Karfreitag empfangen dürfen, ob einzeln oder in kleinerer oder größerer Gemeinschaft – doch die innere Bewegung und gleichzeitige Vorfreude ist groß!

Beim Heiligen Abendmahl denke ich immer an das erste Abendmahl unseres Heilands Jesus Christus mit seinen Jüngern: Nicht in einem goldstrotzenden Dom oder einem himmelstürmenden Münster war er mit seinen Jüngern zum Liebesmahl und damals zum gleichzeitigen Abschiedsmahl, sondern in einem einfachen, schlichten Gasthaus.

In dieser Schlichtheit und Nähe zu unserem Heiland und Erlöser hat uns alle Joseph Weißenberg geführt. Gemeinsam an der Seite seiner Schwestern und Brüder kniete er demütig vor dem Altar zur innigsten Verbindung mit unserem himmlischen Erlöser, um mit diesem größten und heiligsten Sakrament wieder die Kraft zu erhalten für einen Neuanfang unserer Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten.

Zum Schluss noch eine Erinnerung, die ich nicht vergessen möchte. Schwester Friedchen hat uns das öfter gesagt: Unser Meister Joseph Weißenberg hatte bei aller Bescheidenheit seiner Lebensführung einen besonderen Anzug, den trug er nur einmal im Jahr: zum Heiligen Abendmahl!

Ostern ist eine freudige Botschaft – Liebe und Vergebung

Von Siegrun Mauske

Die Zeit vor Ostern ist für Mensch und Tier hierzulande das Erlebnis des Erwachens der Natur. Frühjahrsputz ist angesagt, um die Sonne zu begrüßen. Beete werden vorbereitet, um eine neue Saat aufnehmen zu können; überall ist eine Aufbruchsstimmung zu verspüren. Das Osterfest liegt mitten in dieser Zeit des Aufbruchs und fügt die frohe Botschaft hinzu: „Der Herr ist auferstanden.“

Dieses Geschehen ist nicht zu trennen vom Karfreitag, denn dem begeisterten Empfang, dem Hosianna am Palmsonntag in Jerusalem, folgte nur fünf Tage später das „Kreuzige ihn!“ Und dennoch sprach Jesus am Kreuz von Golgatha: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Am Ostermorgen nun wurde es gewiss: Der Stein war nicht mehr vor dem Grab, da der Leichnam niedergelegt war. Dieses Bild haben wir immer noch im Herzen, es erzählt von der Kraft der Liebe und Vergebung, die dem Guten Bahn bricht. Es scheint so, dass nicht nur jener Stein weggerückt war, sondern auch die Steine vor der Herzenstür der Jüngerschar. Ihre Herzen wurden geöffnet und gewandelt, sie verinnerlichten die Wunder, die sie an der Seite Jesu erlebt hatten und nahmen das auf, was er ihnen mit auf den Weg gab. Diese Saat trug zu Pfingsten Früchte: Urgemeinde entstand; eine zerrissene Schar war einmütig beieinander. Das Auferstehungsgeschehen, sein „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ löste diesen Wandel aus.

Was sagen uns Kreuz und Auferstehung heute? Vielleicht ist es unter anderem die Aufforderung: Merke auf die Zeichen auf deinem Weg, nimm von der göttlichen Kraft; räume die Steine aus Misstrauen, Gedankenlosigkeit, Neid oder ungeklärten Dingen beiseite, und dann: „Hilf dem Bedrängten überall!“ Das setzt den inneren Hausputz voraus, damit wir auf das, was das Herz sagt, achten und das Gewissen und die Gedanken prüfen.

Es tut Not, einem solchen Ruf zu folgen, damit es werden kann, dass sich ein Mensch vorbehaltlos zum anderen stellt. Es hieß doch von den ersten Christen, dass das geschwisterliche Miteinander überzeugte und die Menschen zueinander führte. Sie waren geborgen und voller Zuversicht, weil die Liebe Gottes das Fundament war und sein Wort die tragfähige Verbindung.

Das Osterlicht scheint noch eine Weile, und es möchte die Herzen mit Zuversicht erfüllen. Davon künden auch folgende Verse aus dem Osterchoral von Christian Fürchtegott Gellert, der sich im Anhang des Johannischen Gesangbuches befindet:

„Jesus lebt, mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht: Dies ist meine Zuversicht. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben. Mit ihm werd ich auch zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht: Dies ist meine Zuversicht. Jesus lebt! Ich bin gewiss: Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu jeder Pflicht: Dies ist meine Zuversicht.“

Diese Zuversicht kommt aus dem Osterlicht. Dieses Licht lässt wachsen und schenkt Wärme. Damit kommt eine Kraft, die andere Herzen und dann Türen öffnen kann. Dem anderen Menschen guttun wie ein Sonnenstrahl, ist und bleibt eine schöne Aufgabe.

Bekenntnistag zu Joseph Weißenberg am 6. März

Der 6. März 1941 ist der Heimgangstag unseres Kirchengründers Joseph Weißenberg. Heutzutage ist der 6. März ein Gedenktag für johannische Christen, an dem sich in den stattfindenden Gemeindegottesdiensten Mitglieder und Freunde der Johannischen Kirche zu Joseph Weißenberg und dem johannischen Glauben bekennen.

Es folgen zwei Texte von Prediger Johannes Falk aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel, die die Wichtigkeit dieses Tages für Johannes-Christen verdeutlichen und den Menschen Joseph Weißenberg darstellen.

Ein hoher Feiertag – das Bekenntnis zur Gottesliebe

Von Johannes Falk

Der Heimgangstag Joseph Weißenbergs ist seit dem Wiedererstehen unserer Johannischen Kirche nach 1945 ein hoher Feiertag. Am 6. März 1941, vor nunmehr 80 Jahren, beendete unser Meister (*24.8.1855) in der Verbannung in Obernigk in Schlesien seine Erdenmission.

„Er war ein Mensch – wir haben es erkannt –, in dem alle Gaben und Kräfte des Geistes waren. Er war ein Helfer und ein Segenspender, ein Liebender und Verzeihender. Er gab uns eine Fülle von seinem Reichtum, von den Ewigkeitsgedanken aus jener Welt.“ – Mit diesen Worten gedachte unser Oberhaupt Frieda Müller (1911–2001) dieses wunderbaren Helfers und Heilers der Menschen, des Kirchengründers und Erbauers der Friedensstadt, der durch ein langes Leben an keinem vorüberging, der Hilfe brauchte.

Heute vereint uns an diesem Gedenktag im Gottesdienst unser Bekenntnis des Glaubens an Gott, den Vater, an Gott, den Sohn, an Gott, den Heiligen Geist und an Gottes Offenbarungen, durch Mose, Jesus Christus und Joseph Weißenberg.

Diese drei Gottesoffenbarungen haben mit ihren Erdenmissionen die Welt bewegt und werden sie weiter bewegen, solange diese Erde besteht. Und es war und ist weder in der Vergangenheit noch heute oder in Zukunft möglich, die Tragweite ihrer Erdenmissionen für diesen Erlösungsstern Erde auch nur annähernd zu deuten oder zu erfassen.

Wenn mich jemand fragt oder ich mich selbst frage, was mich im Gedanken an diese Gottesmenschen besonders bewegt, dann möchte ich das so beantworten: Eins der größten Ereignisse im Alten Testament ist das Eintreten Moses für das von Gott abgefallene Volk, das der Herr vernichten wollte. „Vergib ihnen ihre Sünde, wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast.“ Mit dieser allergrößten Konsequenz trat Mose vor den Herrn, nachdem sein Volk, während Mose die Zehn Gebote empfing, das Goldene Kalb angebetet hatte. Und er ist damit „in den Riss getreten“, wie es die Bibel sagt, um das Volk vor dem Verderben durch das Gottesgericht zu retten.

Das Neue Testament wird besiegelt durch den Erlösungstod des Heilands Jesus Christus für alle Welt und alle Zeit, für Menschen wie für Geister. Gekrönt wird es durch die Bitte dessen, der die Sünde aller Welt auf sich nimmt und als wahrer Mensch und wahrer Gott in der allergrößten Pein am Kreuz bittet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Im Testament des Heiligen Geistes ist es Joseph Weißenberg, der seine himmlische Krone niedergelegt hat, „um aus dem Allerschlechtesten etwas Gutes zu machen“, dass auch „nicht einer verloren geht“, weder die von Gott abgefallenen Engel, die er zu besiegen und zu bekehren gekommen war, noch alle seine irdischen Schwestern und Brüder, die er als der treue Hirte bis zu seinem letzten Atemzug ins Herz geschlossen hatte.

„Mein Werk ist umsonst, wenn die Liebe nicht größer wird“, ist für einen jeden von uns heiligernster Auftrag, sein Liebeswerk fortzusetzen. Und dann ruft er alle ehemals verlorenen Söhne und Töchter wieder ins Vaterhaus: „Ich möchte, dass ihr alle einst wieder an meiner Tafel sitzt!“

Der Mensch Joseph Weißenberg – Gedanken zum 6. März

Von Johannes Falk

Am 6. März, dem Heimgangstag unseres Meisters Joseph Weißenberg, ein Tag, der sich nun zum 80. Male jährt, vereinen wir uns wieder im gemeinsamen Bekenntnis zu unserem heiligen Glauben.

Nach dem Bekenntnis unserer Altvorderen und unserem heutigen Glauben bekennen wir ihn als den von Jesus Christus verheißenen Tröster, Geist der Wahrheit und Heiligen Geist, als eine Offenbarung des Gottgeistes. Dieser Beitrag möchte jedoch vor allem eine Erinnerung an den Menschen Joseph Weißenberg sein. Einige Szenen aus seinem langen Leben sollen hier wiedergegeben werden, die alle getreulich überliefert worden sind: ein kleines Porträt eines einmaligen und wunderbaren Menschen.

Zu einem kirchlichen Jubiläum 1976 fragte die Journalistin einer großen Berliner Tageszeitung das Oberhaupt Frieda Müller: „Was hat Sie an Ihrem Vater, Joseph Weißenberg, am stärksten beeindruckt?“ Spontan erwiderte Schwester Friedchen: „Seine Menschlichkeit.“ Auf die anschließende Frage: „Was haben Sie sich von seinem Wirken besonders zum Vorbild genommen?“, antwortete sie: „Er hat es verstanden, seine Mitarbeiter in der Kirche und der Siedlung für die Arbeit so zu begeistern, dass sie freudig, freiwillig und gern bei ihm arbeiteten.“

Bereits als kleiner Junge – er selbst konnte noch kaum eine Tür öffnen – eilte er unbemerkt aus der elterlichen Wohnung in dem kleinen schlesischen Ort Hohenfriedeberg zu einem todkranken Mann, um ihm seine kleinen heilenden Hände aufzulegen. Später zum Ursprung dieser Heilgabe befragt, sagte er 1930 in einem Gerichtsprozess: „Das war ein Trieb in mir. Das musste ich machen.“ Weiter äußerte er sich zu seiner lebenslangen Heiltätigkeit: „Mein Gedanke war nur der, Menschen zu helfen, die da leiden, elend und krank waren. Ich bin fest überzeugt: Das, was ich tue, tue ich in göttlicher Allmacht, aber nicht aus mir, sondern es ist eine Kraft, die durch mich arbeitet.“

Diese Demut und Bescheidenheit begleitete ihn ein Leben lang. Es ist vom Meister überliefert, dass er sich vor Beginn jeder Sprechstunde hinkniete und innig zum himmlischen Vater betete. Auch hat er den Menschen immer wieder die Worte ans Herz gelegt: „Nur der Demut kann Gott Gnade geben, dem Reumütigen neigt er sein Ohr: Drum betet, betet, Christi Glieder, denn auf die Beter senkt der Geist sich nieder.“
Neben seinen Sprechstunden für die Heilungssuchenden hat er viele Jahre selbst die Menschen besucht. Mal kam er nach einem langen, anstrengenden Tag mit weiten Wegen spät abends nach Hause. Da wartete bereits jemand, um ihn zu einem Kranken zu rufen. Der Meister nahm sofort wieder seinen Mantel und begab sich auf einen weiten Weg nach auswärts. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit legte er, wenn er mitten in der Nacht gerufen wurde und oft auch in der Stadt, weite, ja mitunter stundenlange Fußwege zurück.

Oft stand er an Krankenbetten sehr armer Leute. Wenn sie ihm dann etwas geben wollten, wehrte er ab: „Ich nehme nichts, pflegen Sie lieber den Kranken dafür, damit er wieder zu Kräften kommt!“, und schon war er aus dem Haus hinaus. Bei anderen war noch größere Not, da schüttete er nach der Behandlung den ganzen Inhalt seines Portemonnaies auf den Tisch: „Holen Sie sich was zu essen und zu trinken, dann werden Sie wieder gesund werden!“ Und ohne Fahrgeld musste er dann auch wieder zu Fuß nach Hause gehen.

Von seiner Ausbildung als Soldat in den 1870er Jahren hat der Meister oft mit Freude und Hochachtung gesprochen, weil er bis zu diesem Zeitpunkt immer ein schweres und nicht sorgenfreies Leben hatte – durch den frühen Tod der Eltern musste er für vieles selbst eintreten und auch für seine jüngeren Geschwister mit sorgen –, so war ihm die Militärzeit eine schöne und unbeschwerte Zeit, wie er später des Öfteren erwähnte. An eine Episode seiner Ausbildung im schlesischen Liegnitz erinnerte er sich gern. Zu einem besonderen Anlass in der Kaserne hatte er ein Gedicht zu verfassen. Die Verse begannen mit den Worten: „Wie glücklich ist doch ein Soldat, der einen guten Hauptmann hat.“ Doch weder der Hauptmann noch die Unteroffiziere oder die Rekruten kamen ganz ungeschoren in den sehr humorvollen 30 (!) Strophen über die Tücken und Freuden eines Soldatenalltags davon.

Bei fröhlichen Anlässen in geschwisterlicher Gemeinschaft hat er dieses lange Gedicht manchmal zur Freude aller vorgetragen. Einem Besucher der Friedensstadt erzählte er einmal, dass er dieses Gedicht damals im Auftrag seines Hauptmanns verfasst habe, wozu er drei Tage dienstfrei bekam. „Aber in drei Stunden war ich fertig damit und hatte nun die andere Zeit frei.“

Über einen unerfüllten Wunsch aus dieser Zeit sprach der Meister sogar noch in seinem letzten Lebensjahr in Obernigk: „Ich wollte ja Spielmann werden, aber ich war zu klein!“

Ein besonders menschenfreundlicher „Eingriff“ datiert aus dem Ersten Weltkrieg. Nach zwei Jahren Krieg war die Versorgungslage in Berlin katastrophal. „Kohlrübenwinter“ nannte man den Kriegswinter 1916/1917. In dieser Zeit war auch Joseph Weißenberg öfter unterwegs, um von Bekannten auf dem Lande Lebensmittel zu organisieren. „Hamsterfahrten“ nannte man das zu meiner Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das war verboten, und Kontrolleure, Gendarmen genannt, nahmen den Leuten auf den Bahnhöfen oft alles wieder weg.

Den Meister hat es damals zwar nicht erwischt, aber sein Rucksack war dennoch meist sehr erleichtert oder fast leer. Er verschenkte unterwegs an die, die Hunger hatten – und zu Hause bekam noch etwas der Nachbar, der Hauswirt, der Wachtmeister.

Dass aber an der Bahnsperre diese Gendarmen den Kriegerfrauen und -witwen den Rucksack mit Kartoffeln wegnahmen, den sie stundenlang geschleppt hatten und überhaupt alle Lebensmittel – das konnte der Meister nicht mit ansehen. Oftmals griff er helfend ein, und das geschah so: Er ließ seinen Begleiter kurz vor dem Bahnhof zurück, ging dann zu den Gendarmen, sprach mit ihnen und lud sie zu einem schönen heißen Grog im Bahnhofslokal ein. Diesen Moment musste der Begleiter nutzen, um die Wartenden auf den Bahnsteig zu schicken, sobald der Zug kam. Waren dann alle glücklich entkommen, kam der Begleiter ins Lokal. So konnten sie zwar erst einen Zug später fahren, aber der Meister war glücklich, dass so vielen durch diesen „Trick“ geholfen werden konnte.

Bereits als Maurer auf den Baustellen hat er vielen geholfen. Da kam zum Beispiel ein Arbeitskollege mit einer geschwollenen Backe. Der Meister legte seine Hand drauf, und es wurde gut. Die Schmerzen verschwanden sofort. Einer hatte sich den Fuß verstaucht, andere hatten hier und da Schmerzen. Er nahm sie ihnen ab und machte die Menschen gesund. Da nannten sie ihn, teils spöttisch, teils wohlwollend dankbar: „Jesus!“ Wenn er auf den Bau kam, so riefen sie schon von weitem: „Jesus kommt!“

Stets helfend und gebend für andere war dieser wunderbare Mensch unter Menschen. Keiner, der nicht geheilt oder getröstet von ihm gegangen ist. Doch für ihn selbst gab es keine Ausnahme von Leid und Schmerz. Hier wollen wir nur einmal an die körperlichen Leiden erinnern. Schwester Friedchen hat uns öfter davon berichtet, wie er mit zunehmendem Alter sehr unter schmerzenden Füßen zu leiden hatte. Auch bereits am Anfang seiner Berliner Heiltätigkeit hatte er oft mit Krankheiten zu kämpfen. So finden sich in dem „Patientenbuch“, das er seit 1904 nach behördlichen Auflagen führen musste, in den Jahren 1904, 1905 und 1906 Eintragungen über längere Krankheitszeiten. U.a.: „Wegen Krankheit keine Sprechstunde (von...bis). – „War sehr krank.“ – „Dank nach Krankheit.“

In solchen und ähnlichen Zeiten der Schmerzen und Demütigung sagte er oft die folgenden fröhlichen Verse. Sogar nach der schrecklichen Gefängnis– und Zuchthauszeit gab er damit manchem mit seinem unerschütterlichen Gottvertrauen und seinem ungebrochenen Humor Aufrichtung und neuen Lebensmut: „Traurig sein kann ich nicht, bei meiner Seele nicht, allzeit fidel! Wenn wir lust’gen Leut nicht wärn, wer sollt das viele Geld verzehrn? Allzeit fidel, fidel!“

Und das mit dem „vielen Geld“ sprach er besonders dann, wenn wieder mal totale Ebbe in seinem Portemonnaie war. Auch Tränen hat er vergossen. Nach grausamer Untersuchungshaft mit Folter und nach Ausweisung aus der Friedensstadt wohnte der Meister für einige Tage bei Geschwister Max und Anna Haack im Berliner Norden, dort, wo einst Schwester Friedchen als Kind bei „Mamachen Haack“ ihr beschütztes Zuhause hatte. Ein Besucher schreibt über eine Begegnung: „Wir wollten uns irgendwo hinsetzen und warten – es war kurz nach der Mittagszeit –, da stand schon unser Meister vor uns. Er erzählte sehr viel. Auch über den kommenden Weltkrieg. Von furchtbaren Kämpfen und Blutvergießen sprach er, wobei er wörtlich sagte: „Das kann ich nicht verhindern.‘ Dabei weinte der Meister. Es war mir, als sähe ich den lieben Heiland vor mir, wie er über Jerusalem weinte.“

Hier noch ein Juwel der Erinnerung. Nach Verbüßung der Zuchthausstrafe kommt der Meister zunächst zurück in die Friedensstadt. Zwei Brüder holen ihn mit dem Wagen ab. Als einer der beiden am nächsten Tag den Meister aufsucht, da ist dieser gerade dabei, ein Päckchen zu packen: für den Anstaltsleiter in Luckau, der den Meister gut behandelt hatte. Diese kleine Geste der Verbundenheit, glaube ich, sagt uns mehr über Dankbarkeit und Liebe als tausend Predigten.

Auch mit dem Sakrament der Handauflegung nahm Joseph Weißenberg es sehr ernst. Regelmäßig ließ er sich die Hände auflegen. Dazu gebe ich hier wieder, was uns Schwester Friedchen einst berichtete:
Als er in der Verbannung in Obernigk mit Leid und Schmerzen der Vollendung seines irdischen Lebens entgegenging, wartete er stets mit Vorfreude und voller Ungeduld auf seinen Missionshelfer Martin Falk, den späteren Gemeindeführer von Berlin-Steglitz. Dieser stand zu der Zeit im Heeresdienst in Frankfurt (Oder). Da Krieg war, durfte er sich nur für einen kurzen Sonderurlaub zu seiner Familie in Berlin abmelden. Da er wusste, wie sehr der Meister auf ihn wartete, „beichtete“ er in seiner Not seinem Vorgesetzten, er habe bei Breslau in Schlesien eine Freundin, eine Liebste! Der Vorgesetzte war ein Mensch mit Herz. Er genehmigte ihm Urlaub. Er gewährte ihm alle 14 Tage am Wochenende Sonderurlaub. Einmal, als Martin Falk sich nicht rechtzeitig vor dem Wochenende meldete, war es sein Vorgesetzter selbst, der ihn erinnerte: „Noch keinen Urlaub eingereicht? Das Wochenende rückt ran!“

Dann kam die letzte Zeit. Der Meister konnte schon lange nicht mehr aufstehen. Wenn dann Tag und Stunde des Besuches nahten, bat er Schwester Friedchen stets erwartungsvoll: „Mach das Fenster auf und sieh auf die Straße, ob der Martin schon da ist.“ Und wieder: „Sieh nach, ob er schon kommt!“ Und wenn er dann kam, freute sich der Meister wie über das größte Geschenk des Himmels. – Welch ein Mensch!
Doch Obernigk bedeutete auch bis zum letzten Atemzug Leidensweg. Als sein irdisches Leben sich dem Ende näherte, da kam die Nachricht von der Enteignung der Friedensstadt. „Sie haben mir meine Siedlung weggenommen, mein Lebenswerk!“, sagte er unter Tränen. Schwester Friedchen erinnerte uns nochmal daran, als sie zum Bau der Gedenkstätte im Lindenhof aufrief: „In den letzten Tagen und Stunden in Obernigk sagte der Meister so oft zu mir: ‚Sie haben mir meine Siedlung weggenommen, aber wir bekommen alles wieder und noch viel mehr dazu; aber lass dir die Zeit nicht lang werden.‘“ Auch rief er einigen Besuchern in Obernigk zu: „Den Glauben hochhalten!“, und: „Auf ein frohes Wiedersehen in den Glauer Bergen!“

Dieses Lebenswerk an und in den Glauer Bergen, das heute nun weiter blüht und wächst, verdanken wir dem großen Propheten und Gottesmann, aber auch besonders dem einmaligen, wunderbaren und unvergesslichen Menschen Joseph Weißenberg!

Erster johannischer Gottesdienst nach dem Kirchenverbot vor 75 Jahren

Am 3. Februar 1946 – vor nun 75 Jahren – fand nach dem Kirchenverbot das erste Mal wieder ein johannischer Gottesdienst statt. Veranstaltungsort war die Aula der Hildegard-Wegscheider-Schule in der Lassenstraße in Berlin-Grunewald. Dort fanden die Gottesdienste der Berliner Hauptgemeinde von 1946 bis 1957 statt. Das Foto zeigt einen Gottesdienst mit Geistfreundrede, eventuell aus dem Jahr 1951.

Es folgt ein Text zum Thema aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel:

Neuanfang als Chance – Gott zeigt uns die Richtung zum Besseren

Von Paul Schuchardt

Am 3. Februar 1946, vor 75 Jahren, erlebten johannische Christen den ersten Gottesdienst nach einer elfjährigen Verbotszeit. Berlin war durch den Zweiten Weltkrieg massiv zerstört. Es herrschte große Not, und so war es für Kirchenoberhaupt Frieda Müller unvorstellbar schwer, einen geeigneten Raum für eine erste Zusammenkunft der wiedergefundenen Geschwister zu einem Gottesdienst zu finden. In der Aula der Hildegard-Wegscheider-Oberschule in der Berliner Lassenstraße 18 war er schließlich gefunden.

Wir können heute wohl kaum noch nachempfinden, mit welch tiefer innerer Freude und Dankbarkeit dieser Gottesdienst gefeiert wurde. Schwester Friedchen sprach zu Beginn folgende Worte:

„Wir gedenken unseres Meisters, des Begründers der Evangelisch-Johannischen Kirche nach der Offenbarung St. Johannis, der am 6. März 1941 in das Heimatland der ewigen Liebe eingegangen ist. Wir gedenken seiner Worte:

Mit Irdischem lässt sich nicht ehren, der alles schuf, was rings umher; der alles könnte uns gewähren, will Liebe nur und sonst nichts mehr.
Drum sollen wir nach Liebe streben, an wahrer Liebe werden reich, dann wird uns auch der Herr erheben zu seinen Auserwählten gleich.

Er lehrte uns: Die Bibel ist die Richtschnur der menschlichen Daseinsstufe! Es gibt ein Fortleben nach dem Tode! Den Glauben an einen dreieinigstarken Gott! Durch die Geistfreunde erschloss er uns die jenseitige Welt. In den Geistfreundreden und in seinen Werken hinterließ er uns das Testament des Heiligen Geistes. Auf diesem Fundament wollen wir aufbauen, damit es endlich werde ein Hirt und eine Herde!“ –

Heute schauen wir voller Dank auf ein Werk, das von großem Segen unseres himmlischen Vaters zeugt. Viele Jahre und unendlich viel Leid in der ganzen Welt hatte es bedurft, um alte Einstellungen in den Menschen zu überwinden und zu einem Neuanfang auch in der Kirche zu finden. In den Worten Schwester Friedchens wird ganz deutlich, worauf es Joseph Weißenberg immer ankam: Die Liebe unter den Menschen soll größer werden.

Inzwischen haben wir die Friedensstadt, wie von ihm prophezeit, wieder zurückerhalten und durften viele Stätten aufbauen, an denen wir mit neuen Erkenntnissen zusammenkommen und miteinander lernen können, eine Gemeinschaft mit liebevoller Ausstrahlung zu werden. Joseph Weißenberg hatte 1926 – ganz am Anfang der Gründung der Evangelisch-Johannischen Kirche – den Mitgliedern einen klaren Auftrag erteilt: „Überbrückung der Konfessionen durch die Liebe“.

Am 6. März 2002 weihte Kirchenoberhaupt Josephine Müller den neuen Altar in der Kirche im Waldfrieden ein. Dort ist seitdem zu lesen: „Gott ist Liebe“. Es ist eine Einladung an alle, dieses Ziel in Gott mit allen anderen Menschen zu suchen. Schritt für Schritt dürfen wir verstehen, dass dies niemals in einem Geist der Anmaßung, Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit, durch Machtausübung oder mit materiellen Mitteln möglich ist. Es bedarf vielmehr liebevoller mitfühlender Herzen und gelebter Menschlichkeit. Solche Menschen sind in allen Religionen und Völkern zu finden, und es löst immer wieder große Freude aus, wenn sich Menschen zusammenfinden, um gemeinsam und gleichgeachtet an der Überwindung liebloser Zustände auf unserer Erde zu arbeiten.

Die jetzige Zeit fordert uns auch viel ab. Manche fragen sich, ob die Pandemie eine Strafe Gottes sei, und die Frage nach den Schuldigen wird wie zu allen Zeiten gestellt. Wie gern hätte man einen „Sündenbock“, den man in die Wüste schicken könnte. Aber das kann nicht das Ziel sein. Vielmehr wird es uns helfen, wenn wir diese Zeit ebenfalls als einen Neuanfang verstehen, um zu einem besseren Miteinander aller Menschen zu finden, gleich welcher Herkunft oder welchen Glaubens sie sind.

„Gott ist Liebe“ heißt auch, dass Wege zu ihm nur liebevoll gegangen werden können. Es lehrt uns auch, dass wir keine Angst vor ihm zu haben brauchen. Wir dürfen uns dessen bewusst werden, dass er uns alle liebt und dass wir alle etwas von seiner Liebe in uns tragen. Wenn diese Liebe in uns frei wird von aller Angst, werden wir keine Mühe mehr haben, andere Menschen als Freunde zu erkennen, ohne Bedingungen an sie zu stellen, wie sie sein müssen oder wie sie zu glauben haben.
Diese Liebe ist der Kompass, um zu echter Gemeinschaft und tiefer innerer Freude und Dankbarkeit zu finden. Neuanfänge sind Möglichkeiten, die Gott uns schenkt, damit seine Liebe in uns stärker wirken kann.

70 Jahre Friedhofskapelle in Glau

Am 10. Januar 1951 war der Spatenstich für den ersten johannischen Bau nach dem Kirchenverbot: die Friedhofskapelle in Glau.

An Christi Himmelfahrt, dem 5. Mai 1951, wurde die Kapelle dann eingeweiht. Nach der feierlichen Übernahme des Torschlüssels öffnete Kirchenoberhaupt Frieda Müller die Kapelle, betrat mit ihrer Begleitung und den geladenen Gästen den schön geschmückten Innenraum und nahm die Einweihung im Rahmen eines kurzen Dankgottesdienstes vor. – So berichtete unsere Kirchenzeitung Weg und Ziel vor 70 Jahren in der Ausgabe vom 13.5.1951.

Info: Vom johannischen Friedhof der Friedensstadt in Glau werden regelmäßig Abschiedsfeier per Live-Videostream übertragen.

Es folgt ein Artikel aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel zum Thema:

70 Jahre Friedhofskapelle Glau – Erster johannischer Bau nach dem Kirchenverbot

Von Siegrun Mauske

Am 10. Januar 1951 war der Spatenstich für den ersten johannischen Bau nach dem Kirchenverbot: die Friedhofskapelle in Glau. Kirchenoberhaupt Frieda Müller sagte damals unter anderem:

„Wir wollen uns zum Neubeginn hier vereinigen und wollen Gott um Kraft und Segen bitten für diesen neuen Anfang. Möge dieser Bau der Friedhofskapelle, die uns alle einmal aufnehmen wird – das gemeinsame Haus, als Mahnmal stehen, dass wir das Alte begraben und neu anfangen und jeder Einzelne in sich selbst die Gewissheit erlebe: Auch wir hier müssen alles begraben, alle Lieblosigkeit, allen Hass, Neid, Zank und Streit, damit endlich Friede und Einigkeit einziehen mögen. Unser Meister hat uns an diesem Friedhof gezeigt: Ob arm, ob reich, im Tode sind wir alle gleich, sind Kameraden auf dem Weg zum ewigen Leben. Herr und Meister, gib uns deine Kraft und deinen Segen, gib zum guten Wollen das Vollbringen. Möge dieses Haus für alle Seelen, die darin Frieden finden, das Tor zum ewigen Leben werden.“

Schon im Mai desselben Jahres konnte die schlichte Kapelle eingeweiht werden. Sie wurde aus den Steinen des im Krieg zerstörten Hotel Waldfrieden in freiwilliger Gemeinschaftsarbeit geschaffen.

Am Eingang der Kapelle finden wir den Spruch: „Ein Abschiednehmen für jene Welt, so wird der Heimgang recht bestellt. Der Eingang in die Himmelshöhen, das ist des Geistes Auferstehen.“ –

Wärme und Frieden sollen von diesem Haus ausgehen, denn Gebet und Gottes Segen liegen dem zugrunde. Mit Gott bauen wird letztlich den Menschen diese Kraft spürbar machen und helfen, zum Himmel zu erziehen, dem Erdendasein Sinn und Ziel zu schenken und zu festigen. Es fängt bei unserer Einstellung, unseren Gedanken an, wie wir mit Leben und Tod umgehen. Diese Kräfte bauen eine Welt mit. –

Am Altar stehen die Worte: „Gehet ein in das Heimatland der ewigen Liebe.“ Sie sind wegweisend für eine Seele und schaffen die Verbindung zu den Lebenden, zu einer Gemeinschaft seines Geistes. Das prägt auch das Bild des Friedhofs: der Gemeinschaftsgedanke und der Glaube an ein Fortleben der Seele nach dem Tode. Und im Tode sind wir alle gleich, das spiegelt sich in der gärtnerischen Gestaltung dieses Fleckchens Erde, das sich in die märkische Landschaft einfügt und Vergehen und Werden durch die Jahreszeiten zeigt als einen Hinweis auf Sterben und Fortleben. Die einheitliche Grabpflege überwindet auch altes Denken, vielleicht hier in reicher Weise die Gräber zu schmücken, um Zuwendung zu dokumentieren, während andere Gräber in Vergessenheit geraten.

Dieser Ort ist nicht Stätte der Trauer, sondern einer der Besinnung und des Friedens in Gott, diese besondere Ausstrahlung empfinden viele Besucher. Schon zu Lebzeiten wollen wir um eine Wanderkameradschaft bemüht sein und uns mehr und mehr öffnen für die lichten Helfer. Der Psalmist mahnt: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

100 Jahre Friedensstadt – Multimediaseite zum Jubiläum

Am 19. Dezember 1920 legte unser Meister Joseph Weißenberg den Grundstein für das erste Wohnhaus in der Friedensstadt. 100 Jahre später, am 19. Dezember 2020, feierte die Johannische Kirche dieses Jubiläum mit einem Dank- und Lobpreisgottesdienst im Waldfrieden.

Zur Feier dieses besonderen Tages wurden Texte und Videos auf einer Jubiläumsseite zusammengestellt, die allen Interessenten Informationen und Freude rund um das Thema „100 Jahre Friedensstadt“ bringen sollen.