Aktuelles

Informationen zu Telefon- und Video-Übertragungen

Das Abhalten von Präsenzgottesdiensten ist zurzeit nur im begrenzten Rahmen möglich. Neben den regelmäßigen Video-Übertragungen werden weiterhin Gottesdienste aus dem St.-Michaels-Heim, der Kirche im Waldfrieden und ausgewählten anderen Gemeinden telefonisch übertragen. Die Einwahlnummern für alle Übertragungen sind: Tel.: (030) 201 63 49 00 oder (089) 121 40 59 00. Die PIN-Nummer ist immer PIN: 24081855#. Die Konferenzraumnummer ist beim jeweiligen Gottesdienst angegeben.

• regelmäßige Gottesdienstübertragungen (auch per Videostream):

• Übertragung der Gottesdienste aus dem St.-Michaels-Heim, sonntags, 11 Uhr:
Konferenzraumnummer: 16882#

• Übertragung der Gottesdienste aus der Kirche Waldfrieden, sonntags, 11 Uhr:
Konferenzraumnummer: 92885#

• alle Gottesdienste und Gottesdienstübertragungen (wird fortlaufend aktualisiert, Änderungen vorbehalten:

Bitte beachten, dass Gottesdienste vielleicht nicht als Präsenzgottesdienste stattfinden, bzw., dass eine vorherige Anmeldung bei der Gemeindeleitung nötig sein könnte. Bitte über die aktuellen Regeln bei den Präsenzgottesdiensten vor Ort informieren.


Mittwoch, 28. Juli 2021

  • Berlin-SMH, 19 Uhr, Konferenzraumnummer 16882#


Samstag, 31. Juli 2021

  • Bremen, 13 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream


Sonntag, 1. August 2021

  • Berlin-Kaulsdorf, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Berlin-SMH, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream
  • Dortmund, 13 Uhr, Konferenzraumnummer 16882# und Videostream
  • Düsseldorf, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 68614# und Videostream
  • Gößweinstein, 11 Uhr, Telefonübertragung intern und Videostream
  • Hamburg, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 88706# und Videostream
  • Hannover, 12 Uhr, Konferenzraumnummer 88706#
  • Jena, 10 Uhr, ohne Übertragung
  • Lausitz, 10 Uhr, ohne Übertragung
  • Leipzig, 15.30 Uhr, Konferenzraumnummer 92885#
  • Pasewalk, 11 Uhr Konferenzraumnummer 55114#
  • Quedlinburg, 11 Uhr, ohne Übertragung
  • Staßfurt, 15 Uhr, Konferenzraumnummer 84155#
  • Urgemeinde Friedensstadt, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 92885# und Videostream
  • Velten, 11 Uhr, Konferenzraumnummer 31909#
  • Wittenberg, 10 Uhr, Konferenzraumnummer 31909# und Videostream


• Übertragung des Abendgebets täglich 17 Uhr - aus der Friedensstadt - und 21 Uhr: Konferenzraumnummer: 31909# / für Familien Mo.–Fr. 19.30 Uhr: Konferenzraumnummer: 31909#

• Übertragung Abschiedsfeier Friedhof Friedensstadt: Konferenzraumnummer: 92885# und Videostream

• Übertragung des Friedensgebet aus dem SMH, montags, 13 Uhr: Konferenzraumnummer: 16882#

• Übertragung des Friedensgebet aus der Friedensstadt, freitags, 13 Uhr: Konferenzraumnummer: 92885#

Johannisches Pfingstfest 2021

Das Pfingstfest gilt als das Fest des Heiligen Geistes. Laut Apostelgeschichte ist der Pfingstsonntag der Tag, an dem die Jünger Jesu vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Sie konnten plötzlich in mehreren Sprachen reden und erhielten von Jesus Christus den Auftrag, das Evangelium zu verbreiten.

Es folgen zwei Artikel aus unserer Kirchenzeitung Weg und Ziel zur Bedeutung des Pfingstfestes.

Zum Pfingstfest: Einmütig sein – Mit Gottes Kraft Gegensätze überwinden

Von Rainer Gerhardt

„Einigkeit macht stark“, sagt der Volksmund, und wenn wir in die Bibel schauen, dann finden wir für diese Aussage viele gute Beispiele. Am eindrucksvollsten ist wohl das Pfingstgeschehen, von dem die Apostelgeschichte berichtet.

Nach der Himmelfahrt Jesu folgten die Jünger dem Aufruf der Engel, nach Jerusalem zu gehen, um dort die frohe Botschaft – das Evangelium – zu predigen. Aus einer Gruppe verängstigter Menschen, die sich nach dem Kreuzestod des Heilands noch heimlich hinter verschlossenen Türen getroffen hatten, ist im Laufe der 40 Tage zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt des Herrn eine Gruppe mutiger Bekenner seines Namens und seiner Lehre geworden: Jünger wurden zu Aposteln.

Die Bibel schreibt: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Das Schlüsselwort dieser Zeilen lautet „einmütig“, es bedeutet: völlig übereinstimmend, einer Meinung, eines Sinnes sein. Wie ist es dazu gekommen? Die Jünger hatten endlich die Beispiele der Nächstenliebe verstanden, die ihnen der Heiland immer wieder liebevoll-ermahnend und vorbildlich gegeben hatte: die Fußwaschung, das Verzeihen des Verrates und der Mutlosigkeit. Sie erkannten sich selbst und ihren Bruder, ihre Schwester neben sich. Sie akzeptierten sich und ihren Nächsten im Herrn und wuchsen so zu einer Einheit zusammen.

Im Detail konnten sie durchaus weiterhin unterschiedlicher Meinung sein, auch darüber berichtet die Apostelgeschichte, aber im Wesentlichen waren sie sich einig. Auf diese Einigkeit konnte der Herr seine Kirche – heute möchten wir sagen, seine Kirchen – bauen. Sein Heiliger Geist baute und baut Brücken der Verständigung.

All dies brauchen wir heute mehr denn je. Das Auseinanderdriften unserer Gemeinschaften scheint beständig zu wachsen. Meinungsunterschiede werden zu unüberwindlichen Barrieren; ein Riss geht durch Familien, Freundschaften, Gemeinschaften, durch Kirchen, Länder und Völker. Manche Auseinandersetzung mag in ihrer Heftigkeit das Resultat einer längst überfälligen und jahrzehntelang unterdrückten Debatte und deswegen notwendig sein; es ist aber immer die Frage, wie wir diese Debatten führen, wie wir mit anderen Meinungen und Ansichten umgehen, ob recht haben und haben wollen zur Rechthaberei wird.

Pfingsten erinnert uns daran, dass Vereinzelung und Entzweiung nicht zum Ziel führen, sondern nur die Einmütigkeit. Dann kann heiliger Geist fließen, uns erfüllen. Erkenntnis wird wichtiger als Meinung, denn: Recht im Sinne Gottes hat nur derjenige, der die größere Liebe hat. Auch das lehrt uns Pfingsten.

Pfingsten lässt uns den Zugang zur Kraft des Herrn finden – Gottes lichter, heilender Geist umgibt uns

Von Paul Schuchardt

Nach Christi Himmelfahrt erlebten die Menschen das darauffolgende Pfingstfest in einer ihnen unbekannten Weise. Heiliger Geist kam auf die Jünger, und ihre Predigten wurden von allen verstanden.

Was ist das eigentlich – Heiliger Geist? Wir verstehen langsam immer mehr: Gott ist Liebe. Heiliger Geist geht von ihm aus. So kann es nur Geist reiner Gottesliebe sein. Alles, was jemals von Gott geschaffen wurde und wird, ist durch das Wirken dieses reinen, lichten und liebevollen Geistes entstanden. So ist dieser Heilige Geist auch überall auf der Erde zu finden.

Doch durch die Entfremdung der Menschen von dem Gotteslicht erscheint uns vieles finster, kalt und lieblos, was um uns ist. Es ist meist die Folge der lieblosen Lebensart von uns Menschen. Unser Blick, unser Empfinden, unsere Vorstellungen sind oft so verdunkelt durch unser eigenes Misstrauen, Angst oder Neid. Jedoch ist um uns auch immer Gottes lichter und erlösender Geist vorhanden. In jedem Augenblick kann ein Mensch Zugang dazu finden, wenn er sich wirklich und von ganzer Seele Gott zuwendet. In diesem Moment wird der Kontakt zu der himmlischen Gotteskraft geschlossen, und es beginnt heilender, ordnender und segnender Strom zu fließen. Wer das erlebt, kann sich nur noch freuen über die wirkende Kraft Gottes und wird ihm danken und die Kraft austeilen.

Das haben die Jünger damals zu Pfingsten und in ihrer anschließenden Wirkungszeit getan. Das erlebten und erleben bis heute zahlreiche Menschen immer wieder.

Nun kann man sagen: Das ist nur begnadeten Menschen vorbehalten. Mir wird es nicht vergönnt sein. Wie könnte ich so etwas jemals erreichen?

Letztlich ist es eine Frage meines Glaubens und meines Vertrauens in das Wirken Gottes. Es hat auch etwas damit zu tun, eigene Ängste zu überwinden. Es ist auffällig, wie wenig Ängste bei denen vorhanden sind, die sich voll und ganz in ihrem Leben und ihrem Handeln auf Gott verlassen haben.

Im Grunde sehnen sich doch alle Menschen nach Liebe, nach Vertrauen, nach Geborgenheit. Damit aber der heilende Geist Gottes in einem Menschen wirken kann, braucht dieser Mensch ein offenes Herz. Das kann er nur haben, wenn er vertrauen kann, dass ihm nicht schon wieder etwas Schlimmes passieren wird – wie schon so oft!

Deshalb hat Jesus die Jünger aufgefordert, das Evangelium – die frohe Botschaft von Gottes Liebe – aller Welt, aller Kreatur zu predigen. Sie zogen los ohne Waffen, ohne Reichtümer, ohne Sicherheiten mit großem Vertrauen. Für viele war das überzeugend. Sie fanden deshalb  zum Glauben – an den liebenden Gott. Sie kamen zusammen in Gemeinden, und wo die Liebe die Grundlage der Gemeinschaft blieb, war sie gesund und anziehend für viele, die genau das suchten.

Pfingsten ist immer wieder die Möglichkeit für jeden, Zugang zu dieser Kraft zu bekommen. Heiliger Geist ist da – überall, nicht nur bei unserem Fest – und kann gefunden und aufgenommen werden. Lasst uns darauf vertrauen, dass Gott uns wie auch alle anderen liebt und uns alle von unseren Lasten und Ängsten freimachen und erlösen will. Öffnen wir unsere Herzen seinem Segen, der uns gespendet wird und durch uns vielen zum Segen werden soll – dann ist sein Zweck erfüllt. Möchte es unser Herzenswunsch sein, die frohe Botschaft in unser Lebensumfeld zu tragen und Menschen froh zu machen.

Die Sprache der Liebe wird überall verstanden – in allen Sprachen, in allen Regionen, in Völkern und Religionen. Lasst uns diese Sprache lernen, und wir werden froh und glücklich sein.

Palmsonntag, Karfreitag, Ostern

An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi.

Es folgen vier Texte, die die Ereignisse an Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag darstellen und die Wichtigkeit der Karwoche und des Ostergeschehens für Christen verdeutlichen.

Beginn der Karwoche – Palmsonntag zeigt uns Christuswege auf

Von Detlef Nagel

In der Heiligen Schrift lesen wir im Johannes-Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem: „Des andern Tages, da viel Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“

Die Menschen waren hoffnungsvoll und neugierig auf Christus, denn er hatte viele Wundertaten vollbracht, und sie sahen in ihm den Messias, den Retter aus der römischen Herrschaft. Die Zweige, die sie auf der Straße für ihn ausbreiteten, waren von der Dattelpalme, die bis zu 50 Meter hoch werden kann und große wirtschaftliche Bedeutung hatte: Früchte, Bauholz, Blätter zum Dachdecken und für Flechtarbeiten – Matten, Körbe, Zäune. Ein Blatt konnte bis zu drei Meter lang werden. Den Einzug des Heilands mit solchen Palmenzweigen zu begrüßen war auch eine Machtdemonstration, stand diese Ehre doch sonst nur Königen zu.

Auch ihre Mäntel legten die Menschen zu seinem Empfang auf den Weg. Der mächtige König kam dann aber nicht, wie von vielen erwartet, auf einem prächtigen Schlachtross, sondern auf einem Esel in die Stadt. Jeder hatte wohl andere Vorstellungen und Erwartungen von diesem König.

Ein Geistfreund beschreibt es in unserer Zeit so: „Palmsonntag zeigt alle Wünsche der Welt auf, wie sie anmaßend, überheblich, selbstgefällig sich ihren Gott formen wollen, sich ihr Idol formen wollen und dann doch an ganz anderen Gesetzmäßigkeiten scheitern, weil sie unfähig sind, in solchen Weiten zu denken.“

Diese Worte gelten bis in unsere Zeit hinein. Heute denken und sagen die Menschen, wenn es einen Gott gäbe, würde es nicht so viel Leid auf der Erde geben. Sie wollen nicht einsehen, dass sie selbst den jetzigen Zustand der Schöpfung und Geschöpfe herbeigeführt haben und durch ihren Egoismus, Neid, ihr Machtstreben und unmenschliches Verhalten die Geister selbst riefen, die sie schon lange nicht mehr beherrschen können. Ein Geistfreund ermahnt auch uns:

„Der Palmsonntag, auf den wir uns zu bewegen, das ist so recht ein Tag, an dem der Mensch sich über die Schwächen, die ihn hin und her schütteln können, in sich selbst klarwerden muss: Wie viel unreine Begierde der Liebe zu Gott und den Menschen habe ich noch in mir, nach wie viel unnötiger Würde strebe ich noch vor den Menschen? Und wie viel oder wenig gilt mir noch die Würde vor Gott und den Geistern, die so viel höher steht und so viel länger währt und um so viel köstlicher ist.“

Wir können und sollten die Geschichte der auf den Palmsonntag folgenden Karwoche in den vier Evangelien der Bibel nachlesen. Die Beschreibung vom „Hosianna!“ des Volkes beim Einzug Jesu in Jerusalem bis zum nur eine Woche später seitens des gleichen Volkes geforderten Rufes „Kreuzige ihn!“ ist eine große Hilfe für uns alle. Sie lässt uns diese Zeit nachempfinden und in unser tägliches Verhalten einbringen. Auch im Hinblick auf das diesjährige „Heilige Abendmahl des Geistes“ am Karfreitag ist die Berücksichtigung der Karwoche sehr wichtig. Diese geistige Arbeit wird uns mehr und mehr verbinden und sicherer im Alltag machen.

In einer Geistfreundpredigt heißt es: „Mit Irdischem lässt sich nicht ehren, der alles schuf, was ringsumher, der alles könnte euch gewähren, will Liebe nur und sonst nichts mehr. Und so soll euer Ziel die gemeinschaftliche Liebe, das gemeinschaftliche ,Du‘ bleiben. Er hat es eingeführt, dass seine Geschwister sich an dem ,Du‘ erkennen. Und er sagte: Wenn ich mit meinem Vater spreche, dann sage ich auch ,Du‘, umso mehr gilt es, diese Schwingung auch unter euch zu verbreiten,  hochzuhalten.“ Am Palmsonntag 1927 hat unser Meister vor dem ersten Johannischen Abendmahl darauf hingewiesen und dem vorangestellt: „Ich möchte keinen Hochmut sehen.“

Lasst uns die Worte der Heiligen Schrift, der Geistfreunde und unseres Meisters beherzigen, damit wir dann zu Ostern wahrhaft freudig und gestärkt das Fest der Auferstehung feiern können.

Die Karwoche will unser Bewusstsein schärfen – Nur die Liebe ist Sieger

Von Rainer Gerhardt

Ein Sieger zu sein ist etwas Tolles. Am Ziel angekommen, fällt alle vorangegangene Mühsal und Beschwernis ab und weicht einer tiefen Befriedigung. Dieser Sieg, den man auskostet, muss nicht nur ein persönlicher sein; vielleicht ist man Teil einer Gruppe, eines Teams, das sich um eine Führungspersönlichkeit gefunden hat, und freut sich jetzt gemeinsam über das Erreichte. Vielleicht überlegt man sogar, wie man den Sieg für sich nutzt.

Vor gut zweitausend Jahren haben sich auch viele Menschen am Ziel ihrer Wünsche gesehen, als der Heiland auf einem Esel in Jerusalem einzog. Doch Jesus ritt mit sehr gemischten Gefühlen in diese Stadt. Er wusste, dass diese sein Ziel war, aber er ahnte, welchen Preis dieses Ziel erforderte. Kurze Zeit zuvor hatte der Heiland seinen Jüngern gesagt, „wie er müsste hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen“. Matthäus berichtet darüber in seinem Evangelium: „Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone dein selbst; das widerfahre dir nur nicht! Aber er wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! du bist mir ärgerlich; denn du meinst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Wie wenig waren seine Worte verstanden worden.

Die Masse der Begeisterten sah wirklich nur, was menschlich ist: Jesu Austreibung der Händler aus dem Tempel und seine harten Worte gegen die Pharisäer, das waren für sie willkommene Aktionen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, der Anfang von neuer weltlicher Größe des Reiches Israels und das Ende vom Joch der verhassten Römer.

Doch Jesus folgte einer göttlichen Bestimmung. Er hatte Feindesliebe gepredigt, Vergebungsbereitschaft, Liebe und Geduld – auch im Ertragen von Ungerechtigkeit. Er hatte den äußeren Tempel des Herrn gereinigt und wollte, dass ein jeder seinen inwendigen göttlichen Tempel reinigt. Das verstörte die Menge, und die Stimmung begann zu kippen; Enttäuschung machte sich breit. Ganze fünf Tage dauerte es, bis aus dem „Hosianna“ ein „Kreuzige ihn!“ wurde, bis aus den Siegern verachtete Verlierer wurden.

Diese fünf Tage gehören zu der wichtigsten und inhaltsreichsten Zeit, die der Heiland auf Erden verbrachte. Stück für Stück machte er seinen Jüngern klar, was göttlich ist. Mit der Einsetzung des heiligen Abendmahls begründete er auch ein neues Testament und machte die Menschen, die seinem Beispiel folgen, zu Himmelserben.

„Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Diese Worte richtete Jesus nicht nur an die Pharisäer, sondern an einen jeden von uns. Wir müssen uns in unserem Streben fragen, was daran weltlich und was vielleicht göttlich ist. Die vor uns liegende Karwoche will diese Frage in uns besonders deutlich werden lassen. Sie lässt uns am Ende im Ostergeschehen auch eine Antwort finden.

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“, fragt der Apostel Paulus, und Christus verheißt den Sieg der Liebe mit den Worten: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

Vom Palmsonntag zum Ostersonntag – eine ganz besondere Woche

Von Christoph Schaal-Breite

Wir feiern an Ostern die Auferstehung unseres Heilandes Jesus Christus. Aber zum Osterfest gehören noch andere wichtige Ereignisse, die alle zusammenhängen.

Zu jener Jahreszeit fand ein wichtiges jüdisches Fest statt, das Passahfest, und da der Heiland und seine Anhänger Juden waren, wollten sie dieses Fest auch entsprechend feiern. Am Passahfest wird daran erinnert, wie das Volk Israel von Mose aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt wurde. Zur Zeit des Heilandes war es üblich, dass man zu diesem Fest nach Jerusalem ging und den Tempel besuchte.

Die Geschichte des Palmsonntags: Einige Tage vor dem Passahfest kam auch der Heiland mit seinen Jüngern in Jerusalem an. Er ritt auf einem Esel in die Stadt ein, wie es die alten Propheten schon Jahrhunderte zuvor geweissagt hatten. Diese verkündeten dem Volk von der Ankunft des Messias, der die Menschen retten wird, und dass er auf einem Esel in Jerusalem einziehen wird. Die Menschen wussten, dass Jesus etwas Besonderes war und sahen in ihm ihren neuen König. Deswegen versammelten sie sich an den Straßen, jubelten ihm zu und legten vor ihm sowohl einige ihrer Kleider als auch Palmenzweige auf die Straße. Sie erhofften sich von ihm die Befreiung von den römischen Besatzern, die das jüdische Volk unterdrückten. Doch Jesus lehnte es ab, ihnen ein irdischer König zu sein.

Der Heiland ging zum Tempel in Jerusalem und sah dort Verkäufer, Käufer und Wechsler im Hause Gottes. Daraufhin stieß er die Tische und Stühle der Krämer um und sprach zu ihnen: „Es steht geschrieben: ,Mein Haus soll ein Bethaus heißen‘; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.“ Nun gingen  Blinde und Lahme in den Tempel zu Jesus, und er heilte sie. Damit erzürnte er die Hohenpriester und Schriftgelehrten.

Das nächste Ereignis geschah vier Tage später, am Tag, den wir heute Gründonnerstag nennen: Der Heiland beauftragte an diesem Tag zwei seiner Jünger einen Raum zu finden, in dem sie gemeinsam das Passahlamm essen konnten. Dabei sagte er ihnen sehr genau, wo sie hingehen und wen sie ansprechen sollten. So fanden die Jünger auch genau den richtigen Raum.

An diesem Abend saß der Heiland mit seinen Anhängern zusammen, und sie aßen das Passahlamm. Dann stand der Heiland plötzlich auf und wusch seinen Jüngern die Füße. Ihr müsst euch vorstellen, dass die Menschen damals nur in dünnen Sandalen oder gar barfuß umherliefen, weswegen die Füße mehr als dreckig waren. Dazu kam noch, dass der Heiland ja der Messias ist, seine Gefolgschaft ihn auch als Meister ansprach, und er nun etwas machte, was sonst nur die geringsten Diener taten. Dies hatte aber einen Grund. Jesus gab damit ein Beispiel. Er zeigte, dass niemand besser oder schlechter als jemand anderes ist. Wenn er, der Sohn Gottes, den Menschen die Füße wäscht, dann sollten alle Menschen, die ihm nachfolgen wollen, sich dafür nicht zu schade sein.

An diesem Abend geschah aber noch etwas anderes. Während des Essens nahm der Heiland das Brot, dankte dem Herrn dafür und verteilte es an die Anwesenden. Das tat er auch mit dem Wein. Er sagte dazu, dass wenn immer die Menschen auf diese Art und Weise Brot und Wein teilten, sie seine Kraft zu sich nehmen würden. Wir kennen dieses Brotteilen heute als Abendmahl.

Als das Mahl beendet war, ging der Heiland mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane. Dort wurde er verhaftet, denn Jesus hatte zwar eine große Anhängerschaft, aber nun auch viele Gegner. Einer der Jünger, Judas Ischariot, hatte den Heiland an die Tempelwachen verraten und somit die Festnahme ermöglicht.

Nach seiner Verhaftung wurde der Heiland mehrfach von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten verhört. Sie beschuldigten ihn der Gotteslästerung, weil er sich selbst als Gottes Sohn benannte, aber niemand außer dem Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, konnte ihn zum Tode verurteilen. Dieser hatte Zweifel, dass der Heiland dies verdient hatte. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die den Heiland aber unbedingt aus dem Weg haben wollten, weil sie in ihm eine zu große Gefahr für sich selbst sahen, wiegelten das sowieso schon enttäuschte Volk auf und forderten die Verurteilung. Als Pontius Pilatus das aufgewiegelte Volk sah, das Jesus verurteilt sehen wollte, weil er nicht ihr irdischer König sein wollte, und weil Pilatus sich nicht selbst in Gefahr bringen wollte, verurteilte er den Heiland zum Tod am Kreuz.

Den Tag der Kreuzigung Jesu nennen wir heute Karfreitag; es ist der Tag, an dem wir in der Johannischen Kirche das Abendmahl einnehmen. Seit dem letzten Jahr können das auch die Kinder empfangen.

Nach der Verurteilung musste der Heiland sein Kreuz von seiner Gefängniszelle bis an den Ort seiner Kreuzigung tragen, der Golgatha, übersetzt Schädelstätte, genannt wurde. Er musste auf dem Weg dorthin viel Spott ertragen. Die römischen Soldaten verhöhnten ihn als König und drückten ihm eine Krone aus Dornen auf den Kopf. Viele Menschen am Straßenrand, die ihn eine Woche zuvor noch bejubelten, lachten ihn nun aus. Aber es gab auch Menschen, die mit dem Heiland litten und traurig waren. Und es gab sogar einige, die ihm auf diesem Weg halfen. Wie Simon von Kyrene, der dem Heiland ein Stück des Weges das Kreuz abnahm.

Auf Golgatha angekommen wurde Jesus an das Kreuz genagelt. Das Kreuz wurde dann aufgestellt, damit man ihn von weitem schon sehen konnte, denn diese Methode war für Schwerverbrecher und Mörder gedacht, und sie sollten so zur Schau gestellt werden. Auch hier musste der Heiland viel Spott ertragen. Nur einer, ein Mörder, der ebenfalls an einem Kreuz hing, erkannte, dass der Heiland unschuldig war. Er sprach zum Heiland: „Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ So hing der Heiland am Kreuz, und als die Zeit gekommen war, zerriss der Vorhang des Tempels. Und Jesus rief laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Und als er das gesagt hatte, starb er.

Die Menschen, die ihm bis unter das Kreuz gefolgt waren, wurden sehr traurig. Die Traurigkeit hielt drei Tage an, dann kam das nächste große Ereignis, das, was wir heute an Ostersonntag feiern: die Auferstehung des Heilands!

Nachdem der Leichnam des Heilands noch am Karfreitag vom Kreuz genommen und in ein Höhlengrab gelegt wurde, wollte nach einiger Zeit Maria Magdalena mit anderen Frauen den Leichnam nach den jüdischen Gebräuchen reinigen. Es war der dritte Tag nach der Kreuzigung. Doch was fanden die Frauen vor? Ein leeres Grab. Der Leichnam des Heilands war weg! Da traten zwei Engel zu ihnen und sprachen: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“

Die Frauen berichteten den Jüngern davon, doch diese wussten nicht, was sie tun sollten. „Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach: Friede sei mit euch!“ Der Heiland war wirklich auferstanden!

Ostern ist eine freudige Botschaft – Liebe und Vergebung

Von Siegrun Mauske

Die Zeit vor Ostern ist für Mensch und Tier hierzulande das Erlebnis des Erwachens der Natur. Frühjahrsputz ist angesagt, um die Sonne zu begrüßen. Beete werden vorbereitet, um eine neue Saat aufnehmen zu können; überall ist eine Aufbruchsstimmung zu verspüren. Das Osterfest liegt mitten in dieser Zeit des Aufbruchs und fügt die frohe Botschaft hinzu: „Der Herr ist auferstanden.“

Dieses Geschehen ist nicht zu trennen vom Karfreitag, denn dem begeisterten Empfang, dem Hosianna am Palmsonntag in Jerusalem, folgte nur fünf Tage später das „Kreuzige ihn!“ Und dennoch sprach Jesus am Kreuz von Golgatha: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Am Ostermorgen nun wurde es gewiss: Der Stein war nicht mehr vor dem Grab, da der Leichnam niedergelegt war. Dieses Bild haben wir immer noch im Herzen, es erzählt von der Kraft der Liebe und Vergebung, die dem Guten Bahn bricht. Es scheint so, dass nicht nur jener Stein weggerückt war, sondern auch die Steine vor der Herzenstür der Jüngerschar. Ihre Herzen wurden geöffnet und gewandelt, sie verinnerlichten die Wunder, die sie an der Seite Jesu erlebt hatten und nahmen das auf, was er ihnen mit auf den Weg gab. Diese Saat trug zu Pfingsten Früchte: Urgemeinde entstand; eine zerrissene Schar war einmütig beieinander. Das Auferstehungsgeschehen, sein „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ löste diesen Wandel aus.

Was sagen uns Kreuz und Auferstehung heute? Vielleicht ist es unter anderem die Aufforderung: Merke auf die Zeichen auf deinem Weg, nimm von der göttlichen Kraft; räume die Steine aus Misstrauen, Gedankenlosigkeit, Neid oder ungeklärten Dingen beiseite, und dann: „Hilf dem Bedrängten überall!“ Das setzt den inneren Hausputz voraus, damit wir auf das, was das Herz sagt, achten und das Gewissen und die Gedanken prüfen.

Es tut Not, einem solchen Ruf zu folgen, damit es werden kann, dass sich ein Mensch vorbehaltlos zum anderen stellt. Es hieß doch von den ersten Christen, dass das geschwisterliche Miteinander überzeugte und die Menschen zueinander führte. Sie waren geborgen und voller Zuversicht, weil die Liebe Gottes das Fundament war und sein Wort die tragfähige Verbindung.

Das Osterlicht scheint noch eine Weile, und es möchte die Herzen mit Zuversicht erfüllen. Davon künden auch folgende Verse aus dem Osterchoral von Christian Fürchtegott Gellert, der sich im Anhang des Johannischen Gesangbuches befindet:

„Jesus lebt, mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht: Dies ist meine Zuversicht. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben. Mit ihm werd ich auch zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht: Dies ist meine Zuversicht. Jesus lebt! Ich bin gewiss: Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu jeder Pflicht: Dies ist meine Zuversicht.“

Diese Zuversicht kommt aus dem Osterlicht. Dieses Licht lässt wachsen und schenkt Wärme. Damit kommt eine Kraft, die andere Herzen und dann Türen öffnen kann. Dem anderen Menschen guttun wie ein Sonnenstrahl, ist und bleibt eine schöne Aufgabe.

Bekenntnistag zu Joseph Weißenberg am 6. März

Der 6. März 1941 ist der Heimgangstag unseres Kirchengründers Joseph Weißenberg. Heutzutage ist der 6. März ein Gedenktag für johannische Christen, an dem sich in den stattfindenden Gemeindegottesdiensten Mitglieder und Freunde der Johannischen Kirche zu Joseph Weißenberg und dem johannischen Glauben bekennen.

Es folgen zwei Texte von Prediger Johannes Falk, die die Wichtigkeit dieses Tages für Johannes-Christen verdeutlichen und den Menschen Joseph Weißenberg darstellen.

Ein hoher Feiertag – das Bekenntnis zur Gottesliebe

Von Johannes Falk

Der Heimgangstag Joseph Weißenbergs ist seit dem Wiedererstehen unserer Johannischen Kirche nach 1945 ein hoher Feiertag. Am 6. März 1941, vor nunmehr 80 Jahren, beendete unser Meister (*24.8.1855) in der Verbannung in Obernigk in Schlesien seine Erdenmission.

„Er war ein Mensch – wir haben es erkannt –, in dem alle Gaben und Kräfte des Geistes waren. Er war ein Helfer und ein Segenspender, ein Liebender und Verzeihender. Er gab uns eine Fülle von seinem Reichtum, von den Ewigkeitsgedanken aus jener Welt.“ – Mit diesen Worten gedachte unser Oberhaupt Frieda Müller (1911–2001) dieses wunderbaren Helfers und Heilers der Menschen, des Kirchengründers und Erbauers der Friedensstadt, der durch ein langes Leben an keinem vorüberging, der Hilfe brauchte.

Heute vereint uns an diesem Gedenktag im Gottesdienst unser Bekenntnis des Glaubens an Gott, den Vater, an Gott, den Sohn, an Gott, den Heiligen Geist und an Gottes Offenbarungen, durch Mose, Jesus Christus und Joseph Weißenberg.

Diese drei Gottesoffenbarungen haben mit ihren Erdenmissionen die Welt bewegt und werden sie weiter bewegen, solange diese Erde besteht. Und es war und ist weder in der Vergangenheit noch heute oder in Zukunft möglich, die Tragweite ihrer Erdenmissionen für diesen Erlösungsstern Erde auch nur annähernd zu deuten oder zu erfassen.

Wenn mich jemand fragt oder ich mich selbst frage, was mich im Gedanken an diese Gottesmenschen besonders bewegt, dann möchte ich das so beantworten: Eins der größten Ereignisse im Alten Testament ist das Eintreten Moses für das von Gott abgefallene Volk, das der Herr vernichten wollte. „Vergib ihnen ihre Sünde, wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast.“ Mit dieser allergrößten Konsequenz trat Mose vor den Herrn, nachdem sein Volk, während Mose die Zehn Gebote empfing, das Goldene Kalb angebetet hatte. Und er ist damit „in den Riss getreten“, wie es die Bibel sagt, um das Volk vor dem Verderben durch das Gottesgericht zu retten.

Das Neue Testament wird besiegelt durch den Erlösungstod des Heilands Jesus Christus für alle Welt und alle Zeit, für Menschen wie für Geister. Gekrönt wird es durch die Bitte dessen, der die Sünde aller Welt auf sich nimmt und als wahrer Mensch und wahrer Gott in der allergrößten Pein am Kreuz bittet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Im Testament des Heiligen Geistes ist es Joseph Weißenberg, der seine himmlische Krone niedergelegt hat, „um aus dem Allerschlechtesten etwas Gutes zu machen“, dass auch „nicht einer verloren geht“, weder die von Gott abgefallenen Engel, die er zu besiegen und zu bekehren gekommen war, noch alle seine irdischen Schwestern und Brüder, die er als der treue Hirte bis zu seinem letzten Atemzug ins Herz geschlossen hatte.

„Mein Werk ist umsonst, wenn die Liebe nicht größer wird“, ist für einen jeden von uns heiligernster Auftrag, sein Liebeswerk fortzusetzen. Und dann ruft er alle ehemals verlorenen Söhne und Töchter wieder ins Vaterhaus: „Ich möchte, dass ihr alle einst wieder an meiner Tafel sitzt!“

Der Mensch Joseph Weißenberg – Gedanken zum 6. März

Von Johannes Falk

Am 6. März, dem Heimgangstag unseres Meisters Joseph Weißenberg, ein Tag, der sich nun zum 80. Male jährt, vereinen wir uns wieder im gemeinsamen Bekenntnis zu unserem heiligen Glauben.

Nach dem Bekenntnis unserer Altvorderen und unserem heutigen Glauben bekennen wir ihn als den von Jesus Christus verheißenen Tröster, Geist der Wahrheit und Heiligen Geist, als eine Offenbarung des Gottgeistes. Dieser Beitrag möchte jedoch vor allem eine Erinnerung an den Menschen Joseph Weißenberg sein. Einige Szenen aus seinem langen Leben sollen hier wiedergegeben werden, die alle getreulich überliefert worden sind: ein kleines Porträt eines einmaligen und wunderbaren Menschen.

Zu einem kirchlichen Jubiläum 1976 fragte die Journalistin einer großen Berliner Tageszeitung das Oberhaupt Frieda Müller: „Was hat Sie an Ihrem Vater, Joseph Weißenberg, am stärksten beeindruckt?“ Spontan erwiderte Schwester Friedchen: „Seine Menschlichkeit.“ Auf die anschließende Frage: „Was haben Sie sich von seinem Wirken besonders zum Vorbild genommen?“, antwortete sie: „Er hat es verstanden, seine Mitarbeiter in der Kirche und der Siedlung für die Arbeit so zu begeistern, dass sie freudig, freiwillig und gern bei ihm arbeiteten.“

Bereits als kleiner Junge – er selbst konnte noch kaum eine Tür öffnen – eilte er unbemerkt aus der elterlichen Wohnung in dem kleinen schlesischen Ort Hohenfriedeberg zu einem todkranken Mann, um ihm seine kleinen heilenden Hände aufzulegen. Später zum Ursprung dieser Heilgabe befragt, sagte er 1930 in einem Gerichtsprozess: „Das war ein Trieb in mir. Das musste ich machen.“ Weiter äußerte er sich zu seiner lebenslangen Heiltätigkeit: „Mein Gedanke war nur der, Menschen zu helfen, die da leiden, elend und krank waren. Ich bin fest überzeugt: Das, was ich tue, tue ich in göttlicher Allmacht, aber nicht aus mir, sondern es ist eine Kraft, die durch mich arbeitet.“

Diese Demut und Bescheidenheit begleitete ihn ein Leben lang. Es ist vom Meister überliefert, dass er sich vor Beginn jeder Sprechstunde hinkniete und innig zum himmlischen Vater betete. Auch hat er den Menschen immer wieder die Worte ans Herz gelegt: „Nur der Demut kann Gott Gnade geben, dem Reumütigen neigt er sein Ohr: Drum betet, betet, Christi Glieder, denn auf die Beter senkt der Geist sich nieder.“
Neben seinen Sprechstunden für die Heilungssuchenden hat er viele Jahre selbst die Menschen besucht. Mal kam er nach einem langen, anstrengenden Tag mit weiten Wegen spät abends nach Hause. Da wartete bereits jemand, um ihn zu einem Kranken zu rufen. Der Meister nahm sofort wieder seinen Mantel und begab sich auf einen weiten Weg nach auswärts. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit legte er, wenn er mitten in der Nacht gerufen wurde und oft auch in der Stadt, weite, ja mitunter stundenlange Fußwege zurück.

Oft stand er an Krankenbetten sehr armer Leute. Wenn sie ihm dann etwas geben wollten, wehrte er ab: „Ich nehme nichts, pflegen Sie lieber den Kranken dafür, damit er wieder zu Kräften kommt!“, und schon war er aus dem Haus hinaus. Bei anderen war noch größere Not, da schüttete er nach der Behandlung den ganzen Inhalt seines Portemonnaies auf den Tisch: „Holen Sie sich was zu essen und zu trinken, dann werden Sie wieder gesund werden!“ Und ohne Fahrgeld musste er dann auch wieder zu Fuß nach Hause gehen.

Von seiner Ausbildung als Soldat in den 1870er Jahren hat der Meister oft mit Freude und Hochachtung gesprochen, weil er bis zu diesem Zeitpunkt immer ein schweres und nicht sorgenfreies Leben hatte – durch den frühen Tod der Eltern musste er für vieles selbst eintreten und auch für seine jüngeren Geschwister mit sorgen –, so war ihm die Militärzeit eine schöne und unbeschwerte Zeit, wie er später des Öfteren erwähnte. An eine Episode seiner Ausbildung im schlesischen Liegnitz erinnerte er sich gern. Zu einem besonderen Anlass in der Kaserne hatte er ein Gedicht zu verfassen. Die Verse begannen mit den Worten: „Wie glücklich ist doch ein Soldat, der einen guten Hauptmann hat.“ Doch weder der Hauptmann noch die Unteroffiziere oder die Rekruten kamen ganz ungeschoren in den sehr humorvollen 30 (!) Strophen über die Tücken und Freuden eines Soldatenalltags davon.

Bei fröhlichen Anlässen in geschwisterlicher Gemeinschaft hat er dieses lange Gedicht manchmal zur Freude aller vorgetragen. Einem Besucher der Friedensstadt erzählte er einmal, dass er dieses Gedicht damals im Auftrag seines Hauptmanns verfasst habe, wozu er drei Tage dienstfrei bekam. „Aber in drei Stunden war ich fertig damit und hatte nun die andere Zeit frei.“

Über einen unerfüllten Wunsch aus dieser Zeit sprach der Meister sogar noch in seinem letzten Lebensjahr in Obernigk: „Ich wollte ja Spielmann werden, aber ich war zu klein!“

Ein besonders menschenfreundlicher „Eingriff“ datiert aus dem Ersten Weltkrieg. Nach zwei Jahren Krieg war die Versorgungslage in Berlin katastrophal. „Kohlrübenwinter“ nannte man den Kriegswinter 1916/1917. In dieser Zeit war auch Joseph Weißenberg öfter unterwegs, um von Bekannten auf dem Lande Lebensmittel zu organisieren. „Hamsterfahrten“ nannte man das zu meiner Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das war verboten, und Kontrolleure, Gendarmen genannt, nahmen den Leuten auf den Bahnhöfen oft alles wieder weg.

Den Meister hat es damals zwar nicht erwischt, aber sein Rucksack war dennoch meist sehr erleichtert oder fast leer. Er verschenkte unterwegs an die, die Hunger hatten – und zu Hause bekam noch etwas der Nachbar, der Hauswirt, der Wachtmeister.

Dass aber an der Bahnsperre diese Gendarmen den Kriegerfrauen und -witwen den Rucksack mit Kartoffeln wegnahmen, den sie stundenlang geschleppt hatten und überhaupt alle Lebensmittel – das konnte der Meister nicht mit ansehen. Oftmals griff er helfend ein, und das geschah so: Er ließ seinen Begleiter kurz vor dem Bahnhof zurück, ging dann zu den Gendarmen, sprach mit ihnen und lud sie zu einem schönen heißen Grog im Bahnhofslokal ein. Diesen Moment musste der Begleiter nutzen, um die Wartenden auf den Bahnsteig zu schicken, sobald der Zug kam. Waren dann alle glücklich entkommen, kam der Begleiter ins Lokal. So konnten sie zwar erst einen Zug später fahren, aber der Meister war glücklich, dass so vielen durch diesen „Trick“ geholfen werden konnte.

Bereits als Maurer auf den Baustellen hat er vielen geholfen. Da kam zum Beispiel ein Arbeitskollege mit einer geschwollenen Backe. Der Meister legte seine Hand drauf, und es wurde gut. Die Schmerzen verschwanden sofort. Einer hatte sich den Fuß verstaucht, andere hatten hier und da Schmerzen. Er nahm sie ihnen ab und machte die Menschen gesund. Da nannten sie ihn, teils spöttisch, teils wohlwollend dankbar: „Jesus!“ Wenn er auf den Bau kam, so riefen sie schon von weitem: „Jesus kommt!“

Stets helfend und gebend für andere war dieser wunderbare Mensch unter Menschen. Keiner, der nicht geheilt oder getröstet von ihm gegangen ist. Doch für ihn selbst gab es keine Ausnahme von Leid und Schmerz. Hier wollen wir nur einmal an die körperlichen Leiden erinnern. Schwester Friedchen hat uns öfter davon berichtet, wie er mit zunehmendem Alter sehr unter schmerzenden Füßen zu leiden hatte. Auch bereits am Anfang seiner Berliner Heiltätigkeit hatte er oft mit Krankheiten zu kämpfen. So finden sich in dem „Patientenbuch“, das er seit 1904 nach behördlichen Auflagen führen musste, in den Jahren 1904, 1905 und 1906 Eintragungen über längere Krankheitszeiten. U.a.: „Wegen Krankheit keine Sprechstunde (von...bis). – „War sehr krank.“ – „Dank nach Krankheit.“

In solchen und ähnlichen Zeiten der Schmerzen und Demütigung sagte er oft die folgenden fröhlichen Verse. Sogar nach der schrecklichen Gefängnis– und Zuchthauszeit gab er damit manchem mit seinem unerschütterlichen Gottvertrauen und seinem ungebrochenen Humor Aufrichtung und neuen Lebensmut: „Traurig sein kann ich nicht, bei meiner Seele nicht, allzeit fidel! Wenn wir lust’gen Leut nicht wärn, wer sollt das viele Geld verzehrn? Allzeit fidel, fidel!“

Und das mit dem „vielen Geld“ sprach er besonders dann, wenn wieder mal totale Ebbe in seinem Portemonnaie war. Auch Tränen hat er vergossen. Nach grausamer Untersuchungshaft mit Folter und nach Ausweisung aus der Friedensstadt wohnte der Meister für einige Tage bei Geschwister Max und Anna Haack im Berliner Norden, dort, wo einst Schwester Friedchen als Kind bei „Mamachen Haack“ ihr beschütztes Zuhause hatte. Ein Besucher schreibt über eine Begegnung: „Wir wollten uns irgendwo hinsetzen und warten – es war kurz nach der Mittagszeit –, da stand schon unser Meister vor uns. Er erzählte sehr viel. Auch über den kommenden Weltkrieg. Von furchtbaren Kämpfen und Blutvergießen sprach er, wobei er wörtlich sagte: „Das kann ich nicht verhindern.‘ Dabei weinte der Meister. Es war mir, als sähe ich den lieben Heiland vor mir, wie er über Jerusalem weinte.“

Hier noch ein Juwel der Erinnerung. Nach Verbüßung der Zuchthausstrafe kommt der Meister zunächst zurück in die Friedensstadt. Zwei Brüder holen ihn mit dem Wagen ab. Als einer der beiden am nächsten Tag den Meister aufsucht, da ist dieser gerade dabei, ein Päckchen zu packen: für den Anstaltsleiter in Luckau, der den Meister gut behandelt hatte. Diese kleine Geste der Verbundenheit, glaube ich, sagt uns mehr über Dankbarkeit und Liebe als tausend Predigten.

Auch mit dem Sakrament der Handauflegung nahm Joseph Weißenberg es sehr ernst. Regelmäßig ließ er sich die Hände auflegen. Dazu gebe ich hier wieder, was uns Schwester Friedchen einst berichtete:
Als er in der Verbannung in Obernigk mit Leid und Schmerzen der Vollendung seines irdischen Lebens entgegenging, wartete er stets mit Vorfreude und voller Ungeduld auf seinen Missionshelfer Martin Falk, den späteren Gemeindeführer von Berlin-Steglitz. Dieser stand zu der Zeit im Heeresdienst in Frankfurt (Oder). Da Krieg war, durfte er sich nur für einen kurzen Sonderurlaub zu seiner Familie in Berlin abmelden. Da er wusste, wie sehr der Meister auf ihn wartete, „beichtete“ er in seiner Not seinem Vorgesetzten, er habe bei Breslau in Schlesien eine Freundin, eine Liebste! Der Vorgesetzte war ein Mensch mit Herz. Er genehmigte ihm Urlaub. Er gewährte ihm alle 14 Tage am Wochenende Sonderurlaub. Einmal, als Martin Falk sich nicht rechtzeitig vor dem Wochenende meldete, war es sein Vorgesetzter selbst, der ihn erinnerte: „Noch keinen Urlaub eingereicht? Das Wochenende rückt ran!“

Dann kam die letzte Zeit. Der Meister konnte schon lange nicht mehr aufstehen. Wenn dann Tag und Stunde des Besuches nahten, bat er Schwester Friedchen stets erwartungsvoll: „Mach das Fenster auf und sieh auf die Straße, ob der Martin schon da ist.“ Und wieder: „Sieh nach, ob er schon kommt!“ Und wenn er dann kam, freute sich der Meister wie über das größte Geschenk des Himmels. – Welch ein Mensch!
Doch Obernigk bedeutete auch bis zum letzten Atemzug Leidensweg. Als sein irdisches Leben sich dem Ende näherte, da kam die Nachricht von der Enteignung der Friedensstadt. „Sie haben mir meine Siedlung weggenommen, mein Lebenswerk!“, sagte er unter Tränen. Schwester Friedchen erinnerte uns nochmal daran, als sie zum Bau der Gedenkstätte im Lindenhof aufrief: „In den letzten Tagen und Stunden in Obernigk sagte der Meister so oft zu mir: ‚Sie haben mir meine Siedlung weggenommen, aber wir bekommen alles wieder und noch viel mehr dazu; aber lass dir die Zeit nicht lang werden.‘“ Auch rief er einigen Besuchern in Obernigk zu: „Den Glauben hochhalten!“, und: „Auf ein frohes Wiedersehen in den Glauer Bergen!“

Dieses Lebenswerk an und in den Glauer Bergen, das heute nun weiter blüht und wächst, verdanken wir dem großen Propheten und Gottesmann, aber auch besonders dem einmaligen, wunderbaren und unvergesslichen Menschen Joseph Weißenberg!

100 Jahre Friedensstadt – Multimediaseite zum Jubiläum

Am 19. Dezember 1920 legte unser Meister Joseph Weißenberg den Grundstein für das erste Wohnhaus in der Friedensstadt. 100 Jahre später, am 19. Dezember 2020, feierte die Johannische Kirche dieses Jubiläum mit einem Dank- und Lobpreisgottesdienst im Waldfrieden.

Zur Feier dieses besonderen Tages wurden einige Videos auf dieser Seite zusammengestellt, die allen Interessenten Informationen und Freude rund um das Thema „100 Jahre Friedensstadt“ bringen sollen. Voran steht ein Text von Rainer Gerhardt „Heil und Halt in der Gemeinschaft".