Geistliche Texte

Lesen Sie hier eine Auswahl an geistlichen Texten, die in unser Kirchenzeitung Weg und Ziel erschienen sind. Bitte auf den jeweiligen Titel klicken, um den Artikel lesen zu können.

Wann wachen wir auf? – Jeder hat einen Teil Verantwortung für das Ganze

Von Paul Schuchardt

Leben in einer Krise, ist das eher bedrohlich oder hoffnungsvoll? Was hat uns diese Zeit zu sagen? Wird nur etwas hineininterpretiert in die besondere Lage, in der sich jetzt die ganze Welt befindet?
Krise – ein Wort aus dem Griechischen, es bedeutet: Entscheidung, entscheidende Wendung. Wir erleben in dieser Zeit alles wie durch eine Lupe: Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, in welchen Zusammenhängen sie eigentlich leben, in welchen Abhängigkeiten sie stehen. Menschen entwickeln in Zeiten von Kontaktbeschränkungen neue Formen von Öffentlichkeit und finden neue Wege, miteinander in Beziehung zu treten. Inmitten aller Beschränkungen entsteht eine neue Freiheit, die Möglichkeiten eröffnet, aus dem Erprobten, Konventionellen auszuscheren. Wir staunen über die kreativen Ideen, die Menschen nutzen, um spontan mit anderen in Kontakt und Austausch zu kommen, Hilfen in Notlagen anzubieten, etwas Neues zu wagen, was wegen befürchteter eigener Nachteile bisher eher vermieden wurde. Viele Menschen entdecken und erleben vielfach unmittelbar, wie sehr ihr eigenes Wohlergehen, aber auch das der großen Gemeinschaft von eigenem, verantwortungsvollem Handeln abhängt.

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Andererseits werden durch den Abbau von hektischer Betriebsamkeit Ungerechtigkeiten im Zusammenleben der Menschen und Völker viel stärker bemerkt. Die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen, mit Tieren, der Natur und unserer ganzen Umwelt umgehen, kann nun deutlicher wahrgenommen werden – wenn wir dem nicht ausweichen, wegsehen oder uns als unbeteiligt betrachten. Diese Zeit bietet eine große Chance, aus eigener, authentischer Erfahrung zu lernen und damit nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Wenn auch manche immer noch der Meinung sind, dass nach dieser Krisenzeit alles weitergehen soll, wie es vorher war, wächst die Hoffnung bei vielen Menschen, dass diese Zeit der Anfang von neuen Entwicklungen im Zusammenleben auf dieser Erde ist. Es ist zu offensichtlich ins Bewusstsein gerückt, wie stark wir durch unser eigenes Verhalten bisher das Leben auf der Erde gefährdet haben.
Manchmal holt uns ein Schicksal, was uns bekannt wird, aus der Ecke heraus, dass wir vor allem selbst beschützt und behütet sein wollen. Kürzlich sahen wir einen Fernsehbericht über eine ägyptische Familie, die auf einem kleinen Boot auf dem Nil lebt. Das Boot mit einer Zeltplane war die einzige Bleibe der Eltern und ihrer Kinder. Jeden Tag fuhren sie auf den Strom, um einige Fische zu fangen – das war ihr Essen. War der Fang gut, verkauften sie einen Teil, um sich etwas kaufen zu können, was sie unbedingt brauchten. Die Kinder konnten nicht zur Schule gehen, dafür war kein Geld vorhanden. Wir waren erschüttert über die Perspektivlosigkeit dieser Menschen: Wir haben keine Ahnung, wie viele Menschen so leben müssen!
So können wir uns fragen, wann wachen wir auf? Wann verstehen wir, dass wir alle etwas verändern müssen angesichts der misslichen Lage so vieler Menschen, Tiere und der ganzen Umwelt? Jeder Einzelne kann etwas verändern. Oft ist dann jedoch zu hören: Was kann ich kleiner Mensch schon tun? Das entscheiden doch ganz andere, die da oben. Damit habe ich nichts zu tun.
In dieser Krise wird jedoch für jeden erkennbar, dass jeder Mensch einen Teil der Verantwortung für das Ganze hat. Dennoch denken, reden und handeln wir so oft wider besseres Wissen. In unserem Alltag können wir anfangen, das Licht was in uns ruht, wieder leuchten zu lassen: Wach sein, ein Mensch sein, der weiß: Wie ich mit dem Nächsten umgehe, wirkt unmittelbar auch auf mich selbst. Wenn ich einen anderen schlecht mache, schade ich meiner eigenen Seele. Wenn ich einem anderen etwas Gutes tue, ist das Balsam für meine eigene Seele. Der liebevolle Kern in meiner Seele kann nur gut leben und wirken, wenn er Liebe, die von mir verschenkt wird, erlebt. Es sind Dinge, die wir oft gehört haben, die wir wissen. Mich haben Worte des Propheten Jesaja zu dem, was wesentlich ist und helfen kann, sehr berührt. Es lohnt, besonders seine Worte in Jesaja 58,6-7 nachzulesen und sie sich zu Herzen zu nehmen. Diese Worte sind etwa 2.700 Jahre alt und immer noch aktuell. Und – wie es sein wird, wenn wir wirklich etwas ändern wollen und beginnen es zu tun, das beschreibt Jesaja in den Versen 8-12, denn: Gott hilft! – Wann wachen wir auf?

Herr, lehre uns beten – Mit dem Vaterunser im Herzen handeln

Von Verena Wittke

„Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ Diese Bitte eines Jüngers an den Heiland, beschrieben im Lukas-evangelium, rührt an. Was mag ihn wohl zu dieser Bitte bewegt haben?
Versetzen wir uns einmal zweitausend Jahre zurück und begleiten den Heiland und einige seiner Anhänger auf ihrem Weg durch das Land. Es ist Abend geworden, die Männer beschließen zu rasten. Sie entzünden ein Feuer, sie lagern sich darum, vielleicht haben sie etwas zu essen dabei. Wie schon einige Male zuvor verlässt Jesus die Gruppe seiner Gefährten und zieht sich in den Schutz eines Felsvorsprungs zurück, kniet nieder und beginnt zu beten. Er tut es ganz still, sodass die Jünger seine Worte nicht hören, und doch nehmen sie den andachtsvollen Frieden wahr, den ihr Meister ausstrahlt, während er Zwiesprache hält mit seinem Vater. Sie empfinden: Da spricht ein Kind mit seinem Vater, dessen Güte und unerschütterlicher Liebe es gewiss ist. Sie erleben es als etwas Besonderes, obwohl sie sicher von Kindesbeinen an Gebete als wesentlichen Bestandteil jüdischen Glaubenslebens kennengelernt haben. Und so bitten sie ihn: „Lehre uns beten.“ Ich bin sicher, auch Jesus hat diese Bitte sehr berührt, und so setzt er sich zu ihnen und lehrt sie: „Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Gib uns unser Brot immerdar. Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.“ Er gibt ihnen ein Gebet, das bis heute Christen in aller Welt und in allen Sprachen sprechen, wenn sie sich mit dem Strom Gottes verbinden möchten. Doch sind es natürlich nicht die Worte allein, die einen Menschen die Nähe des himmlischen Vaters empfinden lassen. Ein Gebet kann nur dann zu einem Zwiegespräch mit dem Herrn werden, wenn jedes Wort aus tiefstem Herzen gesprochen werden kann: „Du bist mein Vater, dein Name sei gelobt! Dein Friede komme auf diese Erde, deinem Willen möchte ich folgen, denn du willst das Beste für mich. Lass dein Wort mir geistige Speise sein und erhalte mich in meinem Leben. Vergib mir das, was ich Unrechtes tue, und auch ich will all jenen vergeben, die mich kränken. Hilf mir, das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und alles Ungute abzulegen. Denn du bist mein ewiger und allmächtiger Vater. Diese Bitte möchte ich in Christi Namen vor dich bringen. Amen.“ Wahrhaft ein Geschenk des Himmels oder, wie wir es im Dritten Testament lesen können, ein Schlüssel für jene Welt, mit dem den Himmel aufschließen kann, wer ihn gut gebraucht.
Auch wir johannischen Christen sprechen das Vaterunser – am Morgen, zur abendlichen Feierstunde, in den Gottesdiensten oder auch, wenn wir ein Geburtstagskind in ein neues Lebensjahr begleiten oder unser Tagewerk beginnen. Und doch: Wie viele dieser Gebete sind wirklich mit dieser Hingabe des Kindes an den Vater gesprochen, wie es Jesus vorlebte? Wie oft empfinden wir wahrhaft den himmlischen Vater, wenn wir beten „Vater unser“? Joseph Weißenberg wies mit dem öfter vom ihm gesprochenen Lehrgedicht auch auf die Millionen von Gebeten hin, die kommen und die der Herr nicht erhört. Verklingt nicht so manches auch unserer Gebete ungehört, weil wir eben nicht mit dem Herzen dabei sind? Tragen wir nicht eine ebensolche Sehnsucht in uns, wie sie in der Bitte der Jünger spürbar wird? Auch wenn die Zeit, in der wir jetzt stehen, in der einen oder anderen Hinsicht anstrengend und manchmal sogar schmerzhaft ist, bringt sie doch auch Gutes in uns auf den Weg und lehrt uns, neu die Kraft des Gebets zu erfassen. Weil der Heiland verspricht: „So ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er’s euch geben“, dürfen wir darauf vertrauen, dass jedes wahre und ernstlich gesprochene Gebet lichte Helfer an jene Orte oder zu jenen Menschen ruft, die der Hilfe bedürfen. Dies mag uns besonders bewusst sein, wenn wir derzeit jeden Abend in unserer Feierstunde noch ein weiteres Vaterunser beten für die Menschen in allen Ländern dieser Erde, für den Frieden, die Besonnenheit und die innere Ruhe in Gott. Doch entbindet das Gebet uns nicht von der Verantwortung, auch selbst zu einem solchen Helfer zu werden im praktischen Tun, in unserem Alltag: Gebet und Arbeit – beten und liebevoll am Nächsten handeln. Mit dem Vaterunser im Herzen handeln lässt uns Eigenes überwinden, den anderen als Gotteskind annehmen und als kleines Licht Trost und Heimat auf dieser dunklen Erde verbreiten.

In Gott geborgen – Glaube schenkt uns Kraft und Zuversicht

Von Erhard Marek

„Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.“
So können wir es zu Beginn des zweiten Kapitels der Apostelgeschichte in der Heiligen Schrift lesen. Das Weitere sei kurz erzählt: Die Menschenmenge war verwundert und irritiert. Waren die Menschen, die da mit „anderen Zungen“ predigten, nicht einfache Leute aus Galiläa? Wie konnten sie dann in anderen Sprachen reden? Dann trat Petrus auf mit den anderen Jüngern und predigte den Menschen von Jesus Christus und der Kraft Gottes mit dem Ergebnis, dass sich „bei dreitausend Seelen“ taufen ließen. Das ist wohl der Grund, weshalb wir heute das Pfingstfest als die Geburtsstunde der christlichen Kirche bezeichnen.

Kirche – was fällt mir spontan dazu ein? Gottesdienst, Gemeinde, Gemeinschaft, Freundschaft, Hilfe geben und empfangen, Gespräche, Kraft, Fröhlichkeit... Sicherlich gibt es noch viel mehr Gedanken dazu, aber die erwähnten allein sind doch wichtige Punkte in unserem Leben.
Durch die Auswirkungen der Coronapandemie sind zurzeit viele Dinge nicht möglich. Aber vielleicht verstehen wir dadurch einige Dinge anders, als wir es „normalerweise“ gewöhnt waren. Die Kirche braucht nicht uns, sondern wir brauchen die Kirche! Oder lasst mich einen Schritt weiter gehen: Der liebe Gott braucht nicht uns, sondern wir brauchen ihn!
In der johannischen Glaubenslehre gibt es verschiedene wunderschöne Worte über die Kirche: „Die Kirche wird von Gott geschaffen. Ihr sollt sie auf dieser Erde erhalten, den Menschen nutzbar machen und in Wort und Werk vorleben. Nicht nur hineingehen in die Kirche: Die Kirche soll in euch sein. Die Kirche sollt ihr leben, denken, fühlen. Mit der Kirche im Herzen sollt ihr handeln.“ Oder ein anderes: „Eine Kirche hat so viel Kraft, wie ihre Mitglieder Liebe zum Nächsten haben.“
Wir können zurzeit nicht „hineingehen in die Kirche“, das war für uns selbstverständlich, ist es aber nicht! Das Treffen mit Freunden, miteinander zu reden, fröhlich zu sein, war für uns selbstverständlich, ist es aber nicht! Trotzdem können wir aber dankbar und glücklich sein, dass wir per Telefon oder Computer an Gottesdiensten teilhaben können, dass wir am Karfreitag das Heilige Abendmahl des Geistes als Kraftquelle erleben durften, dass wir per Telefon Kontakte pflegen können und uns gegenseitig informieren und helfen können. Es gibt viele Menschen in der Welt, die diese Möglichkeiten nicht haben. Oder denken wir an die Zeit des Kirchenverbotes von 1935 bis 1945: Damals war es nur unter großer Gefahr möglich, mit anderen Kirchenmitgliedern Kontakte zu pflegen und zu erhalten.
Wir haben jetzt die Chance zu begreifen, dass viele „selbstverständliche“ Dinge in unserem Leben in Wahrheit ein Geschenk Gottes sind. Durch die Coronapandemie können wir wieder Dankbarkeit und Demut lernen und hoffentlich in unserem Herzen behalten.
Ein Gedanke bewegt mich noch zum Schluss dieses Artikels. Unser Meister hat davon gesprochen, dass alles im Leben Magnetismus ist. Ich verstehe das so, dass die Gedanken, die ich in meinem Kopf bewege, eine entsprechende geistige Welt anziehen, denn „Gedanken sind Gewalten, sind Gestalten“. Fühle ich mich in Gottes Hand sicher, werde ich Sicherheit verbreiten. Bin ich fröhlich, werde ich Fröhlichkeit verbreiten. Denke und handle ich in Liebe für die anderen, werde ich Liebe verbreiten. Aber habe ich Angst, denke nur an mich, oder ist mir alles egal, werde ich dann eine entsprechende geistige Welt anziehen und mich damit umgeben. Ich glaube, dass wir in dieser Zeit eine Menge in und an uns bewegen können. Wenn wir das mit Gott tun, wird es für uns alle der richtige Weg sein. Bleiben wir weiterhin sicher, fröhlich, einander zugewandt und in Gott geborgen!

Ein großes Pfingstfest – Heiliger Geist wirkt über Abstände hinweg

Von Rainer Gerhardt

„Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen … und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.“
Das urchristliche Pfingstgeschehen, von dem die Bibel hier in der Apostelgeschichte berichtet, war ein Erlebnis in einer großen Gemeinschaft, und es mündete in ein besonderes Ergebnis: in die Gründung der christlichen Kirche. Weiter heißt es: „Die nun sein Wort gern annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen.“
3000 Menschen – von Versammlungen in dieser Größe können wir in diesen Tagen nur träumen. In der Johannischen Kirche wird das Pfingstfest traditionell in großer Gemeinschaft gefeiert; Mitglieder – wir sprechen von Geschwistern – aus nah und fern kommen zusammen. So groß können wir Pfingsten in diesem Jahr nicht begehen, aber wird es deswegen kleiner?
Keineswegs!
Das Wesentliche am Pfingstfest ist nicht das, was wir sehen können, sondern das, was wir nicht sehen, aber erspüren oder glauben können: der Heilige Geist Gottes. Dieser hat Wunder bewirkt: Menschen spürten eine Kraft, die sie befähigte, ihren Glauben nicht nur hinter verschlossenen Türen zu zelebrieren, sondern in aller Öffentlichkeit zu leben. Aus einer Einmütigkeit heraus befähigte sie die Kraft Gottes, Barrieren der Sprache und des Verständnisses zu überwinden. Das Zeugnis von Jesus Christus, von seinem Wirken, seinem Opfertod und seiner Auferstehung sprach Menschen in ihrem Innersten an und machte sie zu gläubigen Nachfolgern – 3000 an einem Tag!
Dieser Heilige Geist ist nicht an Raum und Zeit gebunden – damals ebenso wenig wie heute. Deswegen kann und will er auch in dieser Zeit in uns und durch uns wirken, auch und gerade wenn wir nicht in großer Gemeinschaft zusammenkommen können, sondern uns nur im kleinsten Kreis versammeln.
Unsere Einmütigkeit wird doch nicht allein durch unser Beisammensein gelebt, sondern durch unsere innere Verbindung zueinander. Gute Gedanken überwinden Raum und Zeit ebenso wie der Heilige Geist, denn sie speisen sich aus derselben Kraft: aus der Liebe Gottes.
Ja, wir vermissen das gemeinschaftliche Beisammensein, das Erleben von Pfingsten in der Gemeinde Gottes.
Das lässt uns das Geschenk der Gemeinschaft vielleicht auch wieder neu wertschätzen.
Geistfreunde haben uns vor kurzem gesagt:
„Gerade in dieser Zeit, in dieser Fastenzeit des Geistes, in der euch etwas genommen wird, was für euch immer selbstverständlich war: die Gemeinschaft – in dieser Zeit lernt ihr zu erkennen, was für euch wirklich von Bedeutung ist und was nicht. Jeder von euch trägt dazu bei, dass etwas besser werden kann. Jeder von euch kann entscheidend dazu wirken, dass die Liebe wahrhaft größer wird und fest in der Gemeinschaft!“
So dürfen wir auch zu diesem Pfingsten darauf vertrauen, dass wir die Kraft Heiligen Geistes erleben, die mit diesem Fest verbunden ist, denn sie fließt uns über alle Grenzen und Barrieren und Abstände hinweg zu.
Das ist das Wunder von Pfingsten, und es ist einfach wunderbar!

Zeit der Vorbereitung – Was uns Christi Himmelfahrt vermittelt

Von Paul Schuchardt

Jesus Christus verabschiedet sich von den Jüngern und kehrt heim in das Himmelreich. Dieses Ereignis nennen wir Christi Himmelfahrt. Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen, was da geschehen ist.
Nach seiner Auferstehung hat Jesus vierzig Tage lang Gemeinschaft mit den Jüngern. Er redet mit ihnen vom Reich Gottes und lässt sie erleben, dass er nicht tot ist, sondern tatsächlich lebt. Es wird den Jüngern zu einer Gewissheit, was sie sich zuerst überhaupt nicht vorstellen konnten. Die Freude darüber wird unter ihnen immer größer. Und dann kommt der Tag des scheinbaren Abschieds. Jesus spricht mit ihnen und gibt ihnen einen klaren Auftrag und eine Verheißung. Sie sollen in Jerusalem versammelt bleiben und darauf warten, bis sich das an ihnen erfüllt, was er ihnen vom himmlischen Vater verheißen hat.
Doch die Jünger fragen ihn dennoch, ob er denn nun das alte Reich Israel wieder aufrichten würde. Immer noch beherrscht sie der Wunsch, alten Glanz und Gloria wiederzubekommen. Doch Jesus spricht zu ihnen von einer ganz anderen Aufgabe. Es geht gar nicht darum, wieder alte Formen zu erreichen. Es geht um etwas ganz Neues: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und damit zu meinen Boten, zuerst in Jerusalem, dann in ganz Judäa und Samaria und schließlich auf der ganzen Erde.
Sie werden ihm ziemlich fassungslos nachgeschaut haben, als er vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen wurde. Zwei Engel, so berichtet es die Bibel, erinnern sie, dass sie nun nicht ständig sehnsuchtsvoll in den Himmel schauen sollen, sondern das tun sollen, was Jesus gesagt hat. So gehen sie nach Jerusalem und es wird berichtet: „Diese alle waren stets beieinander einmütig mit Beten und Flehen samt den Weibern und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ Damit folgt eine stille Zeit, und niemand weiß, wie lange sie dauern wird. Sie wird zu einer Zeit besonderer Vorbereitung, einer inneren Reinigung, einer Zeit, in der der Glaube wächst.
Mich erinnert das alles sehr an die Situation, die wir jetzt gerade überall erleben. Es ist etwas für uns alle Unerwartetes geschehen. Die ganze Welt wird in eine gewisse Stille geführt. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes überall ruhiger. Kürzlich las ich in einem Bericht, dass die Seismologen beispielsweise auf der Zugspitze wesentlich präzisere Messungen vornehmen können, weil der von Menschen verursachte Lärm so stark reduziert ist, wie man es noch nicht erlebt hat. Selbst der Berg wird stiller.
Viele fragen danach, wann denn diese Zeit endlich vorbei ist, wann wieder das alte Leben fortgesetzt werden kann. Aber es gibt auch andere, die schon verstehen, dass das Leben nach diesem Einschnitt etwas anders sein wird, als es vorher war. Eine stille Zeit kann der Anfang zu etwas Neuem sein. Es gibt Menschen, die bewusst in eine stille Zeit gehen, wenn sie eine Veränderung in ihrem Leben bewirken wollen. Was finde ich, wenn ich in mir stiller werde? Es ist wie das Schauen in einen Wasserspiegel. Erst wenn das Wasser ruhig geworden ist, kann ich mein Spiegelbild erkennen.
Manche sehen jedoch solche Ereignisse auch als eine Strafe Gottes an, als eine Folge sündhaften Verhaltens von Menschen. Doch ich frage, woher will man das wissen? Der Gott, der Liebe ist, führt uns zu neuen Einsichten und Erkenntnissen. Sie werden uns geschenkt, wenn wir zu einer Einmütigkeit finden. Die Welt ist nicht etwas Feindliches, sondern das Arbeitsfeld, in dem wir als Zeugen der Liebe Gottes wirken sollen.
„Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“, so war der Auftrag Jesu Christi, und: „Jeder wird erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“
So geht es nicht um Abschottung und Sicherung einer Macht vor einer feindlichen Welt, sondern um den Glauben an Gottes Liebe und Kraft sowie darum, genau das zu leben. Dazu schenkt uns Gott heiligen Geist. Er wird Ängste in uns überwinden und das Vertrauen stärken, weil wir erleben, dass Gottes Liebe die Kraft ist, die alles Kranke heilen kann. Lasst uns die jetzige stille Zeit nutzen, dass uns diese Kraft geschenkt werden kann wie damals den Jüngern Jesu.

Der Herr lebt! - Der Auferstandene will uns aufrütteln

Von Rainer Gerhardt

Das diesjährige Osterfest ist so ganz anders, als wir es geplant, gedacht oder erhofft haben. Statt gemeinsame Gottesdienste und Treffen im großen Kreis unserer Lieben zu erleben, werden wir das Wort Gottes in kleiner Gemeinschaft per Telefon oder Video vernehmen und anschließend in sehr überschaubarer Runde essen und den Tag verbringen. Das soll Ostern sein?
„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ DAS ist Ostern, das ist die Botschaft, die uns erfreuen, aber auch aufrütteln soll.
Im Moment sind eine große Anzahl von Menschen von einem kleinen Virus aufgerüttelt worden. Alte Gewissheiten müssen neuen Einsichten weichen, Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Sein auf Erden werden gestellt. Was gestern war, ist heute völlig anders, und ob es morgen wieder so wie gestern sein wird oder anders bleibt, das ist ungewiss.
In der Ungewissheit sehnen wir uns nach Gewissheit, suchen sogar nach alten Gewissheiten, die wir fast schon vergessen und abgeschrieben haben. Und auf einmal wird auch der Glaube wieder entdeckt – nicht als Opium fürs Volk, sondern als Trost und Stärke.
Der momentane Verlust von Gemeinschaft und Nähe macht uns deren Bedeutung wieder bewusst und kann uns ihren Wert neu erkennen und schätzen lassen. Das ist ein inneres Karfreitagsgeschehen, wie es unendlich stärker die Anhänger Jesu vor 2000 Jahren erleiden mussten. Doch in dem Moment, als sie in der tiefsten Dunkelheit gefangen waren, erstrahlte ihnen das Osterlicht: Der Herr lebt!
Diese Nachricht rüttelte sie auf und gab Mut und Kraft zur Nachfolge. Lassen auch wir uns aufrütteln – nicht von einem kleinen Virus und seinen großen Folgen, sondern vom Herrn!

Kirche in Zeiten der Not - Gerade jetzt ist Gottvertrauen wichtig

Von Rainer Gerhardt

Das öffentliche Leben kommt zurzeit in Deutschland und anderen Ländern weitgehend zum Stillstand, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Nach der Schließung von Grenzen, von Kitas, Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen sowie von Kultureinrichtungen und Gastronomiestätten haben die Bundesregierung und die Bundesländer Anfang der Woche weitere Einschränkungen beschlossen.
Nachdem der Berliner Senat am vergangenen Samstag bereits Versammlungen mit mehr als 50 Personen untersagt hatte, musste am Sonntag, dem 15. März, die Andacht im johannischen Gemeindehaus in Berlin-Kaulsdorf ausfallen. Im St.-Michaels-Heim fand sie mit geringerer Teilnehmerzahl statt. Der Gottesdienst im Waldfrieden konnte durchgeführt werden, da im Land Brandenburg noch andere Bestimmungen galten. Mittlerweile ist aber das Abhalten von Gottesdiensten bundesweit untersagt. 
Kirche in Zeiten der Not – wie kann sie überhaupt noch stattfinden, wenn wir nicht mehr zusammenkommen dürfen? Im Matthäus-Evangelium sagt Jesus Christus: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Gemeinschaft mit dem Herrn – und das ist Kirche – können wir auch im kleinen Kreis pflegen. Gebete und Gedanken sind nicht an Raum und Zeit gebunden.
Die Kirchenleitung nimmt die Entwicklung ernst und sucht mit den vielen Verantwortlichen nach Wegen, wie das Hören von Gottes Wort, der Empfang der Sakramente, die seelsorgerische Betreuung, die religiöse Unterweisung sowie die praktische Unterstützung von Hilfsbedürftigen ermöglicht werden können.
Am vergangenen Sonntag nutzten sehr viele die Möglichkeit, sich telefonisch in die Gottesdienste im St.-Michaels-Heim und im Waldfrieden einzuwählen. Ebenfalls übertragen werden täglich um 17 Uhr die in der Friedensstadt durchgeführten Abendgebete, und auch die Abschiedsfeiern auf unserem Friedhof in der Friedensstadt können per Telefon mitverfolgt werden. Die Einwahlnummern sind in jeder Weg und Ziel auf Seite 2 veröffentlicht. An weiteren Übertragungsmöglichkeiten wird gearbeitet.
Die Johannische Kirche hat aufgrund der besonderen Situation für dieses Jahr Ausnahmereglungen für das Spenden des Abendmahls (siehe Seite 3) und des Sakraments der geistigen Heilung herausgegeben. Diese Kraftquellen sind geistiger Natur, die weltliche Durchführung ordnet sich dem unter. Auch hier sind aber wieder Änderungen möglich – je nachdem, wie sich die Situation entwickelt.
In unseren Gemeinden haben wir ein gutes Netzwerk, wir kennen einander und helfen uns gegenseitig. Wichtig ist, dass diese Informationen aktuell bleiben. Wer ein Sakrament, einen Zuhörer, eine praktische Hilfe braucht, kann sich immer an seinen Missionshelfer oder an den Gemeindeführer wenden. Mit der ganzen Gemeinde kann und soll geholfen werden.
Für das Jubiläumsjahr „100 Jahre Friedensstadt“ wurde in 2020 eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant. Diese werden nun mit dem 19. Dezember 2020, dem Jahrestag der Grundsteinlegung, beginnen und dann im Jahr 2021 durchgeführt. Das gibt Planungssicherheit für unsere Organisationsgruppen, Gemeinden und Gäste. Über all diese Entwicklungen und Veränderungen wird umgehend und fortlaufend informiert. 
Trotz dieser Verschiebung wollen wir gerade die jetzige Zeit nutzen, um als johannische Gemeinschaft dem Meister Joseph Weißenberg Dank zu sagen für dieses Geschenk seiner Stadt und für das in uns gesetzte Vertrauen.
Kirche in Zeiten der Not heißt nicht, dass eine Kirche von allem verschont wird, sondern dass sie an der Hand des Herrn durch diese Not geführt wird. „Krankheit ist Geist“, und deshalb gilt es auch zu erkennen, welcher Geist mit dieser Krankheit verbunden ist. Not zu erleben ist eine Prüfung unseres Glaubens und damit auch immer eine Chance, dass dieser kräftiger werden kann. Es ist eine Zeit, an unserer Unsicherheit zu arbeiten: Wo stehe ich für Gott und zu meinem Nächsten? Heilsam, weil segenbringend bleibt das Gebet, die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Wir dürfen den Herrn dabei immer auch um Schutz für uns, für unsere Lieben und alle unsere Mitmenschen bitten, und in diese Gebete möchten wir auch alle Ärzte, Pfleger und Forscher einschließen.
Der Meister hat uns auf Zeiten wie diese vorbereitet und uns geistige Hintergründe erklärt. Die von ihm gesendeten Geistfreunde haben schon vor fast 20 Jahren am 17. August 2002 gesagt:
„Der Herr ist der Hirte! Und mit diesem Wissen müsst ihr euch nicht fürchten. Es wird euch an nichts mangeln! Meine Lieben, haltet zusammen! Alles ist Schulung. Alles, was ihr seht, alles, was ihr hört, alles, was ihr tagtäglich durchlebt, ist Schulung von Gott. Wie viel wichtiger ist eine Zeit, in der mit Nachdruck geschult wird, im Vergleich zu einer Zeit, in der alles wie von selbst läuft. Der Herr hat nicht zum Vergnügen sich einst erschaffen diese Welt. Es ist ein Übungsstern, und eure Übung ist: Gott lieben und euren Nächsten wie euch selbst. Ihr wisst, dass er sich mit Irdischem nicht ehren lässt, dass er nur eure Liebe will. Und alles, was euch widerfährt, soll diese Liebe stärker machen und soll euer Erkennen stärker machen: was wichtig ist und was nicht.
Der Herr bleibt bei euch und stützt euch und führt euch, auch durch Zeiten der Not, so dass ihr sagen könnt: ,Der Herr ist mein Hirte‘, es hat mir niemals gemangelt, und es wird mir an nichts mangeln!
Trete einer für den anderen ein, wenn die Zeiten kommen, dass der Starke dem Schwachen helfen muss, der Reiche dem Armen etwas abgibt. Dass die Gemeinschaft nach außen hin erkennbar wird als seine Gemeinschaft, seine Nachfolger in Christo Jesu!“

Bekenntnistag am 6. März: Aus tiefstem Herzen bekennen - Gott baut auf uns

Von Verena Wittke

Seit Beginn des Christentums bekennen Christen ihren Glauben. Sie bekennen, was den strahlenden Kern ihres Glaubens ausmacht, wonach sie ihr Leben und Handeln ausrichten wollen. Ein frühes Bekenntnis, unter dem sich Christen sammelten, finden wir im Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi: "Jesus Christus ist der Herr!"
Wir johannischen Christen werden am 6. März, dem Tag des Heimgangs unseres Kirchengründers und Meisters Joseph Weißenberg, zum Bekenntnisgottesdienst zusammengerufen. Wenngleich wir in dieser Zeit auch der Verfolgung und der schweren Zeit Joseph Weißenbergs in der Verbannung gedenken, möchte uns doch vor allem das Versprechen, das wir mit seinem Heimgehen verbinden, gegenwärtig sein: "Wenn ich im Fleische nicht mehr unter euch bin, werde ich im Geiste zehnmal stärker unter euch wirken."
Wenn wir gemeinsam unseren johannischen Glauben – an die Dreieinigkeit Gottes und an Gottes Offenbarungen durch Mose, Jesus Christus und Joseph Weißenberg – bekennen, verbinden wir uns nicht nur mit den lichten Kräften der Ewigkeit, sondern erneuern auch unsererseits unser Versprechen, für Gott einzutreten und zu einem willigen Werkzeug in seiner Hand zu werden. Mutig mit Gott für Gott!
So ist die Zeit um den Bekenntnistag auch eine Zeit, die eigene Position zu bestimmen: Wo stehe ich? Wie werde ich ein brauchbares Werkzeug? Von welchen unnützen, eigensinnigen und eitlen Gedanken muss ich mich noch trennen, damit in mir Raum entsteht, in dem der göttliche Funke Liebe zur Flamme werden kann? Und: Darf ich ihm schon Fels sein oder bin ich noch haltloser Sand? In einem Choral heißt es "Du baust auf Gott, das ist schon recht, doch wisse, Gott baut auch auf dich." Ich habe bei diesen Zeilen immer das Gleichnis des Heilands vor Augen, von dem das Evangelium des Matthäus berichtet:
Der Heiland gab den Menschen in seinen Predigten viele Hinweise und Mahnungen für ein Leben, das sie näher zu Gott führen kann. Er sprach davon, dass diejenigen, die seinen Worten in ihren Herzen und ihrem Leben wahrhaft Raum gäben, einem klugen Manne glichen, der sein Haus auf Fels baute, so dass es trotz Sturm und Unwetter bestehen blieb. Diejenigen aber, die seine Worte hörten und keine Taten daraus erwachsen ließen, verglich er mit einem törichten Menschen, der sein Haus auf Sand baute und erleben musste, wie es im Unwetter zerstört wurde.
Wer wollte sich schon als einen solchen törichten Menschen sehen? Wer wollte sich gar selbst mit einem Bauwerk vergleichen, das bei Regen und Sturm, bei den ersten heftigen Anforderungen des Lebens den Grund verliert und zusammenstürzt? Und doch muss ich mich wohl fragen, ob ich wirklich ein so verlässlicher und treuer Helfer in seinem Werk zu sein vermag, wie Gott es sich wünscht? Ob aus meinem Handeln seine Liebe spricht oder ob ich meine Kraft eher eigennützig und zu meinem Vorteil einsetze? Ob ich Trost bringe und zur Heilung beitrage oder ob ich selbst verletze? Trete ich voller Freude für seinen Namen ein oder fürchte ich noch die Meinung der Menschen? Vertrete ich wahrhaft glaubwürdig, woran ich glaube? Wie tröstlich und ermutigend in dieser bisweilen schmerzhaften Selbstüberprüfung ist es zu spüren, dass der Meister mich liebevoll annehmen will, wie ich bin: "Wie schön es ist, Joseph Weißenberg auf seinem Weg zu folgen! Und dann seht ihr auch seinen klaren Blick, wie er euch durchschaut, wie er genau weiß, was er an euch hat, heute, jetzt, morgen, bis zu eurem Lebensende."
Ausrichtung, Mahnung und Hilfe bekommen wir durch unsere geistigen Freunde auch auf unserem Weg durch diese Tage und durch dieses Leben:
"Möchte euch der 6. März und euer Bekenntnis weiter geradeaus führen, dass ihr reift und wachst in dem, was seines Geistes ist. Der Funken Liebe, der euch so viel bedeuten soll und der ihm so viel bedeutet, lasst ihn größer werden! Stellt den Stolz des Wissens ganz nach hinten und nehmt aus seiner Hand an, was an Kraft und an Freimachendem durch euch fließen soll! – Alle seid ihr Werkzeuge, alle, wo immer ihr steht auf dieser Erde, denn ihr seid Weißenberger, und das ist eine Auszeichnung vor dem Geist! Aber der wahre Weißenberger, der muss ein Vertreter des Geistes der Wahrheit sein. Und so arbeitet nun daran, heute und die restliche Zeit eures Lebens, soviel ihr noch davon habt. Nutzt eure Zeit aus, wahrhaft, klarer, mutiger zu werden, aufzutreten für den Herrn! Und fürchtet euch nicht vor Menschen. Es ist immer angesagt, nur Gott zu fürchten und sonst nichts auf der Welt!"
Möchten wir aus tiefstem Herzen unseren johannischen Glauben bekennen und daraus die Kraft schöpfen, mit unserem Leben Zeugnis abzulegen für seine Liebe!

Zum 7. Februar: Kirchenoberhaupt Frieda Müller - Vorbild und Liebe

Von Siegrun Mauske

Frieda Müller, einstiges Oberhaupt der Johannischen Kirche und Vorsitzende des Johannischen Sozialwerks, die am 10. Juni 2001 heimging, ist allen Johannes-Christen und vielen darüber hinaus in bleibender Erinnerung. Wir gedenken ihrer anlässlich ihres Geburtstages am 7. Februar.
Es war ihre Menschlichkeit, die als Trost, Hilfe und Hoffnung beim anderen ankam. Das brachte ihr auch Respekt, Sympathie und Anerkennung bei Glaubensfreunden und Behörden ein, mit denen sie tun hatte. Ein Schwergewicht ihrer Arbeit lag zunächst in der Sammlung der Kirchenglieder und dem Wiederaufleben kirchlichen Lebens nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg, nach Verbot und Verfolgung. Und es war stets das über die Kirche hinausgehende soziale Engagement aus christlicher Verantwortung, das sie umtrieb. Das entsprach ihrem Lebensmotto: "Tausend Worte ergeben noch keine Tat." Eng damit verbunden war jenes Anliegen ihres Vaters Joseph Weißenberg: "Haltet den Glauben hoch." Anspornend und fröhlich steuerte sie das Kirchenschiff, das offen, tolerant und sozial sein sollte.
Auch nach der Teilung Deutschlands hat sie die gemeinsame Kirchenarbeit und die Verbindung zum Ostteil des Landes intensiv unter großem persönlichen Einsatz aufrechterhalten. Sie war einfach da. In Franken galt ihr Bemühen, eine gesunde, tierfreundliche Landwirtschaft als ökologische Einheit ins Leben zu rufen und einen "Gottesacker" zu schaffen, den Friedhof auf Gut Schönhof, eine Begegnungsstätte zwischen Diesseits und Jenseits, die Erlösung schenkt. Genauso ging es mit vielen Initiativen vorwärts, wenn wir an die inzwischen zurückerhaltene Friedensstadt (1994) denken, in der Schwerpunkte der Arbeit gesetzt wurden und die soziale Strecke ihren festen Platz hat.
Immer ging und geht es um eine Gemeinschaft, die glaubensstark, einander beistehend Frieden stiftet, der im Herzen seinen Anfang hat. Es geht um ein freundschaftliches Verstehen, um gemeinsam mit der Führung der Kirche Anstehendes zu bewegen. Immer ging und geht es darum, das hochzuhalten, was die Lehre Joseph Weißenbergs ausmacht, wenn wir zum Beispiel nur einmal an das Sakrament der geistigen Heilung denken oder auch, was gemeinschaftliches Erleben uns schenken möchte. Auch die Gebetserfahrung wird stets zu einem neuen Erleben werden, wenn es denn ein Zwiegespräch mit Gott ist. Glauben ist kein Haben, dafür gilt es im täglichen Gebet und Tun einzustehen, ein Beispiel zu geben und zu lauschen, was mir meine geistige Führung sagt. Mit all dem, was mich bewegt, soll ich im Gespräch mit dem anderen bleiben. Der Herr segnet uns, dass wir zu einem Segen werden. Auch das Vorbild von Schwester Friedchen hat uns immer wieder dazu ermuntert, mit allen Kameraden hier und im Jenseits zusammenzustehen.
Eine Frage an sie bei einem Interview, was sie sich vom Wirken Joseph Weißenbergs als Beispiel genommen hat, beantwortete sie so: "Er hat es verstanden, seine Mitarbeiter in der Kirche und in der Siedlung (Friedensstadt) für die Arbeit so zu begeistern, dass sie freudig, freiwillig und gern bei ihm arbeiteten. Das habe ich mir zum Vorbild genommen." Für all das ist Danke zu sagen und ihre Arbeit weiter mit Leben zu füllen.

Gott vertrauen - "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" - Jahreslosung 2020

Von Siegrun Mauske

Eine Geschichte, die zu Gottvertrauen aufruft, das gleichermaßen den Gemeinschaftsgeist und auch das Verantwortungsgefühl für das Anvertraute befördern kann, wird uns im Markus-Evangelium, Kapitel 9, beschrieben. Hier stoßen wir auf einen Satz, der zum Nachdenken auffordert, der uns etwas zu sagen hat, gerade in dieser gegensätzlichen Aussage: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Das ist auch die Jahreslosung 2020, die durch das Jahr trägt und uns immer wieder beiseite nimmt. Das sind wichtige Anliegen auch in unserer Zeit. In dem Kapitel der Bibel wird erzählt, wie Jesus einen Jungen heilt. Der Junge wird von dämonischen Mächten geplagt und zu Boden geworfen. Niemand kann ihn heilen, auch die Jünger nicht. Dann wendet sich der Vater des Jungen an Jesus und bittet diesen um Hilfe. Er hat wenig Hoffnung und sagt: "Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns." Jesus erklärt, dass „alle Dinge dem möglich sind, der da glaubt“. Daraufhin gesteht der Vater seine Zweifel und sagt diesen Satz: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Jesus handelt und befreit den Jungen von seinem Übel.
In der Geschichte steckt die Aufforderung, sich mit Gott auf den Weg zu begeben, denn Glaube richtet auf, macht mutig, stark und tröstet. Aber den Glauben hat man nicht einfach, auch nicht automatisch beim Kirchgang. Glaube ist ein Geschenk, kein "Haben", es ist etwas dafür zu tun und der Glaube will immer wieder neu mitten im Alltag erlebt und gestärkt werden. Glauben können ist Gnade, heißt vertrauen und ist erlebte Kraft. Es ist ein Fürwahrhalten all dessen, was man nicht sehen und erklären kann. Das heißt: Wir hoffen darauf, dass Gott mitgeht zu allen Zeiten, auch wenn uns Fragen und Zweifel bedrängen. In uns rumoren ja öfter Gedanken wie: Warum sind wir so unruhig und besorgt? Wo ist Gott, wo bleibt das Gottvertrauen? Wenn es darauf ankommt, verlieren wir oft den Boden unter den Füßen. Dabei haben wir doch schon oft Gottes Nähe und Hilfe erlebt. Da taten sich neue Wege auf, Heilungen für Leib und Seele, für unser Miteinander. Ja, wir wissen uns in Gottes Hand, dennoch geschieht es immer wieder, dass uns etwas von der Kraft des Glaubens trennt.
Da gibt es die anschauliche Geschichte, wie es mit Glauben, Zweifeln und Vertrauenkönnen aussieht. Da ist ein Mensch, der oft mit Gott hadert, ihm schon vielfach versprochen hat, sich zu ändern und es mit den Glaubensdingen ernster zu nehmen. Als er eines Tages unterwegs ist, stolpert und sich einem Abgrund gegenübersieht, kann er sich gerade noch an einem Ast festhalten. Da barmt er wieder in seiner Not, was schon oft versprochen war: "Hilf mir Gott, ich werde mich ändern." "Dir kann man schwer glauben", so Gottes Antwort. "Doch bestimmt diesmal." Gott spricht: "Lass los, ich werde dich auffangen." Seine Antwort: "Ich bin doch nicht verrückt." Diese Haltung kennen wir, wenn der Verstand etwas anderes sagt als das Gewissen, das Vertrauen zu Gott. Vertrauen schließt ein, sich zu trauen und auch loslassen zu können.
Das erging bereits den Menschen so, die mit Jesus unterwegs waren. Unglaubliches hatten sie mit ihm erlebt, doch oft machte sich schon bei der nächsten Herausforderung große Hilflosigkeit breit. Der Vater in Markus’ Erzählung erreicht in seinem verzweifelten Schrei genau diesen Punkt: Er gesteht sich ein, dass er aus eigener Kraft nichts tun kann, noch nicht einmal mehr glauben. Er erkennt, dass nicht nur sein Sohn der Hilfe bedarf, sondern auch er selber. "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Diese scheinbar widersprüchliche Aussage, dieses Gefühl taucht in solchen Momenten auf, und Vertrauen und Zweifel stehen sich gegenüber. Es zeigt die innere Zerrissenheit. Der Vater in diesem Beispiel erkennt die eigene Not, das eigene Unvermögen und sieht in Jesus den, der ihm noch helfen kann. Zwischen Glauben und Unglauben steht die Bitte: Hilf mir! Jesus benennt die Situation: "O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? wie lange soll ich euch tragen?" "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Der Vater wagt diesen Sprung des Glaubens im Vertrauen darauf, dass Jesus ihn auffängt. Es meint einen Glauben, der seine Kraft nie aus sich selber bezieht. Glaube bedeutet loslassen, sich Gott anvertrauen, manchmal entgegen aller scheinbaren Vernunft und Logik. Losgehen, sich fallenlassen in seine Arme, in sein Führen. Das ist die Brücke von "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"
Dabei kommt einem die Bitte der Jünger von einst in den Sinn, um die Verbindung zu Gottes Kraft wieder herzustellen, um die Lücke, die der Zweifel aufreißt, zu schließen. Es ist der Graben zwischen Vertrauen und Zweifeln, zwischen Kämpfen und Aufgeben, zwischen Verzagen und Hoffen. Darum die Bitte: "Herr, lehre uns beten!" Es geht um dieses Bedürfnis, diese Herzenshaltung, dieses Ringen und Flehen, um jenes Gespräch mit dem himmlischen Vater. Wir wissen, durch rechtes Beten können Wunder erreicht werden. "Halte mich, Gott, ich lasse los!" Das ist Suche und Bitte zugleich nach einer Lösung, nach einem neuen Anfang von einem jeden.

Zum Heimgang von Kirchenoberhaupt Josephine Müller - Bescheidenheit, Mut und Konsequenz prägten ihr Wirken im Werk Joseph Weißenbergs

Von Rainer Gerhardt und Detlef Nagel

"Kirche ist das, was der Einzelne ausstrahlt, inwieweit der Einzelne Gott durch sich wirken lässt." "Möchte das einfache, unkomplizierte, liebevolle Handeln unsere treibende Kraft sein."
Mit Worten wie diesen, die ihrem gelebten Vorbild entsprachen, hat sich Schwester Josephine Achtung, Vertrauen und Zuneigung weit über den Kreis der Mitglieder der Johannischen Kirche hinaus erworben.
In ihrem lebenslangen Wirken für das christliche Werk Joseph Weißenbergs bleibt eine Ära besonders im Gedächtnis: der 25-jährige Wiederaufbau der Friedensstadt von 1994 bis 2019.
Die Bemühungen um die Rückgabe der einst von den Nationalsozialisten enteigneten und später von der Roten Armee besetzten Siedlung Joseph Weißenbergs nahmen unter der Leitung ihrer Mutter Frieda Müller gleich nach Kriegsende ihren Anfang. Jedoch machten es erst die Wende in Deutschland 1989/1990 und die staatliche Einheit möglich, dass sich die Worte des Meisters erfüllen konnten: "Wir bekommen alles wieder ..."
Die Rückgabe der Friedensstadt ist vor allem mit zwei Daten verknüpft: 29.3.1994 und 14.6.1994.
Am 29. März 1994 verabschiedeten sich die russischen Truppen in der Friedensstadt mit großem militärischen Zeremoniell. – Vor Beginn der Feierlichkeiten versammelte sich Schwester Josephine mit Predigern und Kirchenmitgliedern in der Kirche des Waldfriedens vor der Büste Joseph Weißenbergs, um gemeinsam zu beten. Zuvor sprach sie folgende Worte:
"Zum Einzug in die Friedensstadt möchten wir am heutigen Tag unserem Herrn und Meister danken, wenn wir erneut den Schlüssel für die Friedensstadt in Empfang nehmen dürfen.
Lieber Meister! Wir bitten Dich: Schenke uns Kraft aus der Höhe und segne unser Tun für die kommenden Aufgaben, um die ersten Schritte in Deine Friedensstadt mit Zuversicht und Freude, Ausdauer und Geduld im Glauben gemeinsam mit unseren geistigen Freunden gehen zu dürfen. Möchten wir sehende Augen bekommen für die Nöte der Menschheit und Gefahren erkennen und abwehren lernen, schon im Ansatz. Möchte uns recht bewusst werden, dass Dein Geschenk der Friedensstadt uns die letzte Chance bietet, auf Gott unser Leben auszurichten, und die für uns, und damit für die gesamte Menschheit, eine Entscheidung abverlangt, die die Umkehr oder den Untergang dieses Sterns zur Folge hat.
Möchte der himmlische Friede, der auch den Weltfrieden miteinbezieht, durch unsere Nächstenliebe auf die Erde gezogen werden können, indem wir Dein teuerstes Gut, Deine Friedensstadt, verwalten lernen im Sinne Gottes, ohne egoistisches Gedankengut, nur in dem einen Gedanken: vom Ich zum Wir zu kommen, Dein Kind sein zu wollen, das sich nur von Deiner Liebe führen lassen möchte und von nichts anderem, was Trennung schafft, dass wir nicht Deinem Heils- und Erlösungsgeschehen im Wege stehen, sondern Freundschaften in Deinem Geiste aufbauen helfen, die über das irdische Leben hinweg Gültigkeit haben ins Jenseits hinein, dass es einmal dazu kommen darf, dass es werde: Ein Hirt und eine Herde!" –
Zum Abschluss der offiziellen Feierlichkeiten übergab der russische Generalleutnant Wjatscheslaw Zwetkow Schwester Josephine das Garnisonsgelände symbolisch in Form eines Schlüssels. Er sagte dabei: "Gestatten Sie mir, dass ich den Schlüssel unserer Kaserne in Ihre heiligen Hände übergebe."
Über die zukünftigen Aufgaben der Friedensstadt äußerte Schwester Josephine:
"Die Hoffnung ist, dass sich in der Friedensstadt Weißenberg in der Gemeinschaft vieler Menschen, die guten Willens sind, und unter Ein­beziehung heutiger Erkenntnisse Lösungen für drängende Fragen und Probleme der Menschen erarbeiten lassen. Friedensstadt soll Hilfe sein zur Genesung einer kranken Welt. Ein­richtungen mit Kurcharakter mögen der Besinnung auf die Werte des Lebens dienen. Arbeit, die im Dienst am Nächsten verrichtet wird, vermittelt Freude und Kraft. Über dieser Stadt steht das Wort: ,Friede dem, der kommt, Freude, dem der hier verweilt, Segen dem, der weiterzieht.‘" –
Am 14. Juni 1994 setzte Schwester Josephine ihre Unterschrift unter das Übergabeprotokoll, das die Rückgabe des Siedlungsgeländes durch das Bundesvermögensamt regelte. Damit war die Friedensstadt juristisch wieder Eigentum der Johannischen Kirche. Ein Vertreter des Bundesvermögensamtes sagte anlässlich der Übergabe: "Wir können froh darüber sein, dass das, was früher einmal als Friedensstadt geplant war, was durch Naziterror kurzfristig aber nachhaltig zerstört wurde, in Zukunft wieder eine Friedensstadt werden kann."
Schwester Josephine hat den Wiederaufbau der Friedensstadt im Großen wie im Kleinen vorangetrieben und begleitet. Dabei hat ihr besonderes Augenmerk auf den Menschen, aber auch auf den Tieren und der gesamten Schöpfung Gottes gelegen. Intensiv förderte sie die Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Kirche sowie mit Einrichtungen des St.-Michaels-Heims, das einst "Schlüssel zur Friedensstadt" genannt wurde.
Ein weiterer Schlüssel für die Friedensstadt ist für Schwester Josephine die von Geschwistern der Urgemeinde gelebte Freundschaft zu russischen Offizieren der Garnison Glau gewesen. Durch diese freundschaftlichen Kontakte waren überhaupt erst Besuche von Schwester Friedchen und Schwester Josephine in der Friedensstadt möglich, und die dort von ihnen gesprochenen Gebete durften durch Gottes Gnade viel bewegen.
Auf den Tag genau 25 Jahre nachdem das Gelände der Garnison Glau durch Vertreter der Russischen Armee an die Johannische Kirche zurückgegeben worden war, pflanzte Schwester Josephine  am Freitag, dem 29. März 2019, in der Friedensstadt zum Dank für die Rückgabe und anlässlich des Jubiläums vor dem Frieda-Müller-Haus eine Birke am Standort des ehemaligen Ehrenmals der Garnison. Sie sagte dabei unter anderem:
"Dank unserem Meister, der seine Friedensstadt auch in dunklen Zeiten immer geführt hat und auch während der Besatzungszeit durch die sowjetische Garnison einen Schutz über sie legte, weil sie dadurch unantastbar blieb. Möchte diese Birke als ein Zeichen für unsere freundschaftliche Verbundenheit zum russischen Volk stehen."
Neben allen anderen vielfältigen Arbeitsfeldern unter dem Dach der Johannischen Kirche hat sich Schwester Josephine auch sehr um Gut Schönhof bemüht. Ihre Liebe und Fürsorge, ihre fürbittenden Gebete galten den dortigen Menschen und Tieren und der gesamten Schöpfung wie Feldern, Äckern, Gewässern und Pflanzen. Schon im Jahr 1985 rief sie die Prediger für ein Wochenende zum Schönhof, um einen Arbeitseinsatz durchzuführen. Verschiedene nachwachsende Bäume wurden umgepflanzt. Während das "starke Geschlecht" sich um die größten Exemplare bemühte, auch, um sich gegenseitig kräftemessend zu beweisen, kümmerte sie sich hauptsächlich um die kleinen, scheinbar schwächsten Gewächse. In ihrer Arbeitsmontur scheute sie sich nicht, in der Erde auch mit den Händen herumzugraben, um selbst die kleinsten Bäumchen nicht eingehen zu lassen. Heute gibt es jährlich dieses Arbeitswochenende der Prediger auf dem Hof. Schwester Josephine war immer gern mit dabei und verrichtete die verschiedensten handwerklichen Arbeiten.
Die Tiere lagen ihr sehr am Herzen, so dass sie sich nicht nur bei ihren Aufenthalten nach dem Wohl der Tiere erkundigte und selbst Vorschläge zu Verbesserungen machte, sondern sich darüber hinaus auch von Berlin aus besonders um schwache und kranke Tiere bemühte, indem sie intensive Telefongespräche mit den Mitarbeitern führte.
In der von Schwester Josephine mitformulierten und autorisierten Präambel für Gut Schönhof aus dem Jahr 2001 heißt es unter anderem: "Das Ziel ist, durch natürliche, ökologische Arbeits- und Herstellungsweisen Produkte zu erzeugen, die zur Gesundung der Menschen führen. Dazu gehört auch, dass die Schöpfung bewahrt wird und die Tiere als Helfer und Freunde der Menschen gesehen werden." "Nur durch gemeinsames Beten und Arbeiten der Mitarbeiter und Freunde von Gut Schönhof und im Erforschen des göttlich-geistigen Naturgesetzes wird der Weg zur natürlichen Heil- und Lebensweise, zur Heilung durch Heiligung beschritten."
In ihrer Liebe zum gesamten Hof schrieb Schwester Josephine mehrere aufmunternde Briefe an alle. Zu einem Jahresanfang äußerte sie folgende Bitte:
"Möchte der Meister sein Werk weiterhin segnen, die Tiere und alle Kreatur schützen und in uns dankbare Mitarbeiter vorfinden, die lhm und dem Werk in Frieden dienen."