Hundert Jahre – eine Ausstellung

Fotografien, Skulpturen, Schriftgut, Altargeräte oder auch Alltagsgegenstände – in der Exposition „Hundert Jahre – eine Ausstellung“ bietet die Johannische Kirche seit Pfingsten im Museumsgebäude der Friedensstadt Weißenberg einen vielfältigen und überraschenden Blick auf ein Jahrhundert Glaubensleben, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Veränderungen. Dabei ist auch zu erkennen, wie eng die Kirchengeschichte mit der Geschichte und Entwicklung im Raum Trebbin verbunden ist. Die Ausstellung ist Teil der Jubiläumsfeiern der Johannischen Kirche anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens.

Mitglieder und Freunde der Johannischen Kirche haben eine Ausstellung gestaltet, die anhand verschiedener Objekte und Perspektiven Einblicke in das weitgefächerte Kirchenleben der letzten 100 Jahre geben möchte. Die Auswahl der Objekte setzt sich vorrangig durch Leihgaben und Objektvorschläge von Mitgliedern Kirche aus ganz Deutschland zusammen und ist punktuell um Objekte aus dem Kirchenarchiv ergänzt. Dadurch kann der Großteil der Exponate im Original präsentiert werden. Zudem wird historisches Filmmaterial gezeigt, und die Originalstimme des Kirchengründers Joseph Weißenberg ist auf einer zeitgenössischen Aufnahme zu hören. Des Weiteren steht Literatur zum individuellen Betrachten und Blättern zur Verfügung.

Verbliebene Öffnungszeiten 2026

  • Sa, 05. September (10 bis 15 Uhr)
  • So, 13. September (12 bis 16 Uhr, Tag des Denkmals)
  • Sa, 19. September (10 bis 15 Uhr)
  • Sa, 03. Oktober (10 bis 15 Uhr, parallel zum Bunten Markt)

Änderungen sind vorbehalten. Die Verantwortlichen der Ausstellung freuen sich über interessierte Besucherinnen und Besucher und wünschen viel Freude beim Entdecken und Erleben der Geschichte der Johannischen Kirche!

Ort der Ausstellung

Museumsgebäude
Friedensstadt Weißenberg
Birkenstraße 17
14959 Trebbin
Standort (Google Maps)

Ausstellungseröffnung zum Pfingstfest

Am Pfingstsamstag, dem 23. Mai 2026, wurde die Ausstellung mit einer kleinen Zeremonie offziell eröffnet. Daniel Stolpe und Stefan Tzschentke von der Leitung der Johannischen Kirche richteten die folgenden Worte an die anwesenden Gäste (bitte anklicken zum Aufklappen):

Eröffnungsworte der Kirchenleitung

Liebe Geschwister, liebe Gäste und Freunde,

wir kommen zusammen, um unsere Kirche und Gemeinschaft, unsere Geschichte und unseren Geburtstag zu feiern. Die Johannische Kirche wird 100 Jahre! 

Wir möchten unsere Gläser erheben und uns freuen, an diesem Jubiläum Anteil haben zu dürfen und dem Jubiläum durch unser Dasein eine Besonderheit zu verleihen. Nicht zufällig erheben wir jetzt gemeinsam unser Glas. Wir alle sind ein Teil der Gemeinschaft, der Geschichte: der vergangenen und der, die noch geschrieben wird. Herzlichen Glückwunsch und zum Wohl!

Was bedeutet uns ein solcher Geburtstag? Was bedeutet es einem jeden und einer jeden von uns persönlich, Anteil am Geschehen dieses Jubiläums nehmen zu können? Was drücken wir als eine Stimme der Johannischen Kirche aus? Nehmen wir wahr, dass wir vom Geist Gottes bewegt werden? Werden wir innerlich von den Himmelskräften im Herzen erreicht? Oder ist Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit in uns groß geworden? Wenn ja, dann soll diese Jubiläums-Feierlichkeit uns die Möglichkeit geben, wieder neu miteinander zu arbeiten, uns einander kennenzulernen und zu reifen, uns miteinander zu freuen. 

Unser Meister Joseph Weißenberg ließ an das Heilinstitut den Spruch schreiben: Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie. Gleich werden wir ein Gebet sprechen und darin unseren Dank ausdrücken, dass wir eine Heimat haben, in der wir unseren Glauben leben, ihn erfahren oder ihn erneuern und reifen lassen dürfen. 

Alle Vor- und Nachbereitungen und die Durchführung solcher Geburtstagsfeierlichkeiten bringen viele Menschen zusammen, die anderen wiederum Freude bereiten möchten. Diese Arbeit ist herausfordernd, aber schenkt neue Möglichkeiten. 

Nun wird durch ein Jubiläum nicht alles leichter, und nicht alle Menschen können zueinander finden. Aber es ist wieder eine Möglichkeit, bewusst darauf zu achten, dass dies bei uns geschehen darf. Wir könnten uns damit zufriedengeben, uns gedanklich und räumlich voneinander zu entfernen – und uns dann wundern, dass die Welt immer wieder in Kampf und Streit ausbricht. Nein! Anders handeln zu wollen, ist unsere Aufgabe. Dazu helfen Anlässe wie dieses Jubiläum, bei dem wir miteinander arbeiten, feiern und in die Zukunft blicken – optimistisch in die Zukunft blicken: glaubensfroh und glaubensvoll. 

Die Friedensstadt möge ein Ort sein, wie viele andere Orte auf dieser Erde auch: Ein Ort, in dem Menschen sind, die Gotteskraft in sich spüren und mit dieser tätig werden, in dem am Frieden gearbeitet und dieser gelebt wird. Warum wollen wir das? Weil wir daran glauben und es spüren, dass Gott in allen Menschen ruht und wir alle von ihm geliebt und gesehen sind. 

Wie feiert man einen 100. Geburtstag würdig?

Die Geschichte der Johannischen Kirche spiegelt einen Teil der Geschichte unseres Landes und der Welt wider. Die damalige Kirchengründung war in politisch turbulenten Jahren getrieben durch Uneinigkeit und Auseinandersetzung, vor allem in Glaubensfragen. 

Mit großer Euphorie sind Menschen Joseph Weißenberg gefolgt und haben davon berichtet, wie sie für den Glauben an Gott neu begeistert wurden. Ihr Glaube wurde belebt, praktisch belebt durch das, was Joseph Weißenberg vorgelebt, gelehrt und aufgebaut hat. Nach einer ersten Aufbauzeit, Schaffung von Strukturen, Gründung von Gemeinden, nach ersten Jahren der Wortverkündigung, wurde der Nationalsozialismus in Deutschland groß, auch bei Anhängern und Mitgliedern der Evangelisch-Johannischen Kirche. 

Joseph Weißenberg wandte sich ab 1934 an die Regierenden und ermahnte sie zur Umkehr und Hinwendung zu Gott. Im Folgejahr wurde die Kirche bis Kriegsende 1945 verboten und ihr Eigentum enteignet. Ab 1946 konnte die Kirche neu aufgebaut werden, und das soziale und praktische Wirken wurde wieder an unterschiedlichen Orten aufgenommen. Leider nicht mehr in der Friedensstadt, die für viele Jahrzehnte verschlossen blieb. Es erfolgte die Trennung der Kirche in Ost und West, und durch den Mauerbau wurde dieser Zustand zementiert. Wie vieles andere in Deutschland, was eigentlich zusammengehörte, mussten die Menschen in Ost und West den Weltgeschicken folgen.

Welch eine Freude damals wie heute, dass die Wiedervereinigung unseres Landes wahr werden durfte. Jetzt wurden zwei gewachsene Strukturen der Kirche zusammengeführt, die Jahrzehnte mit jeweils anderen Rahmenbedingungen für sich funktionieren mussten. Es gelang gut, dass sich die Mitglieder der Kirche ohne große Vorurteile zu einer Gemeinschaft formten. Dass sich die Menschen wertschätzend und auf Augenhöhe begegnen konnten, lag vor allem an der praktischen Aufgabe Friedensstadt. In der Friedensstadt lebten rund 50 Jahre Menschen aus anderen Kontinenten und Ländern, mit anderen Sprachen und anderen Gebräuchen. 1994 durfte die Friedensstadt wieder durch die Mitglieder der Johannischen Kirche belebt werden. Die Vision Joseph Weißenbergs von einer Stadt des Friedens konnte erneut belebt werden. 

Was alles in den 100 Jahren passiert ist, an ganz persönlichen Dingen, die jeder von uns erlebt hat oder von den Menschen, die schon heimgegangen sind, ist unvorstellbar vielfältig, erschütternd, traurig, herzzerreißend sowie begeisternd, freudebringend und berührend. 

Alle Gefühle, die wir als Mensch empfinden können, finden sich in diesen 100 Jahren innerhalb unserer Kirchengeschichte und der Gemeinschaft, die diese ausmacht, wieder.

Die Johannische Kirche möchte auch zukünftig ein Zuhause sein für alle Menschen, die sich unter Gottes Schutz und Segen wiederfinden möchten. Das bedeutet, den Nächsten und die Nächste zu lieben. Damit leben wir die Botschaft Jesu Christi: Liebe deinen Nächsten, liebe deine Feinde. 

Erläuterungen der Kirchenleitung zur Ausstellung

Liebe Geschwister, liebe Gäste und Freunde,

„Wie feiert man einen 100. Geburtstag würdig?“, war eine gerade gestellte Frage. Die Ausstellung, die wir gleich in der linken Hälfte des Museums eröffnen werden, soll ein solch würdiger Beitrag zum Jubiläum sein, in der anhand verschiedener Objekte ein Einblick in das lebendige Kirchengeschehen der letzten 100 Jahre ermöglicht werden soll. Die Anordnung der Objekte im Ausstellungsraum folgt keiner festen Chronologie, sondern einer thematischen Ordnung nach Kategorien, die auf Informationstafeln beschrieben sind.

Die ausgewählten Kategorien beschreiben die Perspektive auf die Johannische Kirche als …

  • Baustein im Erlösungswerk
  • Brückenbauer
  • Ort gelebten Christentums
  • Soziales Wirkungsfeld
  • (Geistige) Heimat
  • Begleiter in allen Lebensphasen
  • Kulturelles Arbeitsfeld
  • Ort der Wunder
  • Kompass – Ausrichtung und Mahnung

Die Auswahl der Objekte setzt sich vorrangig durch Leihgaben und Objektvorschläge von unseren Geschwistern zusammen – ihr erinnert euch, wir hatten im vergangenen Jahr dazu aufgerufen. Punktuell wurden die eingereichten Objekte um weitere aus dem Kirchenarchiv ergänzt.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die Vorschläge und Wünsche für Objekte eingereicht und diese als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben. Des Weiteren konnte dieses Gemeinschaftsprojekt durch zahlreiche ehrenamtliche sowie hauptamtliche Arbeitsstunden realisiert werden, die in die Beräumung und Ertüchtigung des Gebäudes sowie die Ausgestaltung dieser Ausstellung geflossen sind.

Einer der gerade genannten Objektkategorien lautet „Ort der Wunder“, und von einem kleinen Wunder, was wir in der Ausstellungsvorbereitungsgruppe für uns als solches empfunden haben, möchte ich gerne berichten:

Als klar war, dass wir viele Objekte in dieser Ausstellung zeigen wollen, kam schnell die Frage auf, wo und wie das ermöglicht werden kann. Das Museum der Friedensstadt war schnell als idealer Ort festgelegt. Mit den Geschwistern, die das Museum in der linken Hälfte mit dem Secondhandverkauf von Kleinmöbeln über Jahre belebt hatten, konnte eine Ausweichmöglichkeit gefunden werden, so dass perspektivisch eine leere Hälfte des Museums zur Verfügung stehen würde. Die Betonung liegt auf „leer“. Einem Mitglied des Vorbereitungsteams bereitete es schlaflose Nächte, wie wir die Objekte würdig präsentieren könnten, vor allem, wenn wir wertvolle Originale zur Verfügung gestellt bekommen.

Dann geschah für uns das Wunder: Bei der Suche im Internet nach gebrauchten Vitrinen wurde ein Angebot der Newton Foundation in Berlin entdeckt, die ihre Ausstellung zu Helmut Newton und alle damit verbundenen Vitrinen beräumen und kostenlos abgeben wollte. Sofort wurde reagiert und der Anbieter angeschrieben – und wir erhielten die Zusage, weil wir die Ersten waren, die sich gemeldet hatten, von einer Vielzahl weiterer Interessenten. Um die Erzählung abzukürzen: Die angebotenen Vitrinen passen genau in die linke Museumshälfte und ermöglichen dadurch die Umsetzung dieser Ausstellungsidee. Ihr dürft es ja gleich selber in Augenschein nehmen. 

Wir sind zutiefst dankbar für diese Führung, und es darf uns immer wieder aufs Neue, auch für die kommenden Jahre motivieren: Vieles ist möglich, wenn wir glauben und auf Gottes Hilfe und die Unterstützung unserer geistigen Freunde vertrauen.

Viel Freude beim Entdecken und Erleben der Ausstellung. Sie ist nun eröffnet!

Eindrücke von der Ausstellungseröffnung und der Ausstellung

(Fotos: Rainer Gerhardt und Christian Kerber / Video: Gunnar Pommerening)