Gedanken zum Jahresbeginn

Aus der Johannischen Glaubenslehre

Wenn ein neues Jahr beginnt, werden viele Fragen gestellt, was die Zukunft bringen mag. Je nach Befinden oder innerer Einstellung sieht der Mensch in die kommende Zeit manchmal mit hoffnungsvollen Erwartungen, manchmal aber mit bedrückender Sorge. Zeitumstände, Weltentwicklungen bestimmen die Überlegungen zusätzlich mit.

Von solchen Unbeständigkeiten können wir gläubig frei werden, wenn wir das Vaterunser, das die Christen um Mitternacht zum Jahresbeginn beten, nicht nur als schönen Brauch, sondern als wahrhafte Hingabe eines Kindes an den Vater im Himmel auffassen. Das wird uns in die Freudigkeit der Kindschaft in Gott führen und uns befähigen, allen Aufgaben unseres Lebens mit der Gewissheit entgegenzugehen, dass eine ewige Liebe hilft.

Der Gründer der Johannischen Kirche Joseph Weißenberg sagt: "Wir leben nicht um zu sein, sondern wir leben um zu werden." Diese Erkenntnis löst uns aus Wünschen, die gegen unsere Erlösung stehen, sie bewahrt vor Enttäuschungen, die falschen Erwartungen folgen. Wir lernen, unser Schicksal anzunehmen, weil wir in ihm den Weg des Werdens für unsere Seele erkennen. "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus."

Ernstes, inniges Beten ist Zwiesprache mit Gott. Dabei stellt er genauso Fragen an uns, wie wir unsere an ihn stellen. Seine Fragen könnten lauten: Wenn du weißt, was ich alles für dich getan habe - ich habe jeden Atemzug meines Lebens auch für dich gewirkt und mein Leben für dich gegeben -, was tust du für mich? - Suchst du dein Eigenes noch immer, obwohl dich das von der Gemeinschaft der ewigen Heimat trennt? - Bist du der Meinung, dass du mich lieben kannst, wenn dir dein Nächster gleichgültig ist oder wenn du deinen Widersacher hasst? - Oder bedenken wir, wie Jesus seine Jünger fragte: "Habt ihr auch je Mangel gehabt?" und sie antworteten: "Nie!"

Was wir für unseren Weg ins ewige Leben brauchen, werden wir immer haben. Gott verspricht es uns. Allerdings müssen wir bedenken, dass Gottes Verheißungen nicht in einen leeren Raum gestellt sind, sondern in ein Bündnis, das auch uns Verpflichtungen auferlegt. Beten wir mit Joseph Weißenberg: "Lass uns feste stehn, sicher gehn im Glauben!" Richten wir uns nach seinem Wort: "Zwei Lebensstützen brechen nie. Gebet und Arbeit heißen sie." - Wenn wir das Unsere tun, werden wir nicht vergeblich auf Gottes Beistand hoffen. Halten wir Glauben, so wird uns seine Hand halten in Zeit und Ewigkeit.

Rückschauend in ein vergangenes Jahr singen wir mit dem Psalmisten: "Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich." Warum sollte das am Ende dieses beginnenden Jahres anders sein? - Inmitten aller Unbeständigkeit unserer Welt steht Gott als das einzig Beständige. Darauf gründen wir unser Vertrauen und unseren Mut.

Und wenn wir in der Johannischen Kirche des 17. Januar 1935 gedenken, an dem unsere Kirche einst verboten wurde, so ist auch dieser Tag heute kein Trauertag mehr: Wenn Menschen gedenken es böse zu machen, und Gott will das Gute, so setzt sich das Gute durch. Der Sieg gehört immer der Liebe, die alles überwindet.

Vertrauen will ich: Es wird alles gut!
Du hältst die Welt in deinen Vaterhänden.
Und wenn mir jetzt noch manches wehe tut,
dein ist die Kraft, und du kannst alles wenden.

Vertrauen will ich: Du hast lieb bestimmt,
was mir als Last zu tragen aufgegeben;
und wenn mein Herz es willig auf sich nimmt,
wird es die Hilfe immer neu erleben.

Vertrauen will ich: Ich bin nie allein,
denn du willst treu an meiner Seite gehen.
Und werd ich deines Geistes Werkzeug sein,
kann dein Erlösen auch durch mich geschehen.

Vertrauen will ich: Alles sieht dein Blick;
es ist ihm nichts im großen All verborgen.
Und vor dir offen liegt auch mein Geschick,
ich brauch mich nicht um dein Verstehn zu sorgen.

Vertrauen will ich: Du vergisst mich nie,
und du bist bei mir bis zur letzten Stunde.
Was deine Liebe jemals mir verlieh,
es ist und bleibt ein Ruf zu ewgem Bunde.

Von Eberhard Köhler