Ein Jahreswechsel ermahnt uns, dass alles endlich ist

Wir sollten lernen, unsere Lebenszeit zu nutzen

Das Jahr neigt sich dem Ende. Schon wieder, mag man fast sagen, da die Zeit immer schneller zu vergehen scheint. Kaum hat man sich über die wärmenden Strahlen der Sommersonne gefreut, ist nun schon fast der Dezember wieder vorbei. Liegt das daran, dass man scheinbar nur noch durchs Leben hetzt? Nimmt man sich zu wenig Zeit, um einmal zur Ruhe zu kommen, abzuschalten, sich auf die heilsamen, stärkenden und freimachenden Gaben Gottes unabhängig von Raum und Zeit einzulassen? Oder ist es wirklich so, dass mit zunehmendem Alter die Zeit schneller vergeht?

Vielleicht ist das ja so gottgewollt. Weil wir ja auch lernen müssen, Zeit nicht zu vergeuden. Zeit ist Geld, sagt die Welt. Aber darum geht es Gott nicht. Unsere Lebenszeit hier auf der Erde ist begrenzt, genauso begrenzt wie ein Jahr, das auch einen Anfang und ein Ende hat. Nur dass wir unser Lebensende meist nicht vorhersehen können, ein Jahresende terminlich schon. Wir können in einem Jahr sehr genau planen, wann wir welche Termine wahrnehmen wollen: Wann wir Urlaub nehmen wollen, welche Zeiten uns wichtig sind, wann wir beispielsweise ein Fest vorbereiten müssen, wann wir unser Haus und Hof wetterfest manchen müssen, wann wir pflanzen oder ernten können. Somit kann ein Jahreslauf eine gute Hilfe sein, wenn es darum geht, auch unser Leben nach einem Plan auszurichten. Nicht, dass wir alles vorausorganisieren sollen: Familie, Haus und Hof, Karriere, Hab und Gut. Nein, wichtig ist, den Sinn unseres Lebens anhand der göttlichen Lehren zu begreifen und alles dafür zu tun, um nach Ablauf unserer Lebenszeit die wichtigen Dinge geschafft zu haben. Mit den wichtigen Dingen meine ich dabei solche, wie sie in den Zehn Geboten und in Jesu Gebot der Liebe zu finden sind: Gott die Treue halten, seine Gesetze achten, den Nächsten lieben, Freude im Glauben vermitteln, das Gebet pflegen, Menschen helfen und achten, Vorbild sein, lernen auf die innere Stimme zu hören und den Geist zu empfinden, die Gemeinschaft zu fördern und mitzugestalten, zueinander Brücken zu bauen und vieles mehr.

Ein Jahreswechsel ermahnt uns, dass alles endlich ist, dass uns für vieles hier auf der Erde nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht und alles zu seiner Zeit geschafft werden sollte. "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen", sagt der Volksmund. Und das gilt nicht nur für die handwerkliche oder berufliche Arbeit, sondern auch für unsere Beziehung zu Gott und den Menschen: Probleme mit dem Mitmenschen nicht erst lange "reifen" lassen, denn davon klären sie sich nicht. Nicht erst morgen oder im nächsten Jahr damit anfangen, sich ändern zu wollen oder eine schlechte Angewohnheit abzulegen. Nicht erst abwarten, ob ein anderer hilft, bevor man selbst mit anpackt.

Manch einer verschenkt wertvolle Erlösungszeit, wenn er sich nur nach den weltlichen Genüssen und Gütern ausrichtet. "Was soll aus seiner Seele werden, wenn sie fürs Geist’ge keinen Sinn?", so beschreibt es Joseph Weißenberg, der Gründer der Johannischen Kirche, in seinem Gedicht.

Wollen wir am Jahresende Gott danken für ein weiteres Jahr an seiner Hand, dass er uns segensreich und liebevoll immer wieder führt und leitet und in Aufgaben stellt. Wollen wir dankbar sein für die Gemeinschaft, in der wir an Gottes Werk der Liebe hier auf Erden wirken können. Mögen wir schwungvoll und tatkräftig, aber mit der nötigen inneren Ruhe, Ausgeglichenheit und Gottvertrauen die Zeit des kommenden Jahres nutzen, um ihm näher zu kommen, sein Werk voran zu bringen und Mensch und Geist göttliche Liebe vorleben zu können.(jm)